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Wenn Mama plötzlich krank ist

Helfer in der Not Wenn Mama plötzlich krank ist

Eine kleine unbedachte Bewegung reicht aus, um eine ganze Familie ins Chaos zu stürzen. Nämlich dann, wenn Mama oder Papa sich plötzlich das Bein bricht, ins Krankenhaus kommt und wochenlang das Bett hüten muss.

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Von Katharina Grimpe

Wer kümmert sich jetzt um die Wäsche, die sich zu Hause türmt? Wer holt die Kinder von Kindergarten und Schule ab? Wer kocht das Mittagessen und versorgt den Hund? Wenn derjenige, der sich in einer Familie maßgeblich um den Haushalt kümmert, wegen einer Krankheit oder eines Unfalls ausfällt, ist die Not groß. Vor allem dann, wenn weder Oma und Opa noch die Nachbarin einspringen können.

 Der Gesetzgeber hat für diesen Notfall vorgesorgt. Eltern mit Kindern unter zwölf Jahren, die gesetzlich versichert sind, haben Anspruch auf Unterstützung durch eine Haushaltshilfe, die von der Krankenkasse finanziert wird. Geregelt ist das im fünften Sozialgesetzbuch (Paragraf 38 SGB V).

 Das Gesetz greift dann, wenn die haushaltsführende Person – egal, ob Vater oder Mutter – krankheitsbedingt ausfällt. Beispiele gibt es viele: vom plötzlichen Beinbruch bis zur schwerwiegenden Krebserkrankung, vom Burn-out bis zur problematischen Schwangerschaft oder Schwierigkeiten nach der Geburt. Dabei ist egal, ob der Erkrankte stationär behandelt wird oder zu Hause das Bett hüten muss. Wichtig ist, dass der behandelnde Arzt die Haushaltshilfe verordnet, erklärt Sandy Battermann, stellvertretende Leiterin des Geschäftsbereiches Versorgung der BKK24 in Obernkirchen.

 Klar ist: Der berufstätige Partner muss keinen Urlaub nehmen, um für die haushaltsführende Person einzuspringen. Allerdings müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, damit die Krankenkasse die Kosten für die helfenden Hände übernimmt: Im Haushalt muss mindestens ein Kind unter zwölf Jahren leben, und es kann kein anderes Haushaltsmitglied die Aufgaben des Erkrankten übernehmen. Eine Ausnahme gibt es: Bei gesundheitlichen Problemen in der Schwangerschaft kann ein Arzt Haushaltshilfe verordnen, auch wenn kein weiteres Kind im Haushalt lebt.

 Ohne Papierkram keine Unterstützung: Erste Anlaufstelle für Betroffene ist die jeweilige Krankenkasse, die die betroffene Familie mit den notwendigen Formularen versorgt. „Der Versicherte bekommt einen Antrag und eine ärztliche Bescheinigung, die ausgefüllt werden müssen“, erklärt Battermann. Aus den Formularen sollte hervorgehen, wie groß der Hilfebedarf ist. Das heißt: Für wie viele Stunden über welchen Zeitraum springt die Haushaltshilfe ein? In akuten Fällen geht die Bewilligung dann schnell über die Bühne, erklärt Battermann. Ist der Krankenhaus- oder Kuraufenthalt planbar, ist es sinnvoll, dass sich Betroffene möglichst früh mit dem Antragsprozedere auseinandersetzen.

 Und wer übernimmt die Haushaltshilfe? Das muss nicht unbedingt eine fremde Person sein, sagt Battermann. Eine Freundin oder Bekannte kann die Aufgaben von Mama auf Kosten der Krankenkasse ebenso übernehmen wie ein ambulanter Pflegedienst oder eine ausgebildete Dorfhelferin. Im Falle der BKK24 organisieren die Versicherten selbst, wer als helfende Hand in den Haushalt kommt. Allerdings gibt es laut Battermann auch Versicherer, die feste Verträge mit Dienstleistern abgeschlossen haben. Die Dauer der Hilfe richtet sich nach der medizinischen Notwendigkeit, die vom Arzt nachgewiesen werden muss.

 Die Krankenkasse trägt allerdings nicht die kompletten Kosten der Haushaltshilfe. Wer sie in Anspruch nimmt, muss zuzahlen, und zwar zehn Prozent des täglichen Erstattungsbetrages. Das sind mindestens fünf und maximal zehn Euro pro Tag. Ausnahme sind Schwangere und Frauen im Wochenbett. Für sie entfallen die Kosten.

Ausgebildete Familienmanagerinnen

Sie sind Profis in Sachen Kinderbetreuung, können in einem fremden Haushalt den Überblick behalten, den Garten pflegen und in der Landwirtschaft anpacken. Die Dorfhelferinnen des Evangelischen Dorfhelferinnenwerks Niedersachsen sind speziell dafür ausgebildet, für Mama oder Papa im Krankheitsfall einzuspringen.
Seit mehr als 50 Jahren bildet das Dorfhelferinnenwerk der Diakonie in Loccum die Fachkräfte für den Notfall aus. Während der 14-monatigen Fortbildung, die mit einer Prüfung vor der Landwirtschaftskammer abgeschlossen wird, eignen sich die Frauen grundlegende pädagogische, hauswirtschaftliche und pflegerische Fähigkeiten an, mit denen sie den Familien tatkräftig zur Seite stehen können.
Ursprünglich wurden die Dorfhelferinnen dahin gehend ausgebildet, einen landwirtschaftlichen Betrieb im Krankheitsfall weiterführen zu können. Mittlerweile übernehmen die Frauen alle Aufgaben innerhalb eines Haushaltes – vom Putzen, Kochen und Waschen über die Betreuung der Kinder bis zur Pflege älterer Familienmitglieder. „Dorfhelferinnen sind gut ausgebildete Fachkräfte, die sich flexibel an die jeweiligen Familien anpassen können“, erklärt Birgit Steinmeier, Sprecherin des Dorfhelferinnenwerkes. Das unterscheide die Dorfhelferinnen von Mitarbeitern ambulanter Pflegedienste, die meist nur die Pflege, aber nicht die Haushaltsführung oder Kinderbetreuung übernehmen würden.
Die Vermittlung organisiert das Dorfhelferinnenwerk flächendeckend für ganz Niedersachsen. „In der Geschäftsstelle oder in den einzelnen Dorfhelferinnenstationen beraten wir eingehend über gesetzliche Vorgaben und helfen bei der Antragstellung“, sagt Steinmeier. Im ausführlichen Gespräch mit den Betroffenen wird der individuelle Hilfebedarf geklärt.
Steinmeier betont, wie wichtig es sei, dass die erkrankte Person ihre Familie in guten Händen wisse: „So können sich die Frauen komplett auf sich konzentrieren und genesen.“ Tatsächlich hätten es Mütter oft schwer, die Verantwortung abzugeben und einer Fremden den eigenen Haushalt zu überlassen. „Die Dorfhelferinnen haben Schweigepflicht und sind dafür ausgebildet, sich in den unterschiedlichen Familien zurechtzufinden.“

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