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Tödliche Gefahr für tief fliegende Seeadler?

Bangen um den scheuen Vogel Tödliche Gefahr für tief fliegende Seeadler?

Die Freude des Forstamtes über die Ansiedlung des Seeadlers bei Rinteln währt nicht lange. Immer wieder stören Wanderer den empfindlichen Aasfresser bei der Brut. Für die WGS lauert die Gefahr vor allem in den geplanten Windrädern zwischen Ahe und Westendorf.

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Seeadler könnten durch Windräder „geschreddert“ werden, fürchtet der WGS-Vorsitzende Gert Armin Neuhäuser. Forstamtsleiter Christian Weigelt sieht das als unwahrscheinlich. Größere Gefahr bestehe durch bleihaltige Munition und „Adlertouristen“, die den Brutvorgang stören.

Quelle: dpa/Christian Allinger/Fotomontage:jak

Thema des Tages. Beim Seeadler wird Christian Weigel emotional. Der Forstamtsleiter beklagt, dass nach dem SN-Bericht von Sonnabend „Adlertouristen“ vermehrt nach Wennenkamp strömen würden. „Dümmer geht es nimmer“, findet Weigel deutliche Worte. Eigentlich wollte das Forstamt durch den Schritt an die Öffentlichkeit verhindern, dass unwissende Wanderer den brütenden Vogel stören. Stattdessen würden uneinsichtige Spaziergänger die Information nutzen, um das Brutpaar zu stören. „Das ist total zum Kotzen“, sagt Weigel.  

Eine andere Gefahr für den Seeadler sieht die Rintelner WGS, die in einer Pressemitteilung Landrat Jörg Farr auffordert, aufgrund des gefährdeten Bestandes die geplanten Windkraftanlagen zwischen Ahe und Westendorf zu stoppen. „Wer als Verwaltung jetzt nicht handelt, riskiert neben gerichtlichen Niederlagen auch durch Windenergieanlagen geschredderte Seeadler“, betont der WGS-Vorsitzende Gert Armin Neuhäuser. Doch Weigel wiegelt ab.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Seeadler für die Jagd die Weser überquere und bis nach Schaumburg fliege, sei gering. „Der Seeadler ist ein sehr fauler Vogel“, sagt der Forstamtsleiter. In Wennenkamp finde er ein gutes Nahrungsvorkommen vor, habe also kaum Notwendigkeit, weit zu suchen.

Anders sehe die Situation aus, sobald die Jungen flügge werden. Dann werden sie von ihren Eltern vertrieben und legen weite Strecken zurück, um sich ein eigenes Revier zu suchen. Dann mache es aber keinen Unterschied, ob das Windrad in Schaumburg, Göttingen oder im Elsass stehe. Denn ihre Reise führe die jungen Seeadler teils bis nach Frankreich.

Während der Brutzeit brauchen die Seeadler vor allem Ruhe. Die Weibchen, die die direkte Aufzucht übernehmen, flüchten aus dem Nest, sobald sich Menschen nähern. Schon auf 300 Meter könnten sie einen Menschen wahrnehmen, weiß Revierförster Torsten Buchholz, der schon mehrere Wandergruppen beobachten konnte, die auf den gesperrten Wegen unterwegs waren. Doch die Sperrung sei keine Schikane, sondern ein wichtiger Schritt, um das Überleben der Jungen zu gewährleisten.

Denn während die Mutter vor Menschen flüchtet, seien die Küken auf sich allein gestellt und Wind und Wetter ausgesetzt. Dadurch könnten sie schnell auskühlen oder durch die Sonne geschädigt werden.

Normalerweise würde die Mutter ihre Kinder in so einem Fall schützen. Nicht aber, wenn sie von uneinsichtigen Wanderern aufgeschreckt wurde. Das Forstamt hat inzwischen alle Arbeiten in der Schutzzone während der Brutzeit eingestellt.

„Natürlich ist das ein Nachteil für uns, aber den nehmen wir gerne in Kauf“, sagt Weigel. Zusätzlich zur Ruhestörung durch Wanderer sieht Weigel noch eine weitere Bedrohung für den Seeadler: Da er sehr gerne Aas fresse, seien mit Bleimunition geschossene Tiere eine ständige Gefahr. Er appelliert daher an die Jägerschaft, auf bleihaltige Munition zu verzichten.

Es dauert vier bis sechs Wochen, bis die geschlüpften Seeadlerküken flügge sind. Die Schutzzone ist derzeit bis zum 30. Juni eingerichtet. Sollten die Jungen schon früher losziehen, werden die Wege freigegeben. jak

Seeadler

Das nächste bekannte Seeadlerpaar befindet sich am Steinhuder Meer. Seeadler brüten typischerweise in großen Fluss- und Seenlandschaften. Dass sich das Tier auch mitten im Wald niederlässt, führt Forstamtsleiter Christian Weigel auf die nahe gelegenen Weserauen zurück, die sich offenkundig so gut erholt hätten, dass sie für den seltenen Greifvogel wieder attraktiv genug zum Leben sind. Seeadler ernähren sich nicht ausschließlich von Fisch, sondern fressen auch Aas, Enten und Gänse. r

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