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Vom Pony bis zur Stereoanlage

Thema des Tages Vom Pony bis zur Stereoanlage

Der Weltspartag animiert Kinder in jedem Jahr dazu, sich für gut gefüllte Sparschweine eine Belohnung abzuholen. Doch welche Träume erfüllen sie sich eigentlich von den Ersparnissen?

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Symbolbild

Quelle: dpa

Viele Jugendliche plündern die Sparbücher für das eigene Auto. Andere geben sich mit einer Pferdestärke zufrieden – so wie SN-Volontärin Virginé Rolke (25). Von ihrem ersten großen Ersparten kaufte sie sich ein kunterbuntes Pony mit dem Namen Chili Pepper. Der freche Lümmel hatte es häufig faustdick hinter den Ohren und preschte mit ihr durch Wälder und über Wiesen.

„Früher gab es kein Taschengeld, höchstens einmal eine kleine Summe von Verwandten – statt Schokolade“, erinnert sich Fritz Wehling, Vorstandsmitglied im Verkehrsverein Stadthagen und Umgebung, an seine Kindheit. Das Geld wurde gespart. Wehling: „Von meinem Sparbuch durfte ich mir dann ab und zu eine kleine Summe abheben, vielleicht 20 Mark. Für das Geld habe ich mir Teile für meine elektrische Eisenbahn gekauft – oder Schneider-Bücher. Ich erinnere mich genau an ‚Locke und die Fußballstiefel‘“ Fußballfan ist der Stadthäger bis heute geblieben.

Wie die meisten Jungen war Günther Bartels (72), ehemaliger Vorsitzender des Verkehrsvereins Stadthagen und Umgebung und des FC Stadthagen, schon als Kind Fußballfan. 1954 hat er sich von seinem eigenen Geld ein Buch über die legendäre Weltmeisterschaft im gleichen Jahr gekauft. Hierin wurden auch die Akteure vorgestellt. Bartels: „Fritz Walter war mein Lieblingsspieler.“ Auch einen Lederfußball hat der Stadthäger als Kind erworben: „Das Geld gab es von der „Mutter und von Verwandten.“ Vom ersten Lehrgeld – „Aber von mehreren Monaten!“– leistete sich Bartels ein Kofferradio.

Als Kind hatte Gunter Ludewig (77) nie genug Geld, um es zu sparen. „Was ich hatte, habe ich ausgegeben“, sagt der Vorsitzende des Lindhorster Bergbau-Fördervereins. „Auf Hochzeiten haben wir uns als Kinder auf den Boden geworfen, um die Münzen einzusammeln, die die Leute für das Brautpaar geschmissen haben“. Von der Ausbeute ist er manchmal ins Kino nach Sülbeck gegangen. Seine erste große Motivation zum Sparen war sein Hobby, der Bergbau. Schon vor der Gründung des Bergbaumuseums vor 19 Jahren bot er auf Flohmärkten allerlei Trödel an. Mit dem Geld, das er dort einnahm, kaufte er wiederum Relikte aus der Bergbaugeschichte – alte Grubenlampen oder Fotos. Manche Exponate finden sich immer noch im Museum.

Sarah-Madeleine Keller (30), Pastorin in der Kirchengemeinde Sülbeck, muss lange in ihrer Erinnerungen kramen, bis ihr einfällt, wofür sie als Jugendliche gespart hat: „Ich habe ewig lange auf mein erstes Mountainbike gespart“, erzählt sie. Auch heute noch schwingt sich die junge Pastorin gerne aufs Fahrrad, im Berg ist sie allerdings seltener unterwegs. Die Dinge, auf die sie spart, sind heute größer geworden: für ein Auto oder den Urlaub zum Beispiel.

Landrat Jörg Farr (54) hat als erstes Erspartes sein Konfirmationsgeld investiert: „Ich habe dafür eine Kompakt-Stereoanlage gekauft – mit Radio, Kassettenteil und Plattenspieler. Aus der Erinnerung heraus schätze ich 300 DM, dafür riesengroß, so etwa 70 mal 40 Zentimeter. Einmal die Woche kam eine Chartsendung im Radio mit aktuellen Hits, moderiert von Mal Sondock. Die Sendung war damals hipp und Musik hören war wichtig. Ich saß dann vor der Anlage, um im richtigen Moment die zwei Tasten zur Aufnahme zu drücken und die Hits auf Kassette mitzuschneiden. Super, wen es geklappt hat. Ärgerlich, wenn es Bandsalat gab oder die Musik schon spielte."

Der hiesige Bundestagsabgeordnete Maik Beermann (35) hat sein Sparbuch als Kind mit Zustimmung seiner Eltern das erste Mal angetastet, um seinen Bestand an Siku-Spielfahrzeugen zu ergänzen: „Als mein geliebter New Holland Mähdrescher nach vielen Jahren des treuen Einsatzes ausgetauscht werden musste, brauchte es Ersatz. Auf ging es also nach Nienburg und ein neuer Mähdrescher (Deutz Top Liner) fand in mir einen neuen Besitzer. Mein Fuhrpark war wieder komplett und der Mähdrescher kam zu Hause sofort zum ersten Einsatz. Da ich damals noch kein eigenes Taschengeldkonto hatte, ist diese Erinnerung immer noch präsent, denn bis zu diesem Zeitpunkt wurde immer nur Geld auf das Sparbuch eingezahlt und nicht abgehoben.“

Das erste Sparerlebnis ist schon eine Weile her, da muss Heiko Tomsic, der Küster der Kirchengemeinde in Hagenburg schon ein wenig nachdenken. „Ein Sparbuch“, sagt er dann. Noch ohne konkreten Wunsch, sich etwas anzuschaffen. „Davon habe ich mit dann später den Führerschein und das erste Auto leisten können.“ Und auch gegenwärtig gibt es noch keinen besonderen Wunsch von Tomsic, auf den er spart, wenngleich der abgeschlossene Bausparvertrag doch ein wenig die Richtung vorgibt, denn an einem eigenen Haus gibt es eigentlich immer etwas zu tun.

Mit seinem ersten selbst gesparten Geld hat sich SN-Praktikant Till Bohnhorst (16) in der siebten Klasse ein Smartphone gekauft. „Vorher hatte ich nur ein kleines Klapphandy“, erinnert er sich. Weil viele seiner Mitschüler bereits ein Smartphone besaßen, war er sehr froh, dass er sich selbst ein Modell kaufen konnte, nachdem er eifrig gespart hatte. „Ich wusste sofort, als ich das Handy das Erste mal in der Hand hatte, welches Modell es werden sollte“, sagt Till.

ssr, kil, mak, vr, bab, sk, tib

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