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Weg vom negativen Image

Graffiti-Festival „Hack & Lack“ Weg vom negativen Image

„Unterwasserwelt“ lautete das Motto des Graffiti-Festivals „Hack & Lack“, das am Sonnabend in Minden am Anne-Frank-Kreativzentrum stattgefunden hat. Glücklicherweise war der Name nur rein künstlerisch Programm.

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Graffiti-Künstler Nofase aus Minden nimmt seit 2009 alljährlich am „Hack & Lack“ teil.

Minden. Das bisschen Regen, das am frühen Nachmittag fiel, reichte jedenfalls nicht aus, um die Veranstaltung ins Wasser fallen zu lassen. Mehrere Hundert Besucher kamen in die Salierstraße, um den knapp 60 Künstlern aus vielen Teilen Deutschlands dabei zuzusehen, wie sie auf zahlreichen Freiflächen schönste Bilder entstehen ließen.
Das Anliegen der Veranstalter: Graffiti soll weg von seinem negativen Image, das Bild dieser urbanen Kunstform ins rechte Licht gerückt werden. Denn weder sind Graffiti-Künstler per se Kriminelle noch handelt es sich bei Graffiti-Kunst um Schmiererei. Entsprechend familienfreundlich ging es auch dieses Mal auf dem „Hack & Lack“ zu, wo altgediente Graffitimaler Mitte 40 neben jugendlichen Anfängern Schulter an Schulter die Wände besprühten, während ganze Familien sich mit der Kunst aus der Sprühdose aus nächster Nähe vertraut machen konnten.
Unsere Zeitung hat sich mit einigen Künstlern unterhalten und sich ihre Bilder erklären lassen. pk

 

Subkultur

Tasek ist ein Graffiti-Künstler aus Hamburg. In den Jahren 2000 bis 2002 zeichnete er in der Hansestadt für die Street-Art-Ausstellungen „Urban Discpline“ mitverantwortlich, an der namhafte Künstler wie Banksy oder Seen teilnahmen. Die Ausstellungen waren ein wichtiger Beitrag dazu, Graffiti als ernst zu nehmende Kunstform zu etablieren. Am „Hack & Lack“ nimmt Tasek zum ersten Mal teil. „Hier geht es nur um den Spaß“, sagt der professionelle Künstler. „Es ist ein Stück Subkultur. Auf Jams wie dieser hier hat man sich früher getroffen und ausgetauscht, als es noch kein Internet und keine Handys gab.“ Dabei bildeten sich Netzwerke, die bis heute fortbestehen. „Ohne solche Veranstaltungen würde es nur halb so viel Spaß machen. Deshalb bin ich heute hier.“ Zu dem Bild, das er gemeinsam mit Tiger und Amit malt, trägt er ein grafisches Element bei, eine Frau, während die anderen beiden sogenannte „Styles“ malen: ihre Namen. „Groove Tart“ heißt das Bild.

Frauenpower

AFC heißt die Crew von Wave, Venus, Ream und Flash. AFC steht für Altona Female Crew, und der Name ist Programm. Bei der Künstlergruppe, die im nächsten Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert, handelt es sich um einen rein weiblichen Zusammenschluss aus Hamburg. Den vier Frauen kommt in diesem Jahr die Ehre zuteil, den Schiefe-Bahn-Express, einen im Maßstab 1:1 nachgebauten Zug aus Holz, zu besprühen. Bereits im Vorfeld der Veranstaltung wurde der Zug als „Drachenfisch“ verkleidet und entsprechend mit Schuppen versehen. Jetzt ist es an AFC gelegen, die Südwestseite der beiden Waggons mit einer eigenen Note zu versehen. Entschieden haben sie sich für die Farbe „Koi“ – wie der Fisch eben. Und das passt zum Motto des diesjährigen „Hack & Lack“: Unterwasserwelt. Ihr künstlerischer Schwerpunkt liegt auf „Styles“, das bedeutet, seinen Künstlernamen so kunstvoll wie möglich zu schreiben beziehungsweise zu sprühen. Während die meisten anderen von AFC schon im letzten Jahr beim „Hack & Lack“ teilnahmen, ist es für Venus das erste Mal in Minden. Es ist ja recht dörflich hier,“, befindet die Hamburgerin. „Da ist so was wie das ,Hack & Lack‘ schon etwas Besonderes.“

Atlantis

KKP ist eine Crew aus Bielefeld und Stuttgart. Mitglied Jango, der als Auftragsmaler arbeitet, nimmt bereits zum dritten Mal an dem Mindener Graffiti-Festival teil. Für das diesjährige „Hack & Lack“ hat sich KKP ein besonderes Thema für ihren Graffiti-Beitrag ausgedacht. „Unser Bild handelt von der Flüchtlingstragödie am Mittelmeer“, sagt Jango. Das beinhaltet immer noch das Veranstaltungsmotto „Unterwasserwelt“, greift aber ein aktuelles politisches Problem auf. In ihrem blau gehaltenen Bild entstehen im Laufe des Nachmittags überflutete griechische Tempel, die für den Ursprung der Demokratie stehen sollen, und Menschenknochen, die auf dem Meeresboden liegen. Dem Betrachter drängt sich das Bild vom mythischen Atlantis auf, der untergegangenen Zivilisation, von der einst der griechische Philosoph Platon berichtete.

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