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Willkommen Queensland!

Thema des Tages Willkommen Queensland!

Vor drei Jahren haben die Kramers gepackt, um nach Australien auszuwandern. Im Gepäck hatten sie nichts als ihre Visa. Down Under warteten ein Schulplatz für den Ältesten und eine Blockhütte auf einem Campingplatz für die ersten zwei Wochen. Das war’s. Heute haben sie alles: Sommer, Sonne, Strand, Arbeit, Freunde und ein ganz normales Leben – nur eben dort, wo andere Urlaub machen. Ein Erfahrungsbericht.

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Daniel Kramer (43) mit den beiden Jungs Daan (8) und Ben (11) in ihrer neuen Heimat am Red Beach auf Bribie Island.

Quelle: pr.

Jährlich wandern rund 800 000 Deutsche aus. 5480 davon nach Australien. Esther Kramer (41) und ihre Familie sind vier von ihnen.
Die Kramers hatten schon immer die Idee, „mal woanders zu leben. Irgendwo, wo es immer warm ist. Und wo es schön ist.“ Als die geborene Hamelnerin im April 2012 mit ihrer Familie nach Australien ging, war außer der Idee wenig für das Leben auf einer Sandinsel im Indischen Ozean wie Bribie Island in Queensland geplant. Jetzt beginnt dort gerade der Winter. „Das heißt, tagsüber sind so 25 Grad, nachts zwischen 10 und 15. Die Sonne scheint fast immer.“ An ihre alte Heimat Hameln, von der die meisten Australier denken, es sei nur eine Märchenstadt, wird Esther in ihrem neuen Leben nur selten erinnert. Dann und wann mal, wenn die Leute wegen ihres „funny accent“ fragen, woher sie kommt. Esther antwortet dann: „I am from Hamelin – that’s the town where the pied piper comes from“, also die Stadt, aus der der Rattenfänger kommt.
„Meine Eltern, mein großer Bruder und ich haben in Klein Berkel am Ohrberg gewohnt. Ein Einfamilienhaus, zwei Autos, ein Wohnwagen. Die deutsche Durchschnittsfamilie in den 70ern, so habe ich es jedenfalls wahrgenommen.“ Statt über den Ohrberg führt der Schulweg von Esthers Söhnen Ben (11) und Daan (8) heute am Meer entlang. Auf die Frage, in welcher Situation sie sich mal wieder nach Hause gewünscht haben, antworten die Kramers: „Also, wir haben ausgesprochen selten Heimweh. Nach Hause gewünscht, das gab es noch nicht.“
Dabei war der Start alles andere als ein Kinderspiel. Bis zum heutigen Tag, an dem Esther eine Ausbildung zur Pflegeassistentin macht und ihr Mann Daniel (43) als freier Autor „seiner eigentlichen Berufung, dem Schreiben“, nachgeht und gerade sein erstes Buch „Verrücktes Australien“ veröffentlicht hat, rauschten viele Wellen auf dem Strand von Bribie Island ein. Ohne Haus und ohne Jobs zu einem neuen Kontinent aufzubrechen, das hat die Hamelnerin „manchmal nervös gemacht“. Dann dachte sie: „Sind wir etwa zu blauäugig? Werden wir in einem Jahr, völlig abgebrannt und entmutigt, wieder hier sein und von Hartz IV leben? Ich habe mir dann einfach gesagt, na gut, wenigstens hatten wir dann ein aufregendes Jahr.“ Daniel erklärt: „Häuser kann man nicht interkontinental anmieten, man muss vor Ort sein und das Objekt besichtigen. Jobs – man muss vor Ort sein und sich persönlich vorstellen.“ Also taten sie genau das.
