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Weil's Spaß macht

Sportabzeichen in Schaumburg Weil's Spaß macht

Für viele liegt der Reiz in der Herausforderung, die Bestleistung immer wieder zu steigern. Andere schätzen die Möglichkeit, unterschiedliche Disziplinen auszuprobieren. Und für manche ist es einfach gute Tradition, jedes Jahr mit Gleichgesinnten auf dem Sportplatz zu sprinten, zu springen und zu werfen. Es gibt viele Gründe, das Sportabzeichen zu machen und die eigene Fitness zu testen. Ein Stadionbesuch.

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Hubertus Fellmann macht's vor und alle machen mit: Beim Aufwärmtraining bereiten sich die Sportler aufs Sprinten, Springen und Werfen vor. kcg

Von Katharina Grimpe. Der Wind zerrt an Haaren und Kleidung, die Wolkendecke hängt tief an diesem Abend im Stadthäger Jahnstadion. Sofa und Fernseher wären angebracht aber nicht Tartanbahn und Schleuderball. Trotzdem: Fast 40 Menschen in Sportkleidung hüpfen auf und nieder, strecken die Arme über den Kopf, sprinten plötzlich nach vorne und kommen lachend zum Stehen. Das Wetter ist ihnen ziemlich egal. Was gerade zählt, sind die Aufwärmübungen, denn gleich wird es ernst. Dann will jeder sein Bestes geben. Und schließlich mit Urkunde und Anstecknadel ausgezeichnet werden.

Seit 1912 wird in Deutschland das Sportabzeichen verliehen, der Erfolg des Fitnessordens ist seitdem ungebrochen. Etwa zwei Millionen Menschen absolvieren nach Angaben des Deutschen Olympischen Sportbundes (DSOB) jedes Jahr die unterschiedlichen Disziplinen in den Kategorien Ausdauer, Schnelligkeit, Koordination, Kraft und Schwimmen. Was die Menschen seit mehr als zehn Dekaden begeistert, sei einerseits die Möglichkeit, die eigene Fitness einem qualifizierten Leistungs-Check zu unterziehen und andererseits Sport in der Gemeinschaft zu erleben, heißt es vom DSOB. Auch in Schaumburg ist das Sportabzeichen eine Erfolgsgeschichte. Seit 1978 hat der Kreissportbund 120.520 Abzeichen verliehen, jedes Jahr sind zwischen 3500 und 4000 Breitensportler aller Altersklassen dabei.

Sportabzeichen

 Das Deutsche Sportabzeichen ist die wichtigste Auszeichnung außerhalb des Wettkampfsports. Mit ihm wird die individuelle Fitness anhand der vier motorischen Grundfähigkeiten Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination überprüft. Schwimmen muss man auf jeden Fall können. Schon Kinder ab sechs Jahren können die Prüfungen ablegen. Eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht. Teilnahmekosten entstehen in Schaumburg nur für Erwachsene, sie zahlen einmalig drei Euro. Für Kinder und Jugendliche übernimmt die Sparkasse Schaumburg die Kosten. Auch das Firmensportabzeichen ist kostenlos.
 48 Schaumburger Vereine bietendas Sportabzeichen an, im Kreissportbund sind dafür fünf Sportabzeichen-Stützpunkte eingerichtet. Für Training und Leistungsabnahme stehen mehr als 220 ausgebildete Sportabzeichenprüfer zur Verfügung, 55 von ihnen haben eine Zusatzqualifikation für das Behindertensportabzeichen. Alle Prüfer sind ehrenamtlich im Einsatz – allein im VfL Stadthagen 550 Stunden im Jahr 2014.
 Außer in Vereinen können Kinder und Jugendliche auch in der Schule während des Sportunterrichts ihr Sportabzeichen ablegen. 2014 haben das kreisweit 1408 Schüler getan.
 Als dritte Säule neben den Vereinen und Schulen gibt es in Schaumburg die Möglichkeit des Firmensportabzeichens. Dabei legen Mitarbeiter eines Unternehmens das Sportabzeichen gemeinsam ab. Infos unter www.bkk24.de. kcg

Im Stadthäger Jahnstadion laufen Sechsjährige beim Aufwärmtraining neben Senioren, Jugendliche neben Mittvierzigern. „Das Publikum ist gemischt, vor allem in den Ferien sind viele Familien dabei“, erklärt Jürgen Hansch. Der 53-Jährige organisiert seit sieben Jahren gemeinsam mit seinem Prüferteam das Sportabzeichentraining für den VfL Stadthagen. Die Teilnehmerzahlen in seinem Verein seien mit 250 bis 300 seit Jahren konstant auf hohem Niveau.

