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Wenn Spürnasen die Leselust wecken

Thema des Tages Wenn Spürnasen die Leselust wecken

Wer viel liest, hat besseren Zugang zu Bildung und Wissen. Was die Stiftung Lesen anlässlich des Welttages des Buches am 23. April betont, wissen die Lesepaten der „Leselust Schaumburg“ schon lange. Seit fünf Jahren unterstützen die ehrenamtlichen Lese-Helfer Kitas und Schulen bei der Leseförderung der Schüler. Und sie vermitteln den Kindern, dass mehr zwischen zwei Buchdeckeln steckt, als öde Matheaufgaben.

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Lesen bringt Spaß: Tennor (von links), Linor und Gresa genießen die Zeit mit ihrer Leseoma und stecken auch allein gern die Nase in ein Buch.

Quelle: kcg

Jeden Mittwoch freuen sich die Drittklässler Tennor, Linor und Gresa auf ihre Leseoma. Leseoma? Damit ist Irene Kloss gemeint. Seit drei Jahren besucht die 92-Jährige die Grundschule am Stadtturm in Stadthagen, im Gepäck hat sie Bücher. Und ganz viel Aufmerksamkeit für ihre jungen Schützlinge, die sie beim Lesenlernen und Lesenüben unterstützt.

Kloss ist Lesepatin im Projekt „Leselust Schaumburg“. Einmal in der Woche macht sie sich auf den Weg in die Grundschule, um gemeinsam mit den Schülern zu entdecken, dass zwischen zwei Buchdeckeln nicht nur öde Matheaufgaben, sondern jede Menge Abenteuer und spannende Geschichten stecken können. Genau das ist das Ziel der „Leselust“: Kinder sollen erleben, dass Lesen Spaß macht. Und sie sollen dadurch auch zu Hause öfter zum Buch greifen.

Wie wichtig das Vorlesen und Selbstlesen für die kindliche Entwicklung ist, teilt die Stiftung Lesen mit. Kinder, denen von klein auf vorgelesen wurde, bekommen bessere Noten und gestalten ihre Freizeit aktiver, haben Forscher im Auftrag der Stiftung herausgefunden. Außerdem stärkt Vorlesen die Merkfähigkeit, Lernfähigkeit und Konzentration. „Lesen ist eine der wichtigsten Schlüsselkompetenzen, vertieft den Sprachgebrauch und die Kommunikationsfähigkeit“, erklärt auch Klaus Suchland, Initiator der „Leselust Schaumburg“.

In vielen Familien kommt das Lesen und Vorlesen allerdings zu kurz. Oft fehlt schlicht die Zeit, wenn zum Beispiel beide Eltern berufstätig sind. Auch Erzieher und Pädagogen können es angesichts immer größerer Klassen immer weniger leisten, individuell auf die Lernvoraussetzungen jedes einzelnen Schülers einzugehen. Dann kommen die Lesepaten zum Einsatz, die die Pädagogen in Kitas und Schulen bei der Leseförderung der Kinder unterstützen. Während in Kindergärten vorgelesen wird, geht es in den Grundschulen ums dialogische Lesen, erläutert Suchland. Dabei liest das Kind den Text eines Buches zunächst laut vor, um dann gemeinsam mit seinem Lesepaten über die Geschichte zu sprechen und Fragen zu stellen.

Für ihre Schützlinge Tennor, Linor und Gresa hat Lesepatin Irene Kloss an diesem Mittwoch ein Buch über die Schaumburger Spürnasen mitgebracht. Das junge Detektiv-Trio, das in den bekannten Hörspielen schon so manchem Rätsel auf die Spur gekommen ist und im „Schlaubergerbuch“ viel Wissenswertes über den Landkreis erklärt, kommt bei den Schülern gut an. Genauso wie die Leseoma. „Es macht voll Spaß mit ihr zu lesen, weil wir ganz viel über die Wörter lernen“, sagt der achtjährige Linor. Und die neun Jahre alte Tennor erklärt: „Frau Kloss ist so nett und weiß ganz viel.“ Auch die Stadthägerin genießt die Zeit mit den Kindern. „Es ist sehr schön und eine tolle Bereicherung. Und die Kinder geben so viel zurück“, schwärmt die 92-Jährige.

Seit fünf Jahren gehört Kloss zum „Leselust“-Team und ist damit Lesepatin der ersten Stunde. „Ich habe einen Zeitungsartikel über das Projekt gelesen und war sofort begeistert“, erinnert sie sich. Als Buchhalterin im Ruhestand habe sie zwar keine pädagogischen Erfahrungen, „aber ich habe vier Kinder, fünf Enkel und zwei Urenkel. Da lernt man viel über Kinder.“ Und dass ihr Engagement keine Frage des Alters ist, habe sie schon beim ersten Kontakt mit den Initiatoren des Projekts erfahren. „Ich wurde mit offenen Armen aufgenommen. Das hat mir ganz viel Auftrieb gegeben.“

Kloss wünscht sich, dass sich noch mehr ältere Menschen als Lesepate engagieren. „Wer in Rente geht, hat doch viel Zeit. Viele fallen dann in ein Loch, da ist es doch besser, sich eine neue, erfüllende Aufgabe zu suchen. Und als Lesepate wird man wirklich gebraucht“, schildert die Stadthägerin. Tatsächlich besteht allein an der Grundschule am Stadtturm Bedarf für sechs weitere Lesepaten, bestätigt Suchland. Auch er appelliert vor allem an Menschen im Ruhestand, über die Aufgabe als Lesepate wieder aktiv zu werden. Denn durch die Unterstützung der Kinder würden nicht nur die Jungen und Mädchen, sondern auch die Lesepaten neues Selbstbewusstsein gewinnen. „Die Lesepaten erfahren so, dass sie noch zu etwas nütze sind. Und die Kinder profitieren von der Kompetenz und Lebenserfahrung ihrer Paten.“

In der Lesestunde von Irene Kloss ist mittlerweile Gresa an der Reihe. Die Achtjährige liest eine „Spürnasen“-Geschichte und stolpert über die Begriffe Krieg und Frieden, die gleich mit ihrer Leseoma besprochen werden. „Es kommt vor, dass zwei Menschen nicht der gleichen Meinung sind. Das ist in Ordnung. Man soll Frieden halten“, erklärt Kloss dem Mädchen, das dann ihrerseits vom jüngsten Streit mit einer Freundin berichtet. „Ja, manchmal kommt man richtig ins Philosophieren“, schmunzelt die Lesepatin.

  • Am Welttag des Buches am 23. April stehen Autoren, Bücher und ihre Leser im Mittelpunkt. Die Weltkulturorganisation Unesco ließ sich beim Datum des Welttages – dem Todesdatum der Dichter William Shakespeare und Miguel de Cervantes Saavedra im Jahr 1616 – von einem katalanischen Brauch inspirieren: Zum Namenstag des Heiligen St. Georg werden dort Rosen und Bücher verschenkt. In Deutschland verteilen die Organisatoren der Aktion „Lesefreunde“ 750.000 Welttagbücher „Ich schenk dir eine Geschichte“ an Schüler. kcg
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