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Unser Schaumburger Land

Heimatserie Unser Schaumburger Land

Wie leben wir? Wo fühlen wir uns zuhause? Dem Thema Heimat in all seinen Facetten widmen die Schaumburger Nachrichten eine ganze Serie. Bis Ende des Jahres werden in lockerer Folge Geschichten, Hintergründe, Portraits und Interviews erscheinen, die das SN-Motto „Heimat erleben“ und das Schaumburger Land von allen Seiten beleuchten. Heute erscheint Teil 2: „Schaumburg: Hier sind wir zu Hause“

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Wie alles begann

Landkreis. Die Grafen von Schaumburg, benannt nach der gleichnamigen Burg bei Rinteln, betraten im Jahre 1110 die Bühne der Geschichte. So beschreibt die historische Arbeitsgemeinschaft für Schaumburg die Anfänge des Schaumburger Landkreises als eigener Herrschafts- und Kulturraum. Seine Blütezeit erlebte die Grafschaft unter Fürst Ernst, der Anfang des 17. Jahrhunderts die Universität Rinteln gründete und die Stadt Bückeburg zur glanzvollen Residenz ausbaute.
Im Jahr 1640 stand das Schaumburger Grafenhaus dann ohne männlichen Nachkommen da, es folgten langjährige Auseinandersetzungen ums Erbe. Und in der Folge die Teilung der Grafschaft: Zum einen in das Fürstentum Schaumburg-Lippe im nördlichen Teil mit Regierungssitz in Bückeburg. Und zum anderen in die hessische Grafschaft Schaumburg als Bestandteil der Landgrafenschaft Hessen-Kassel im Süden mit Regierungssitz in Rinteln. Bis zur „Wiedervereinigung“ beider Teile mit der Gebietsreform 1977 vergehen fast 300 Jahre. Bis dahin erlebten Grafschaft und Schaumburg-Lippe eine wechselvolle Geschichte. Letztgenanntes war zwischen 1918 und 1946 sogar ein eigenes Land.
Die Anfänge der ursprünglichen Grafschaft haben noch immer große Bedeutung im Schaumburger Land. Zum einen ist das Nesselblatt schon seit dem 13. Jahrhundert Wappen von Schaumburg. Und die namensgebende Schaumburg (Bild) auf dem Nesselberg bei Rinteln als Stammsitz der Schaumburger Grafen ist Wahrzeichen der Region zwischen Steinhuder Meer und Wesergebirge.

Von Schlössern und Münzen

Vor allem Fürst Ernst war es, der im 17. Jahrhundert den Stil der italienischen Renaissance in Schaumburg „norddeutsch“ interpretieren ließ. Unter seiner Ägide ist zum Beispiel der Nordflügel des Bückeburger Schlosses ausgebaut worden. Wichtigste Gebäude der Weserrenaissance in Schaumburg sind das Stadthäger Schloss und die Bückeburger Stadtkirche. Während der Baustil das Stadtbild von Rinteln, Bückeburg und Stadthagen prägt, gibt es im ländlichen Bereich eine ganz andere architektonische Besonderheit: Die Schaumburger Mütze. Viele alte Bauernhäuser ziert das nach außen vorgewölbte Dach an den Giebelseiten, das aussieht wie ein Mützenschirm. Der Rundwalm diente in der Hauptsache zwei Zwecken: Er sollte noch mehr Lagerraum gewinnen und Fachwerk und Dielentor vor Wind und Wetter schützen.