Angefangen haben die Kramers mit Rezeptionistenjobs und Nachtfahrten durch die leeren Straßen für einen Sicherheitsdienst. Die Arbeit blieb die ersten beiden Jahre unter ihren eigentlichen Qualifikationen. „Da muss man eben entscheiden, was einem wichtig ist. Job oder Lifestyle? Für uns war immer klar: Lifestyle.“ Der ist im Indischen Ozean natürlich ein anderer als an der Weser. „Unterm Strich finde ich die Leute hier freundlicher und entspannter.“ Esther berichtet, wie überrascht sie immer wieder sei, wie freundlich die Leute sind, „es ist nicht ungewöhnlich, wenn einem ein junger Typ mit Skateboard und tätowiertem Hals entgegenkommt, der erstmal nett grüßt und fragt ,How ya going?‘ – wie geht’s? Man darf das auch nicht überinterpretieren, es ist nur einfach nett und macht gute Stimmung.“
Auf den Trichter, ausgerechnet nach Australien auszuwandern, kam die Familie nicht zuletzt wegen des ewigen Sonnenscheins aber auch der Sicherheit halber: „Australien ist eben auch ein gutes Land, um mit Kindern dort zu leben, oder auch zu reisen. Es ist sicher hier, die Infrastruktur ist perfekt, es gibt ein gutes Gesundheitssystem und gute Schulen. Die Kinder haben hier eine Zukunft. Es ist ein sehr junges Land mit einer sehr jungen, multinationalen Bevölkerung, voller Energie. ‚The lucky country‘, wie es oft heißt, ist absolut richtig. Das grundsätzliche Gefühl hier ist einfach positiv.“
Der beste Grund, um in Australien zu leben? Bei so viel Auswahl kein leichtes Unterfangen: „Natürlich das Wetter“, und „dann der Umstand, dass Australien schon immer ein Einwanderungsland war. Alle kamen irgendwann irgendwo her. Das heißt, die Leute sind daran gewöhnt, dass neue Leute dazu kommen, und finden es in der Regel auch gut.“ Ganz wichtig, sagen die Kramers, ist „die Weite. Es gibt unendlich viel Platz, Natur, Wildnis, Wüsten, Ozeane, Inseln, Canyons, Wasserfälle, Regenwälder.“ Die „tollsten ersten Erlebnisse“ der beiden Jungen Ben und Daan in Down Under sind entsprechend exotisch. Daan: „Als ich das erste Mal eine ‚redback spider‘ in unserem Garten gefunden habe. Die sind voll giftig und sehen voll fies aus. Papa hat sie dann mit einem Spaten totgemacht.“ Ben sagt: „Bei mir war es auf Bribie Island, als ich meinen ersten bream (eine Brachse) geangelt habe. Der war voll klein, vielleicht so fünf Zentimeter lang. Aber trotzdem ziemlich stark, hat sich voll gewehrt. Wir haben ihn dann wieder reingeschmissen.“ So sieht Alltag in einer Auswandererfamilie aus.
Gänzlich los von ihren Wurzeln kommt die Hamelnerin bei allen positiven Gedanken dann aber doch nicht: „Manche Dinge weiß man umso mehr zu schätzen, je weiter sie weg sind. Hameln ist wirklich eine unglaublich schöne Stadt, eine Bilderbuchstadt. Ich kann mir vorstellen, viele Leute hier in Australien können es gar nicht glauben, dass man in so kleinen alten Häuschen leben kann, die die Hamelner Innenstadt prägen.“ Wenn sie heute Fotos sieht, kullert schon mal das ein oder andere Tränchen der Rührung. „In solch alten Städten lebt man nicht nur, man atmet sie. Das ist, glaube ich, das, was ich in Australien am meisten vermisse – neben dem guten deutschen Brot natürlich.“ Ihre Familien in Hameln und Berlin sehen die Kramers nicht oft. Zeit und Geld für vier Köpfe, die nach Deutschland wollen, sind knapp. „Es ist schwierig, jedes Jahr nach Europa zu reisen.“ Also wird geskypt und telefoniert.
„Es ist eben nicht mehr das 19. Jahrhundert, als Auswandern gleichbedeutend war mit ‚man sieht sich nie wieder‘.“ Ob die Kramers je zurück nach Deutschland kommen? „Wie heißt es bei James Bond: ‚Never say never again‘, sag niemals nie. Aber im Moment gibt es einfach keinen Grund, eine Rückkehr nach Deutschland auch nur anzudenken.“

Von Nina Reckemeyer

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