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Tausche Bürostuhl gegen Hängematte

Thema des Tages Tausche Bürostuhl gegen Hängematte

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, seinen Lebensunterhalt mit Reisen rund um die Welt zu verdienen? Das Büro-Dasein gegen Sommer, Sonne, Strand und Meer eintauschen und das dauerhaft? Angelika Schwaff aus Tündern (Hameln) hat sich diesen Traum – zumindest in Teilen – erfüllt, denn sie ist in ihrem Berufsleben schon viel herumgekommen.

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Man kann schlechter arbeiten – Hauptsache die Unterkunft hat eine Internetverbindung.

Quelle: pr.

Sechs Jahre lang war sie als Pressesprecherin für Germanwings und Air Berlin tätig. Bei den vielen dienstlichen aber auch privaten Reisen konnte sie viele Tipps sammeln, sodass sie automatisch zur Quelle für ihre Freunde wurde, erzählt sie. Angefangen mit dem Blog hat dann alles 2010, als sie, wie sie selbst sagt, einfach zu faul war, um ihren Freunden immer aufs Neue Reiseempfehlungen zu geben.

 Sie richtete den Blog „Reisefreunde“ ein, um nicht mehr jedem Einzelnen per E-Mail die neuesten Restauranttipps und Hotelempfehlungen geben zu müssen. Die Blogadresse „ichweisswo“ hat sie gewählt, weil ihre Freunde immer wieder zu ihr kamen und fragten: „Sag mal Angelika, weißt du wo… ?“ Eigentlich sollte der Blog nur für ihre Freunde sein. Eigentlich. Denn hätte ihr jemand gesagt, dass sie fünf Jahre später pro Monat 20000 Besucher erreichen würde, hätte sie der Person wohl den Vogel gezeigt, erzählt Schwaff.

 Die heutige Wahl-Berlinerin kommt ursprünglich aus Tündern und hat sehr positive Erinnerungen an ihre Kindheit auf dem Lande. Als sie und ihre Zwillingsschwester sechs Jahre alt waren, zogen die Eltern 1978 mit ihnen nach Hameln. „In meiner Kindheit war Tündern ein richtig verschlafenes Dorf. Wir konnten noch auf der Straße spielen und waren eigentlich dauerhaft draußen – eine schöne Zeit“, so Angelika. Sie erinnert sich gern daran zurück und redet immer wieder mit ihren Freunden über die alten Zeiten.

 Heute lässt Angelika auch weiterhin Freunde und Familie an ihren Reisen rund um die Welt teilhaben. Erlebnisse, Tipps und Empfehlungen, aber auch Pannen werden auf ihrem Blog „Reisefreunde“ veröffentlicht. Dann schreibt Angelika über quietschende Segelboote, die sie vor der Küste Maltas sanft in den Schlaf gewogen haben, von der kleinsten Hotelinsel der Malediven, auf der sie das Paradies gefunden hat oder über das sogenannte „Crop Over“ Festival auf Barbados, das eigentlich mal ein Erntedankfest war, heute aber eher an den Karneval in Rio erinnert.

 Wer sich den Blog „Reisefreunde“ anschaut, der bekommt sofort Fernweh. Die vielen Bilder von den verschiedensten Orten der Erde laden regelrecht zum Träumen ein.

 Auf ihrem Blog schreibt sie aber nicht nur über ferne Länder, sondern auch über das Weserbergland, Hameln und das Landgasthaus Specht in Egge, denn Angelika hat eine Schwäche für gutes Essen. In ihr Hameln, wie sie sagt, kommt sie immer wieder gerne zurück. „Hier bin ich zur Schule gegangen, habe meinen Führerschein gemacht und war zum ersten Mal verliebt,“ erinnert sie sich. In den Blog-Einträgen schwärmt sie von der Landschaft des Weserberglands, dem Rattenfänger-Museum oder dem Pfannekuchen Haus in der Altstadt. Das sind nur einige Gründe dafür, warum sie auf die Frage, wo in der Welt es denn am schönsten sei, immer mit Zuhause antwortet.

 In 60 Ländern ist sie schon gewesen, aber „so viele Flecken“ müssen noch bereist werden, erzählt sie. Im Iran war sie noch nicht, aber das soll sich bald ändern, auch wenn ihre Schwester ausflippen würde vor Angst, so die Bloggerin. Besondere Eindrücke haben Neuseeland mit seiner atemberaubenden Schönheit, Vietnam mit der für Angelika besten Küche der Welt oder die Philippinen hinterlassen, auf denen sie die freundlichsten Menschen getroffen hat, die ihr Leben und Denken nachhaltig geprägt haben. Die meisten Abenteuer hat Angelika wohl auf der Südinsel Neuseelands erlebt. Dort war sie beim Bungee-Jumping und ist beim Skydiving an ihre Grenzen gekommen – so oft wie sonst nirgendwo anders.

