Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Wasserwege

Thema des Tages Wasserwege

Vor genau 100 Jahren, am 15. Februar 1915, ist der Mittellandkanal für den Schiffsverkehr freigegeben worden. Noch heute ist die künstliche Wasserstraße wichtige Verkehrsverbindung zwischen Ost und West und Standortfaktor im Schaumburger Land.

Voriger Artikel
Liebe macht blind – und einfallsreich
Nächster Artikel
Und welcher Feierabendtyp sind Sie?
Quelle: Wasser- und Schifffahrtsamt Minden

Thema des Tages. Der Kaiser hatte keine Zeit mehr. Ansonsten hätte sich seine Majestät die Freigabe des Ems-Weser-Kanals – so hieß der erste Abschnitt des Mittellandkanals zwischen Bergeshövede und Minden – für den Verkehr nicht nehmen lassen. Wasser, Schiffe und Glorienschein, das wäre genau nach dem Geschmack von „Wilhelm Zwo“ gewesen. Stattdessen musste seine Majestät seine Truppen im Kampf beobachten.

An zwei Fronten herrschte Krieg. „Südlich Ypern bei St. Eoli entrissen wir dem Feinde ein etwa 900 Meter langes Stück seiner Stellung“, hieß es am 15. Februar von der Obersten Heeresleitung aus dem Großen Hauptquartier. Und an der Ostfront schlug Paul von Hindenburg in Anwesenheit des Kaisers in der neuntägigen Winterschlacht in Masuren die zehnte russische Armee. Keine Zeit also für Pomp und Gloria in der Heimat, obwohl Wilhelm II. mit dem Gesetz für den Bau des Kanals 1905 selbst die Auflassung gegeben hatte.

Auf dem westlichen Teilstück des heutigen Mittellandkanals, das den Dortmund-Ems-Kanal mit der Weser verbindet, passierte am 15. Februar 1915 zum ersten Mal also kriegsbedingt eher ruhig und ohne viel Aufsehen ein Schiff die neue Wasserstraße.

Ebenso unspektakulär wurde im Jahr darauf nach Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 1916 das Teilstück durch Schaumburg bis nach Hannover für den Schiffsverkehr freigegeben. Auch bedingt durch Kriege und innerdeutsche Teilung konnte erst 2003 mit der Inbetriebnahme des Wasserstraßenkreuzes bei Magdeburg der ursprüngliche Plan verwirklicht werden: Eine befahrbahre Schiffsverbindung vom Ruhrgebiet (Rhein) bis an die Elbe und weiter nach Berlin.

Mit 321 Kilometern Länge ist der Mittellandkanal nicht nur die einzige Ost-West-Wasserstraße im Norden, sondern der längste Kanal Deutschlands überhaupt. Damit hat er große Bedeutung für die Wirtschaft im norddeutschen Raum. Die Ost-West-Verbindung vom Ruhrgebiet bis nach Berlin verbindet wichtige Industriegebiete unter anderem in Ibbenbüren, Minden, Hannover, Braunschweig und Magdeburg.

„Der Mittellandkanal gehört zu unseren wichtigsten Verkehrsverbindungen“, sagt denn auch Klaus Heimann, Sprecher des Landkreises Schaumburg, zur Bedeutung der künstlichen Wasserstraße im Schaumburger Land. Von Haste und Auhagen kommend, reihen sich die Häfen Sachsenhagen (Mittellandkanalkilometer 129,5), Pollhagen (Kilometer 123,5), Wiehagen (Kilometer 119,1) und Bückeburg-Berenbusch (Kilometer 106,7). Dazu kommt der aufgelassene Hafen Rusbend, in dem hin und wieder einige Sportboote ankern.