Die Gründe: Hansch nennt die gute Öffentlichkeitsarbeit. Die Möglichkeit, unabhängig von der Vereinsmitgliedschaft zusammen mit netten Menschen Sport zu treiben, spreche sich eben herum. Und wer einmal dabei sei, den packe der Ehrgeiz jedes Jahr aufs Neue. Außerdem biete das Sportabzeichen die Möglichkeit, unterschiedliche Disziplinen wie Schleuderball, Standweitsprung, Hochsprung oder Walking unter professioneller Anleitung auszuprobieren. Nicht zuletzt lohne es sich schon rein finanziell, ein Sportabzeichen abzulegen. Denn viele Krankenkassen honorieren das erfolgreiche Absolvieren mit Bonusprogrammen.

Ihre Motivation, seit ihrem sechsten Geburtstag jedes Jahr für den Fitnessorden zu sprinten, zu springen und zu werfen, bringt Svenja Runge lakonisch auf den Punkt: „Weil’s Spaß macht. Warum sonst?“ Die 14-jährige Schülerin aus Stadthagen schnürt ihre Sportschuhe, stellt sich auf die Tartanbahn und wartet auf das Startsignal. 100 Meter Sprint steht auf dem Programm. Noch vor ein paar Minuten haben die Kinder den 50-Meter-Lauf absolviert. Prüfer Horst Borcherding gibt das Zeichen für den Start. „Los, zieh!“ Wer nicht mitläuft, feuert an. 100 Meter können lang sein.

Im Ziel steht Hubertus Fellmann mit der Stoppuhr und gibt die Zeiten durch, die die Sprinter auf ihre Laufzettel notieren. 15 Jahre lang hat Fellmann die Sportabzeichensparte geleitet, jetzt engagiert er sich weiter als Prüfer und gestaltet das Aufwärmtraining. Mehr als 30 Sportabzeichen hat er selbst absolviert. Der Sport halte ihn fit, erklärt der Stadthäger, und man glaubt es dem 81-Jährigen aufs Wort. Drahtig sieht er aus und durchtrainiert. Privat liebt er die Langstrecke, läuft jede Woche mindestens zweimal die 3000 Meter. Im Verein genieße er, sich für andere einzusetzen. „Es macht mir einfach so viel Freude, mit den Kindern und Erwachsenen zu trainieren“, sagt der Rentner.

Sportabzeichen, das ist für Fellmann die Gelegenheit, Menschen an den Sport heranzuführen, ihnen zu zeigen: „Leute, ihr könnt Sport machen, ohne gleich zu einer Weltmeisterschaft zu gehen.“ Man müsse nicht gleich Höchstleistung zeigen, sondern könne ohne Druck herausfinden, welche Disziplin am besten zu einem passt. „Und wenn man es einmal gepackt hat, dass kommt der Ehrgeiz von ganz alleine“, weiß der 81-Jährige.

Jürgen Hansch steht an der Weitsprunganlage, in der Hand ein langes Maßband. Fabian hat aus dem Stand 1,62 Meter geschafft. „Ein super Ergebnis“, lobt der Prüfer und klopft dem sichtlich stolzen Neunjährigen auf die Schulter. Auch Fabians Eltern und seine beiden Brüder trainieren auf dem Sportplatz. Warum Familie Flötenmeier aus Vehlen nach Stadthagen kommt? „Freunde haben uns den VfL empfohlen“, erklärt Mutter Petra, zum zweiten Mal wollen alle fünf das Familiensportabzeichen ablegen. „Wir machen alle gerne Sport und haben hier die Möglichkeit, dabei Zeit zusammen zu verbringen.“
Info: Der VfL Stadthagen bietet von Mai bis Ende September immer montags und mittwochs von 18 bsi 20 Uhr im Jahnstadion das Training und die Prüfungsabnahme fürs Sportabzeichen an. Teilnehmen könne alle Interessierten – unabhängig von der Mitgliedschaft im Verein und ohne Voranmeldung. Beim Training am Mittwoch, 2. September, informiert der VfL mit einem Stand über das Projekt „Bewegung gegen Krebs“. Alle weiteren Termine (Walking, Radfahren, Radsprint, Trunen und Schwimmen) sowie weitere Infos übers Sportabzeichen stehen auf der VfL-Homepage www.vfl-stadthagen.de

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