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Welcher Weihnachts-Typ sind Sie?

Thema des Tages Welcher Weihnachts-Typ sind Sie?

Die Frage ist weniger, ob Weihnachten gefeiert wird, als wie es gefeiert wird. Schließlich kommt kaum einer drum herum. Die einen stürzen sich freiwillig und mit voller Leidenschaft in die Weihnachtszeit. Die anderen fühlen sich regelrecht überfordert und sind froh, wenn alles vorbei ist. Unsere Zeitung hat die unterschiedlichen Weihnachtstypen unter die Lupe genommen.

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Bei der Weihnachtsmama ist Keksebacken Pflichtprogramm.

Quelle: dpa

Von Cornelia Kurth

Die Fanatikerin: Mit ihr gibt es ab Anfang November nur noch ein Thema: Weihnachten. „Willst Du wissen, was ich A schenke? Soll ich dir einen Tipp für B geben? Ich habe mir übrigens gerade das Menü für Heiligabend ausgedacht.“ Dass man zwei Monate vor dem Fest noch wenig zum Gespräch beitragen kann, stört sie nur in einer Hinsicht: Dass sie selbst vielleicht mit einem Last-Minute-Geschenk abgespeist werden könnte. Sie ist nicht gierig, sie will nur, dass es rundherum perfekt wird.

Aus England hat sie für jedes Familienmitglied Weihnachtspullover kommen lassen, jeder mit Motiven rund um Elche, Wichtel und Engel bestickt, manche außerdem noch mit leuchtenden Lämpchen. Sie durchstreift die Geschäfte nach originellem Baumschmuck, kauft eine neue Tischdecke mit dazu passendem Geschirr, Servietten, Kerzen, Gläsern. Am liebsten würde sie auch schon den Christbaum besorgen, um ihn am ersten Advent in vollem Schmuck aufzustellen, für die schöne Stimmung. Leider ist es Tatsache, dass selbst eine Nordmann-Tanne dann am 24. nicht mehr taufrisch aussehen würde. Wie schade!

Ende November hat die Weihnachts-Fanatikerin alle Geschenke zusammen, viele davon bereits fantastisch verpackt. Da das aber nicht alles gewesen sein kann und sie außerdem verdrängt, wie viel Geld sie bereits ausgegeben hat, fängt das Spiel noch mal von vorne an. Hier noch ein Buch, da noch ein Paar Ohrringe, sind ja nur ergänzende Kleinigkeiten. Ist wirklich alles erledigt, bietet sie Freunden ihre Hilfe an, mit guten Geschenk-Ratschlägen und der Bereitschaft, dies und das für sie zu besorgen. Die Weihnachts-Fanatikerin kann sehr glücklich sein. Und sehr unglücklich, wenn sie es mit einem Weihnachts-Verweigerer zu tun hat.
Der Verweigerer: Ihn trifft man vornehmlich in Verbandelung mit Menschen, die Weihnachten lieben. Misstrauisch beäugt er alle Vorbereitungen, legen sie ihm doch die Verpflichtung nahe, ebenfalls zu einem gelungenen Fest beizutragen. „Ich will nichts“, sagt er, wenn man ihn nach seinen Wünschen fragt, in der Hoffnung, dass man ihm dann verzeiht, wenn er selbst erst in letzter Sekunde ein Parfüm gekauft oder einen Gutschein hingekritzelt hat. „Von mir aus brauchen wir nichts Besonderes zu kochen!“ – ein geeigneter Satz, um nichts mit den entsprechenden Vorbereitungen zu tun haben.

Fordert man Vorfreude, gar Vorbereitung ein vom Weihnachts-Verweigerer, wird er störrisch und verweist auf seine freudlose Kindheit, wo der Heiligabend regelmäßig in klassischen Familienkrieg ausartete. „Mach du ruhig, was du willst“, sagt er. „Nur lass mich da raus!“ Sein größtes Geschenk besteht darin, sich an Heiligabend sofort vor den Computer oder Fernseher zu verziehen. Bekommt er was Schönes geschenkt, dann wünscht er doch, er hätte ebenfalls was zu bieten. Vielleicht im nächsten Jahr. Oder besser: Schafft Weihnachten endlich mal ab!