In den sechziger Jahren entstanden Pläne, den Kanal zu verbreitern und für das 1350-Tonnen-Schiff, den so genannten Europa-Kahn, befahrbar zu machen. Das bedeutete für die Region, dass auch Brücken abgerissen und erneuert werden mussten. Die neue Straßenbrücke Sachsenhagen-Lindhorst zum Beispiel, wurde im September 1994 feierlich eröffnet.

„Obwohl die Binnenschifffahrt als einziger Verkehrsträger im Jahr 2012 an Menge und Transportleistung zulegen konnte“, schreibt das zuständige Wasser- und Schiffahrtsamt in Minden in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Mittellandkanals, „sind bei diesem umweltfreundlichen Verkehrsmittel noch große Steigerungspotentiale vorhanden.“

Auf dieses Potential setzen auch die Kommunen und Firmen im Landkreis Schaumburg und suchen die Trimodalitität – die Verbindung von Straße, Schiene und Wasser. Deshalb ist das Gesamtprojekt RegioPort Weser entstanden, bei dem ein Hafen in Minden neu gebaut und der Hafen in Bückeburg-Berenbusch umstrukturiert und ausgebaut wird. Fünf Häfen am Kanal bis nach Ostwestfalen hinein haben sich zum sogenannten „Hafenband“ zusammengeschlossen.

Auch die Stadt Sachsenhagen setzt seit Jahren mit ihrem Hafen auf den Güterverkehr am Mittellandkanal. Bislang ist es allerdings beim Umschlag von Kalisalzen aus dem nahegelegenenen Werk Sigmundshall in Bokeloh geblieben. Hoffnungen auf die Ansiedlung von Logistikunternehmen scheiterten bislang an der fehlenden „zweiten Achse“, der guten Straßenanbindung.

Neben der steigenden Bedeutung des Mittellandkanals als Wirtschaftsweg entwickelten sich in den vergangenen Jahren die „Leinfade“ kanalbegleitend zu viel genutzten Fahrradtransitstrecken abseits der Autostraßen mitten in der Natur. „Millionen Menschen“, so schrieb die Wasser- und Schiffahrtsdirektion Mitte über die neue Funktion der Kanalböschungen, „dienen sie zur Erholung“.  jpw

Fakten

Der Mittellandkanal zweigt vom Dortmund-Ems-Kanal ab und endet nach rund 321 Kilometern bei Magdeburg an der Elbe.

Damit verbindet er als einzige Ost-West-Verbindung in Norddeutschland die Stromgebiete des Rheins, der Ems, der Weser und der Elbe und stellt die Verbindung nach Berlin sowie zu Wasserstraßen in Osteuropa her. Die Künstliche Wasserstraße ermöglicht den Gütertransport zwischen wichtigen Industriegebieten in Ibbenbüren, Hannover, Braunschweig und Magedeburg, durch Stichkanäle sind außerdem Osnabrück, Hannover, Hildesheim und Salzgitter angebunden.

75 Prozent des Verkehrs auf dem Mittellandkanal spielt sich zwischen den angesiedelten Industriegebieten ab. Das zeigt nach Ansic ht des Wasser- und Schiffahrtsamtes Minden, welch großen Einfluss der Kanal auf die wirtschaftliche Entwicklung der Region hat.
Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Mittellandkanals zeigt das Mindener Museum noch bis zum 19. April die Ausstellung „Eine Ader pulsenden Lebens...“ mit von Hand gezeichneten Kanalplänen und historischen Fotos. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. kcg

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Der Media Store ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg in die digitale Welt. Das Angebot reicht von mobilen Endgeräten und Zubehör bis zur passenden Schulung für iPad und Co. mehr

Die SN-Apps gibt es für iPhone, iPad und Android-Geräte. Hier erfahren Sie, was sie bieten und wie Sie sich die Apps installieren können. mehr

Sport, Jugendthemen oder aktuelle Schlagzeilen? Mit acht Facebook-Kanälen bedienen die SN die unterschiedlichen Interessen der Nutzer und treten mit den Lesern direkt in den Kontakt. mehr