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Vorbereitung auf den Notfall

Hilfe für den Hund Vorbereitung auf den Notfall

Korrekt ausgeführte Herzmassage, Wundenversorgung: Wer schon einmal einen Erste-Hilfe-Kurs besucht hat, weiß, worauf es im Notfall ankommt. Doch was tun, wenn nicht ein anderer Mensch sondern ein Hund Erste Hilfe benötigt? SN-Volontärin Virginé Rolke hat sich schlau gemacht und einen Kurs besucht.

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Hannie hält beim Verbinden der Pfote artig still.

Quelle: vr

Thema des Tages. Caspar liegt auf dem Boden, weder Puls noch Atmung sind festzustellen. Auch nach festem Kneifen in die Pfote bleibt der braune Hund regungslos auf dem Boden liegen. Beherzt greift Helmut Schmidt in die Schnauze und zieht die Zunge zur Seite – die Atemwege müssen frei sein, wenn er mit der Wiederbeatmung anfängt.

Zwei kurze Atemstöße – und dann beginnt die Herzmassage. „30 Mal drücken und dann wieder zwei Mal beatmen, beides im Wechsel, so lange es nötig ist“, erklärt Schmidt. Der Rentner ist Leiter des Erste-Hilfe-Kurses am Hund des Arbeiter-Samariter-Bundes in Barsinghausen und Caspar ist ein Dummie, an dem die Teilnehmer die lebensrettenden Maßnahmen üben können.

Schmidt züchtet Golden Retriever und hat während dieser Zeit schon einige Situationen erlebt, in denen sein Wissen einem Hund nicht nur geholfen, sondern sogar dessen Leben gerettet hat. „Nach der Kaiserschnittgeburt meiner Hündin musste ich einen Welpen beatmen“, erinnert sich Schmidt. „Er hat es gepackt und ist nun schon zwölf Jahre alt.“

Insgesamt 14 Hundebesitzer nehmen an dem Kurs „Erste Hilfe am Hund“ teil. Sie alle möchten im Notfall ihren Vierbeinern Hilfe leisten können. „Didi ist Diabetikerin und ich musste sie auch schon mal nach einem Bandscheibenvorfall schnell in eine Klinik bringen“, erklärt Birgit Rosenbusch. Didi ist Rosenbuschs zwölfjährige Border-Terrier-Mix Hündin und muss von ihrem Frauchen regelmäßig Insulin gespritzt bekommen. „Ich habe auch immer Traubenzucker dabei, aber in einem echten Notfall wüsste ich nicht, was ich tun soll.“ Das soll sich nun mit dem Erste-Hilfe-Kurs ändern.

Auch Gudrun Hermann nimmt mit ihrem Labrador Gipsy am Kurs teil. „Gipsy hat mal einen Maisenknödel verschluckt und bekam keine Luft mehr, mit viel Glück haben wir den Knödel wieder rausbekommen“, erinnert sich Hermann. Einige der Teilnehmer waren noch nie in einer Notsituation, möchten sich aber dennoch vorbereiten und Kursleiter Schmidt weiß: „In bestimmten Situationen zählt jede Sekunde.“

Doch nicht nur das richtige Beatmen lernen die Männer und Frauen. „Im Winter war ich mal mit einem meiner Rüden im Wald“, berichtet der Kursleiter. „Er lief durch den Schnee und plötzlich färbte sich dieser rot. Mein Hund hatte sich einen Stock durch die komplette Pfote getreten.“ Da Schmidt immer ein kleines Notfallpaket bei sich hat, konnte er seinem Hund sofort einen Druckverband anlegen und brachte ihn anschließend zum Tierarzt. „So konnte ich die Blutung vorerst stoppen.“ Wichtig ist: Den Fremdkörper nicht entfernen, das muss dem Tierarzt überlassen werden.

Am lebenden Beispiel, Schmidts Hündin Hannie, zeigt der Rentner, wie ein Druckverband an einer Pfote angebracht wird. Doch nicht nur an den Pfoten können sich die Tiere verletzen: Hat sich der Vierbeiner beispielsweise beim Stöckchen kauen einen Splitter in den Gaumen gehauen, ist Vorsicht geboten. „Nicht alle Hunde lassen sich einfach so in die Schnauze fassen“, erklärt Schmidt.

Damit sich der Helfer nicht verletzt, zeigt Schmidt eine Technik um das Maul sicher offen zu behalten, bis der Fremdkörper entfernt wurde. Dazu nimmt Schmidt zwei Dreieckstücher wie sie in überall erhältlichen Erste-Hilfe-Koffern vorhanden sind und dreht daraus zwei feste Bänder. Dann führt er beide Bänder in den Fang ein, nimmt jeweils zwei Enden zusammen und öffnet dadurch die Schnauze. Nun kann gefahrlos ein Fremdkörper entfernt oder auch die Maulhöhle mit Wasser ausgespült werden, sollte der Hund eine Substanz aufgenommen haben, die die Schleimhäute reizt.

Neben Reanimationsmaßnahmen, Verband anlegen, dem Messen des Pulses an der Beinschlagader auf der Innenseite des Oberschenkels und dem richtigen Transport eines verletzten Hundes, lernen die Kursteilnehmer auch viel über das Erkennen von einer erkrankten oder verletzen Fellnase. Wie äußert sich eine Magendrehung? Wie verhält sich mein Hund, wenn er Gift aufgenommen hat?

„In solchen Fällen muss man sehr schnell reagieren, da zählt wirklich jede Sekunde um das Leben des Hundes zu retten“, betont Schmidt. In Situationen wie einer Magendrehung oder einer Vergiftung muss auf jeden Fall das Tier zum Tierarzt gebracht werden, denn nur der Veterinärmediziner kann dann noch helfen.

Im Notfal fit genug

Viel Zeit nimmt sich der Kursleiter für die speziellen und individuellen Fragen der Teilnehmer und versucht, so viel möglich an seiner vierbeinigen Assistentin Hannie zu zeigen. Am Ende des Tages sind sich die Männer und Frauen einig – in einer Notlage fühlen sie sich nun fit genug, um ihrem Hund Erste Hilfe zu leisten.

Wer ebenfalls für den Ernstfall gerüstet sein möchte, kann sich im Internet unter www.asb-hannoverland-shg. de für den Erste Hilfe Kurs am Hund anmelden. Dort sind auch die aktuellen Kurstermine aufgeführt. Wenn Gruppen wie zum Beispiel Hundevereine einen Kurs wünschen, kommt Schmidt auch ins Haus. vr

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