 Natürlich läuft bei den Reisen nicht immer alles reibungslos ab – es passieren auch schon mal Pannen. „Trotz der guten Planung laufen Kleinigkeiten dann doch mal schief, aus denen man nur etwas Gutes machen muss“, so Angelika. Auf einer Vietnam-Reise ist sie dann statt zwölf eben 17 Stunden Zug gefahren, hat in einem völlig heruntergekommenen Abteil geschlafen – was angeblich schon eines der Besseren gewesen sein soll und hat sich mithilfe einer lustigen Hand- und Fußkombination mit dem dauerrauchenden Schaffner unterhalten. Das sind die besonderen Erlebnisse, die den Blog füllen und Angelika staunen lassen. Ein gähnender Löwe direkt neben dem Safarifahrzeug in Südafrika und das Tauchen mit Mantas auf den Seychellen zählen wohl eher zu den verrückteren und außergewöhnlichen Erlebnissen. Doch es sind genau diese Dinge, die ihre Reisen zu etwas Einzigartigem, ganz Besonderen und vor allem Erzählenswerten machen.

 Das Reisen und den Blog betreibt Angelika neben ihrer Tätigkeit als Beraterin für Firmen in Sachen Internetpräsenz und Online-Kommunikation. Außerdem macht sie Fotos und dreht Videos für die Reise-Industrie. Den Blog sieht sie selbst eher als ein Portfolio und ihr Rückgrat an, denn Werbebanner sind dort nicht zu finden, worauf sie sehr stolz ist. Die Reisen bedeuten aber entgegen der Vorstellung von Vielen nicht nur Urlaub, Erholung und Entspannung – die meisten sind harte Arbeit. Da beginnt der Tag bereits früh morgens und endet spät in der Nacht. Dazwischen gibt es eine Menge Programm oder Termine, die Angelika wahrnehmen muss. Eben nicht immer alles Sommer, Sonne, Sonnenschein. Doch dann, so die Bloggerin, ziehe sie so viel wie möglich aus der Reise – allerdings keine Erholung und Entspannung.

 In einigen Monaten ist sie nur zwei oder drei Tage zu Hause in Berlin, in anderen sind es mal zwei Wochen. Das ist allerdings eher die Ausnahme. Im vergangenen Jahr war Angelika 260 Tage unterwegs. Generell arbeite sie viel mehr, als noch zu ihrer Angestelltenzeit, erzählt sie. Es gäbe kaum noch normale Feierabende oder Wochenenden – dafür würde sie allerdings bei der Arbeit nicht am Schreibtisch sitzen, sondern irgendwo am Strand. Das entschädigt dann doch für Vieles, aber eben nicht für alles. Auch das Privatleben bleibt oft auf der Strecke.

 Bei all den Reisen fühlt sie sich an zwei Orten besonders wohl und vor allem zu Hause. Zum einen in ihrer Berliner Wohnung und zum anderen in Tündern. Ihre Schwester sei nach 17 Jahren Auswandererzeit in New York vor sieben Jahren wieder zurück nach Hameln gezogen. Nach dem Tod der Eltern zog diese mit ihrem Mann vor mehr als sechs Jahren zurück in das alte Elternhaus. Kein Ort bedeutet mehr Heimat und Geborgenheit für Angelika. „Keine Reise ist schöner als die dorthin zurückzukehren, kein Abschied fällt mir schwerer. Jedes Mal zieht sich mein Herz zusammen, wenn ich meine Schwester, unser Haus, mein Tündern und mein Hameln wieder verlassen muss. Und wer weiß, vielleicht lebe ich irgendwann wieder genau dort.“ Gesundheit, Glück und Freunde sind ihr immer noch das Wichtigste. Und wenn man Angelika nach ihrer Zufriedenheit und ihren Zielen sowie Wünschen für die Zukunft fragt, dann antwortet sie: „Ganz ehrlich: Wer möchte nicht lieber den Schreibtischstuhl mit Blick auf die Wand gegen eine Hängematte mit Blick auf den Sonnenuntergang tauschen?“

Von Nora Menzel 

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