Die Weihnachts-Mama:   Für sie findet Weihnachten in Bullerbü statt. Alle zwei Tage backt sie Kekse, abends ordnet sie die Fotos des Jahres, um jedem Kind ein eigenes Album herzustellen, und natürlich weiß sie genau, wem sie mit welchem Geschenk die größte Freude machen kann. Für sich selbst will sie nichts, oder wenn doch, dann etwas Selbstgebasteltes: „Geschenke sollen freiwillig sein und von Herzen kommen und Hauptsache, wir haben uns alle lieb!“

In den letzten Tagen vor dem Fest wirbelt sie in der Küche herum, putzt das Haus bis in die letzte Ecke, rast noch mal schnell zum Einkaufen los, und niemals bittet sie jemanden um Hilfe, getreu dem Motto von Astrid-Lindgren-Müttern, dass man Weihnachten keine Bitten äußert, sondern möglichst jeder selbst sieht, wo es noch was zu tun gibt. Manchmal steigt ein leichter Groll in ihr auf, wenn diese Methode nicht so wirkt, wie sie soll.

Dann kann sie schon mal eine Weile mürrisch sein, doch schnell gelingt es ihr, das in den Griff zu bekommen. Die Weihnachts-Mama ist lieb. Sie sieht immer das Gute im Menschen und freut sich wirklich sehr über ein selbst gemaltes Bild.
Der Bastler: Er kommt meistens aus einer Familie mit Weihnachts-Mama und befindet sich deshalb regelmäßig in einem Dilemma: Er weiß, dass Geschenke vor allem Liebe ausdrücken und also möglichst selbst gemacht sein sollen. Andererseits ist ihm klar, dass die Tage der Kindheit vorüber sind und seine Freundin, anders als damals die Mama, kaum mit einem kurz vor Toreschluss fabrizierten Bilderrahmen zufrieden sein wird.

Spätestens ab Anfang Dezember beschäftigt er sich in Gedanken mit anspruchsvollen Bastel-Projekten, einem mit geistreich passenden Sprüchen versehenem Beziehungs-Foto-Kalender etwa, gedrechselte Spielfiguren samt ausgesägtem Spielbrett, oder, hm, wie wäre es mit – Gutscheinen?

Natürlich nicht einfach eine Liste auf einem Blatt Papier, nein, ganz viele bunt verzierte Gutscheine für ganz viele wohlüberlegte Liebeshandlungen, Gutscheine, die man in selbst hergestellte Umschläge stecken könnte oder in ein Kästchen, selbst gebaut, mit unterschiedlich großen Schubladen, ja, das ist es!

Der Weihnachts-Bastler liebt es, vor dem Einschlafen noch mal genau zu überlegen, wie er das Kästchen baut. Er müsste Holz, Leim und eine Säge kaufen, wohl auch eine Schraubzwinge. Vor seinem inneren Auge entsteht eine kleine Schatztruhe, sie ist schon fast fertig, das wunderbarste Geschenk für Mama, hoppla, für die Freundin.
Und dann ist schon übermorgen Weihnachten. Zu spät für das Kästchen. In der Not klappert er die Geschäfte ab, kauft hier einen Friseurgutschein, dort einen Gutschein fürs Bistro, sehen doch gar nicht schlecht aus. Heiligabend dann heißt es: „Ich wollte eigentlich …, aber, immerhin, nicht wahr?“ Hat er die Freundin gut gewählt, wird er trotzdem sein Küsschen bekommen.
Die Krawatten-und-Parfüm-Besorger: Sind gleichgültige Menschen, nicht bereit, auch nur ein Minimum an Fantasie und Energie für ihre Liebsten aufzubringen? Menschen, die alles andere wichtiger nehmen, als sich mal Zeit für ein Nachdenken darüber zu nehmen, womit sie andere glücklich machen können? Menschen, bei denen sich alles sträubt bei der Vorstellung, sich in ihr Gegenüber hineinzuversetzen und zu erspüren, was sie wirklich wünschen und wollen?

Ja und nein. Ja – sie sind so. Und nein – ganz so einfach ist es meistens nicht. Krawatten-und-Parfüm-Besorger ahnen oder fürchten, dass sie es dem anderen sowieso niemals recht machen könnten. Sie haben Angst, dass sie mit einem außergewöhnlichen Geschenk weit mehr danebenliegen könnten als mit dem Ewiggleichen. Kurz vor Weihnachten bevölkern sie die Herrenausstatter und Parfümerien, und treffen dann vielleicht auf Berater, die die ihnen etwas Neues aufschwatzen, eine Western-Krawatte mit Sheriffstern etwa oder eine Badelotion, die ebenso teuer und angesagt ist wie das gewohnte Parfüm.

Zögernd greifen sie zu, nicht ohne sich versichern zu lassen, dass man die Sache im Notfall auch umtauschen darf. Das ist keine Gleichgültigkeit! Weihnachten gegenüber gleichgültig zu sein ist nämlich ganz unmöglich.

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