Gelebte Tradition

Schaumburg ohne Trachtengruppen? Undenkbar! Die Tracht ist typisch für das Schaumburger Land, vor allem junge Leute halten die Tradition der „roten Röcke“ lebendig. Und im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland ist der Landkreis eine Rarität. Denn nirgendwo wurden Rock, Wams und Haube so lange getragen, wie zwischen Bückeburg und Bad Nenndorf: 1996 lebten noch mehr als 150 Trachtenfrauen.
Doch Tracht ist nicht gleich Tracht: Zwei Hauptvarianten hat es in Schaumburg gegeben. Die Lindhorster oder Oesterten Tracht und die Bückeburger oder Westerten Tracht. Dazu kommt die Friller Tracht im äußersten Westen Schaumburgs. Vor allem an der Form der Mützen können die Trachten voneinander unterschieden werden. Die „Punzmüssen“ der Lindhorster Tracht zieren lange, mit Perlen bestickte Schleifen, die „Dutzenmüssen“ der Bückeburger Tracht sind große, ausladende Flügelhauben.
Die Tracht erlebte Ende des 19. Jahrhunderts ihre Glanzeit und begleitete die Landbevölkerung durch alle Lebensalter – von der Taufe über Konfirmation und Hochzeit bis zur Trauerphase. Es gab sehr viele Varianten, viele Frauen haben die Tracht sehr bunt getragen. Die Hauptfarben waren rot, blau, grün und schwarz. An einheitlichen Details konnte man Herkunft und Familienstand der Trägerin ablesen. Jede Altersgruppe, jedes Kirchspiel hatte spezifische Kleidungsmerkmale. Eine große Rolle spielte außerdem der soziale Status und die wirtschaftlichen Verhältnisse. Wer es sich leisten konnte, ließ sich von Näherinnen und Stickerinnen besonders prächtige und aufwändige Schürzen, Tücher und Handschuhe fertigen. Doch egal ob in Bückeburg oder in Lindhorst – alle Trachtenfrauen trugen den roten Rock aus dickem Wollstoff, das Charakteristikum der Schaumburger Tracht.
Nationale Bekanntheit erlangte die Oesterten Tracht übrigens im Jahr 2010. Der Deutsche Trachtenverband zeichnete die farbenfrohe Kleidung als Tracht des Jahres aus.

Reich beschenkt

Sandstein, Kohle, Schwefel, Sole und Schlamm: Die Erde hat das Schaumburger Land reich beschenkt. Denn auf diese Bodenschätze gründete sich das wirtschaftliche Werden in der Region. Vor allem der Bergbau hat im Landkreis eine lange Geschichte, mehr als 500 Jahre lang wurde nach dem „schwarzen Gold“ gegraben, bis 1960 alle Bergwerke in Schaumburg stillgelegt wurden. Der Obernkirchener Sandstein hingegen – auf dem Kamm des Bückeberges abgebaut – wird noch heute als qualitativ hervorragendes Baumaterial in alle Welt vermarktet. Ähnlich sieht es mit Sole, Schwefel und Moor aus. Seit mehr als 200 Jahren werden die Naturheilmittel in Bad Nenndorf und Bad Eilsen zur Linderung zahlreicher Beschwerden eingesetzt.

Wilde Schafe und Teufelsholz

In Sachen Natur gehört das Schaumburger Land zu den reizvollsten Regionen Norddeutschlands. Vor allem die Höhenzüge – Deister, Süntel, Wesergebirge und der Bückeberg – prägen das Landschaftsbild zwischen Mittelgebirge und norddeutscher Tiefebene und locken zahlreiche Touristen an. Langgestreckte Wälder, die Flusslandschaft an der Weser und das Steinhuder Meer mit seinen Meerbruchwiesen sind Lebensraum für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten. Kuriosum: In Schaumburg, genauer: auf dem Bückeberg, lebt die größte Mufflon-Population Niedersachsens. Etwa 300 der in Korsika beheimateten Wildschafe können sich dort geschützt vor Feinden wie Luchs oder Wolf vermehren. Und in Rinteln hat sich im Frühling erstmals ein Seeadlerpärchen zur Brut niedergelassen.
Eine Rarität hat Schaumburg auch in punkto Pflanzen: Wer durch den Bad Nenndorfer Kurpark spaziert, begeistert sich dort für die knorrigen und verschlungen wachsenden Süntelbuchen (Bild). Die wegen ihrer ungewöhnlichen Wuchsform auch „Teufelsholz“ genannten Bäume sind bundesweit nur noch an etwa 50 Standorten zu finden. Die Anfang des 20. Jahrhunderts von Carl Thon in Bad Nenndorf angelegte Süntelbuchenallee ist der größte Bestand an alten Exemplaren. Die weltweit wohl größte und mit 200 Jahren älteste Süntelbuche steht in Lauenau.
Übrigens: Die Weser ist der dominierende Fluss im Landkreis – auch wenn sie ihn nur im Süden auf wenigen Kilometern durchfließt. Allerdings münden alle Schaumburger Flüsse – in der Hauptsache die Bückeburger, Sachsenhäger und Rodenberger Aue – über Umwege in der Weser.

Steckbrief Schaumburger Land

Größe: 657 Quadratkilometer

Einwohner: 156.000 Einwohner

Kreisstadt: Stadthagen

Höchster Punkt: 378 Meter in Goldbeck

Tiefster Punkt: 39 Meter am Hagenburger Schloss

Nachbar-Landkreise: Nienburg, Hannover, Hameln-Pyrmont, Lippe, Minden-Lübbecke

Wappen: Ein Nesselblatt im roten Schild mit blauem Schildrand

Wahrzeichen: Die Schaumburg auf dem Nesselberg in Rinteln

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