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Totgesagte leben länger

Buchmarkt präsentiert sich bunt Totgesagte leben länger

„Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte“, dichtete einst der Lyriker Eduard Mörike. Auch auf dem Buchmarkt herrscht Aufbruchsstimmung. Die heimischen Buchhändler besinnen sich im Kampf gegen den Giganten Amazon auf ihre Stärken und zeigen, was sie zu bieten haben. Ihre Tipps fürs Frühjahr.

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Reichlich spannenden Lesestoff bietet der Buchmarkt im Frühjahr.

Quelle: Bilderbox

Thema des Tages. Auf Regen folgt Sonnenschein, anschließend gibt es Schnee und danach blauen Himmel: Während der Frühling meteorologisch derzeit noch etwas Anlaufschwierigkeiten hat, herrscht auf dem Buchmarkt Aufbruchstimmung. Auf der Leipziger Buchmesse, als erstem großen Branchentreff der Saison so etwas wie ein Impulsgeber für den Büchermarkt, haben 2263 Aussteller ihre Neulinge präsentiert.

Diese fluten nun die Regale und sind bereits bei den heimischen Buchhändlern erhältlich. Unsere Zeitung hat nachgefragt, welche literarischen Neuheiten den besten Lesestoff bieten und welche Stimmung allgemein in der Branche herrscht.

Für Cornelie von Blum, Inhaberin der Hamelner Buchhandlung von Wedemeyer, ist die Auswahl in diesem Frühjahr „ungewöhnlich stark“. Ihr absoluter Favorit ist „Judas“ von Amos Oz. „Schon lange nicht mehr hat mich ein Buch so sehr beschäftigt wie dieses“, sagt von Blum. Der Roman behandle auf ungewöhnliche Weise den Nahost-Konflikt und das Verhältnis von Christen, Juden und Arabern. „Das Thema ist hochbrisant“, urteilt die Buchhändlerin.

Auch in Uta Fahrenkamps kleinem Laden „Buch und Wein“ in Rinteln steht der Bestseller des israelischen Schriftstellers in mehreren Exemplaren im Regal. Überhaupt würden Autoren, die sich mit dem Israel-Palästina-Konflikt beschäftigen, von den Kunden häufig nachgefragt, sagt die Inhaberin. Fahrenkamp setzt gerne eigene literarische Schwerpunkte, die gleichwohl die Neigungen vieler Leser – oder besser: Leserinnen – treffen.

Gerne empfiehlt sie aktuelle Frauenliteratur, darunter etwa Doris Knecht mit „Besser“ und „Wald“, oder Anke Stellings „Bodentiefe Fenster“. Romane, die vom Anderssein erzählen, von den Freunden und dem Scheitern im Liebes- und Beziehungsleben. „Sehr ehrlich, oft nüchtern und in nicht anspruchsloser, aber klarer Sprache“, urteilt Fahrenkamp. Bei Männern stehen eher Sachbücher im Vordergrund, beispielsweise zur Finanzkrise und Griechenland, Datensicherheit und Islamismus.

Dörte Hansen hat dem „Alten Land“ mit ihrem gleichnamigen Debüt ein Denkmal gesetzt. Die Erzählung über zwei Einzelgängerinnen, die eine Familie finden, sei sprachgewaltig und „mit einem unvergleichlich trockenen Humor“ geschrieben, schwärmt Petra Bunte von der Thalia-Buchhandlung in der Stadtgalerie Hameln. Auch in der Hamelner Buchhandlung Matthias und bei von Wedemeyer steht der Roman auf der Empfehlungsliste. Ebenfalls äußerst lesenswert sind laut Urteil der Buchhändler Jamie Attenbergs „Die Middelsteins“, Harlan Cobens „Ich finde dich“, Martin Suter mit „Montecristo“ und Mamen Sánchez mit „Die schönste Art, sein Herz zu verlieren“. Auch T.C. Boyles „Hart auf hart“, John Williams „Butcher’s Crossing“ sowie „Kühn hat zu tun“ von Jan Weiler und „Konzert ohne Dichter“ von Klaus Modick stehen bei den Experten hoch im Kurs.

