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Mit Makrotechnik zaubern Fotografen faszinierende Bilder Winzig groß

Sie zeigen die kleinsten, alltäglichsten und vermeintlich bekanntesten Dinge in einem ganz neuen Licht: Ob Facettenaugen von Hornissen, behaarte Fliegen oder Schuppen von Schmetterlingen – Makrofotografen machen täglich spannende Entdeckungen. Es gibt unterschiedliche Aufnahmetechniken. Hier verraten Experten ihre Tricks.

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Einer Hornisse ganz dicht auf den „Pelz gerückt“. Aufnahmen von Dirk Borchers faszinieren durch erkennbare Details.

Quelle: Dirk Borchers

Von Frank Neitz

Es ist schon ein interessantes Bild, das sich dem Betrachter bietet, wenn Michael Mauritz seinem Hobby nachgeht. Dann, wenn sich der kräftige Mann mit dem Gardemaß von 1,96 Meter und über 100 Kilogramm Körpergewicht einem nur den Bruchteil eines Gramms wiegenden tierischen Winzling auf den Pelz beziehungsweise den Chitin-Panzer rückt. Dabei kommt es auf Millimeter an, auf Ruhe, auf Geduld und darauf, dass das Fotomodell nun keine Zicken macht, sich bewegt oder gar fortfliegt.

 Mauritz ist ambitionierter Hobbyfotograf. Sein besonderes Interesse gilt der Makrofotografie. Es sind Falter, Bienen, Hornissen, Fliegen und Co., die der 57-Jährige auf den Sensor seiner Digitalkamera bannt. Der Mann aus Holtensen fotografiert bereits seit seiner Jugend. 2006 stieg er von der analogen auf die digitale Fotografie um – Bilder aus Bits und Bytes statt aus der Dunkelkammer. Wenn der Fotograf in die Welt der Blüten und der kleinen Tiere abtaucht, schraubt er ein 90 Millimeter-Makroobjektiv an seine Canon 50 D und setzt die Kamera auf ein festes Stativ. Oft benutzt er für seine Aufnahmen einen Makroschlitten.

 Mauritz fotografiert mehrere Bilder eines Objekts, macht Schichtaufnahmen, die später am PC zusammengesetzt werden. Von einer Wespe macht der Zahntechnikermeister acht Einzelbilder, wobei der scharfgestellte Bereich Millimeter für Millimeter bei jeder Aufnahme verstellt wird. Der Lohn des Aufwands sind Aufnahmen von Insekten, deren Körper von vorn bis hinten eine brillante Schärfe aufweisen.

Bei Makro-Einzelaufnahmen ist ein solch großer Schärfentiefenbereich nicht zu verwirklichen. Weit fahren muss der ausgeglichen wirkende Mann für sein Hobby nicht. Oft fotografiert er im eigenen Garten oder der Umgebung seines Heimatorts Holtensen, etwa am nahen Waldrand. Es sei eine totale Entspannung und ein Abschalten, erklärt Mauritz seine Emotionen vor und während des Drucks auf den Auslöser. „Andererseits ist man unter absoluter Hochspannung. Da musst Du sehr konzentriert sein“ weiß der Hobbyfotograf.

Manchmal bleibt weit mehr hängen als nur ein exzellentes Foto. „Vor ein paar Tagen habe ich quasi einen Mundraub mitbekommen“, erinnert sich Michael Mauritz an einen Beifang bei einer seiner zuletzt gemachten Aufnahmen. Der Fotograf konnte eine Skorpionsfliege in einem Spinnennetz beobachten, die sich an einer gefangenen Fliege labte, also an fremder Beute saugte. „Das fand ich genial“, schwärmt Mauritz. „Es ist die Freude das zu entdecken, was im Nahbereich um einen herum existiert und man sonst nicht wahrnimmt. Ich entdecke immer neue Sachen und muss anschließend nachschlagen, um zu wissen, was ich eigentlich fotografiert habe.“ Da würde das Interesse an Insekten automatisch kommen, meint der Makrofotograf.

Wenn Dirk Borchers seinem Hobby nachgehen will, braucht er nicht loszuziehen. Die besten Motive findet er direkt an seinem Arbeitsplatz. Borchers ist Fährmann, steuert täglich etliche Male die Weserfähre bei Grohnde über den Fluss, setzt Autos, Fahrräder und Spaziergänger über.

An Herbsttagen sind es oft ganz simpel in einem Spinnennetz hängende Tautropfen, die der 47-Jahre alte Hobbyfotograf ablichtet. Die haben es dann förmlich in sich: Sonnenstrahlen, deren Licht in den Tropfen gebrochen werden ebenso wie die Landschaft des Weserberglands. Oder es sind Insekten, die sich in den Spinnennetzen verfangen haben.

Mit seiner selbst konstruierten Technik bringt der Fotograf die kleinen Lebewesen ganz groß raus. Zumindest es auf den Sensor seiner Canon 50 D. Der Mann aus Hajen nutzt eine besondere Fototechnik – die Retrofotografie. Sein 18-bis-55-Millimeter-Objektiv sitzt verkehrt herum auf der Kamera. Das ermöglicht Borchers Aufnahmen in einem Abbildungsmaßstab von fast 5:1, spricht: Ein Objekt wird knapp fünfmal so groß aufgenommen.

Zum Vergleich: Mauritz‘ gestochen scharfe Schichtfotos haben einen Maßstab von 1:1. So kann der Hajener die Welt der Insekten auf Fotos extrem vergrößern. Auf vielen seiner Bilder sind Tausende einzelne Ommatidien, aus denen sich Facettenaugen zusammensetzen, zu erkennen – ab und zu belegt mit feinsten Tautröpfchen.

 Um an seinem umgebauten Objektiv die Blende verstellen zu können, musste eine zweite ältere Kamera dran glauben. Mit einem Trennjäger flexte Borchers den Objektivanschluss des alten Fotoapparates ab. Dadurch kann der Hobbyfotograf auch in der Retrostellung die Blendenöffnung verändern. Denn je höher der Blendenwert ist, umso mehr Schärfentiefe erhalten Borchers’ Fotos.

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