Speziell für Jugendliche hat Petra Bunte noch einen Tipp parat: „Eleanor & Park“ von Rainbow Rowell. „Ein herrliches Buch über den Zauber der ersten Liebe und darüber, was es heißt, Außenseiter zu sein“, sagt die Thalia-Mitarbeiterin.

Fernab von den literarischen Neuheiten sorgt der Strukturwandel in der Buchbranche weiter für eine ungewisse Zukunftsperspektive. Die heimischen Buchhändler spüren die fortschreitende Digitalisierung und die Verlagerung des Verkaufs ins Internet. Stefan Matthias beschreibt es wie folgt: „Der größte Segen des Internets – die schnelle und kostenlose Informationsbeschaffung – ist zugleich eine schwere Last für das Verlags- und Buchwesen.“ Das betreffe vor allem Sach- und Fachbuchthemen. Über die fachliche Qualität und Herkunft der Einträge machten sich dabei nur wenige Nutzer Gedanken, bedauert er. Die Folge: Lexika, Landkarten und Stadtpläne, aber auch etliche Ratgeber zu wichtigen Themen verschwinden aus dem Sortiment.

Doch nicht nur der Buchhandel leide, sagt Cornelie von Blum. „Durch das Überangebot im Internet zu jeder Tages- und Nachtzeit und die Bequemlichkeit der Kunden veröden die Innenstädte.“ In den „Jammerkanon über langweilige Innenstädte“ steigt der Internetkunde aber sofort ein, obwohl er selbst aktiv dazu beiträgt, sagt von Blum.
Die Buchhändler passen sich diesem Wandel zunehmend immer besser an, verkaufen E-Books und E-Reader und betreiben eigene Online-Shops. Matthias gibt Tipps für den Kauf eines E-Readers.

„Wichtig ist, dass das Gerät unabhängig von einzelnen Anbietern ist und unterschiedliche Dateiformate lesen kann.“ Der E-Reader sollte keine Werbung übertragen. Auch die weiteren Funktionen sind wichtig. „Vielfach ist ein Tablet die sinnvollere Anschaffung“, meint Matthias, zumal oft die gängigsten Formate unterstützt werden.

In der Bückeburger Buchhandlung Scheck werde vor allem der Vorbestellungsservice gut genutzt, berichtet Kerstin Lorenzen. Das Geschäft existiert seit mehr als 80 Jahren und hat entsprechend viele Stammkunden. „Auf der Höhe der Zeit müssen wir aber trotzdem bleiben, das ist klar“, sagt Lorenzen. Auch Cornelie von Blum geht den Trend mit: „Man darf nicht in alten Mustern verharren.“

Sie konstatiert jedoch: „Mein Geschäft und meine Passion gilt den Papierseiten.“ Nach einer langen Zeit des Klagens treten die stationären Buchhändler wieder selbstbewusst auf. Sie sind sich einig: Mit Amazon und Co. können sie nicht mithalten. „Allein der Versuch ist schon tödlich“, sagt Cornelie von Blum. Stattdessen besinnen sich die lokalen Buchhändler wieder auf ihre Stärken. „Bei uns kann man schmökern, riechen, fühlen und sehen. Das Papier lebt. Wir können mehr Bücher als Amazon besorgen“, sagt Hans-Peter Peschke von der Hamelner Buchhandlung Seifert.

Für Matthias haben die stationären Buchhandlungen einen großen Trumpf: die fachkundige Beratung. „Bei uns werden Bücher nicht nach den höchsten kalkulatorischen Gewinnen empfohlen, sondern nach dem individuellen Geschmack und Nutzen für unsere Kunden.“ Die Menschen wüssten dies zu schätzen, ist auch Lorenzen überzeugt. „Wir sind alle sehr geschickt darin, die richtigen Fragen zu stellen, um den oft erst vagen Wünschen auf die Spur zu kommen“, sagt sie. Die Buchhändler betonen also verstärkt den direkten Kontakt. Von Blum beschreibt das neue Miteinander so: „Der Kunde ist Teil der Buchhandlung; er gehört sozusagen zur Familie. Von Andreas Timphaus und Cornelia Kurth

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