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„Wir können mit der Stadt nicht konkurrieren“

Thema des Tages „Wir können mit der Stadt nicht konkurrieren“

Die kostenlosen Wohnmobilplätze in Rinteln an der Dankerser Straße sorgen erneut für hitzige Gespräche. Die SN haben das Problem einmal genauer unter die Lupe genommen und mit Camper, der Stadt und Betreibern von Campingplätzen gesprochen.

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Plötzlich tat sich die Straße auf

Rinteln. Die Diskussion um den gebührenfreien Wohnmobilstellplatz in der Dankerser Straße ist wahrscheinlich so alt wie der Stellplatz selbst. Seit knapp zehn Jahren wird von der Politik in unregelmäßigen Abständen die Frage nach Gebühren aufgeworfen.
Bislang konnte diese Diskussion vonseiten der Stadtverwaltung gewissermaßen im Keim erstickt werden. Denn da der 60 000 Euro teure Wohnmobilstellplatz einst zu 50 Prozent aus EU-Fördermitteln finanziert wurde, war es der Stadt schlichtweg verboten, Gebühren für den Platz zu erheben. Dies geht es aus den EU-Förderrichtlinien hervor. Doch mit dem Ende des Jahres 2015 läuft diese Sperrfrist aus. Spätestens dann muss sich die Stadt mit der Frage nach Gebühren erneut auseinandersetzen. Die Stadtratsfraktion der Wählergemeinschaft Schaumburg (WGS) will nicht so lange warten und hat bei Bürgermeister Thomas Priemer beantragt, er möge zum 1. Januar 2016 Nutzergebühren erheben und die dafür erforderlichen Rechtsgrundlagen bereits bis zur nächsten Sitzung des Stadtrats vorzubereiten.
Dr. Gert Armin Neuhäuser, Fraktionsvorsitzender der WGS, verweist in dem Antrag auf die „desolate“ Finanzsituation der Stadt. „Schon jetzt zeichnet sich für die kommenden Jahre ein weiterhin stark steigendes Defizit ab“, schreibt Neuhäuser. Als Ursache dafür macht er die Ratsfraktionen von SPD und Grüne aus, die als Ratsmehrheit, so Neuhäuser weiter, für die Entlastungsstraße in der Nordstadt und eine nicht behindertengerechte Promenade am Alten Hafen beschlossen haben. Vor diesem Hintergrund sei es für die WGS „unerklärlich, wieso weiterhin die Leistung des Bereitstellens eines Wohnmobilstellplatzes kostenlos sein soll“.
In der seit Jahren bestehenden Diskussion um den Stellplatz verweisen die Fürsprecher eines kostenlosen Angebotes seit jeher auf die Kaufkraft, die die Wohnmobilisten mit in die Stadt brächten. Gebühren schreckten diese bloß ab und würden dazu führen, dass die Wohnmobilisten ausblieben – und mit ihnen das Geld. Ein Argument, das Neuhäuser nicht für stichhaltig hält. Die Stadt erhebe ja auch Parkgebühren, die Besucher zu entrichten haben, wenn sie zum Einkaufen oder Essengehen nach Rinteln kämen. „Es muss vielmehr gleiches Recht für alle gelten“, meint Neuhäuser. Eine besondere Leistung durch die Stadt müsse „auch gebührenrechtlich gleich behandelt werden“. Außerdem dürfe die Stadt den Rintelner Campingplätzen nicht kostenlose Konkurrenz machen.
Damit spricht Neuhäuser dem Geschäftsführer der Doktorsee GmbH, Uwe Deppe, aus der Seele. Auf seinem Campingplatz hält Deppe insgesamt 400 Stellplätze vor, dafür rund 50 für Wohnmobile, die er für zehn bis zwölf Euro pro Nacht vermietet, Frischwassertanken, Abwasserentsorgung und Strom inklusive. „Die Stadt steht damit zu uns im Wettbewerb“, sagt Deppe. „Wir können damit aber nicht konkurrieren, weil wir eben nicht kostenlos Stellplätze anbieten können.“ Die Konsequenz: Die Stellplätze für Wohnmobile am Doktorsee seien überwiegend leer. Mit dem kostenlosen Stellplatz wolle die Stadt dem Einzelhandel was Gutes tun. „Aber wir gehören doch auch dazu“, gibt Deppe zu bedenken und führt einen Vergleich an: „Das ist, als würde die Stadt eine Bäckerei eröffnen und die Brötchen verschenken.
Hoimar von Ditfurth-Siefken, Inhaber des Erholungsgebiets Helenensee begrüßt den Antrag der WGS grundsätzlich ebenfalls. Zwölf seiner 300 Stellplätze für Camper sind reine Wohnmobilstellplätze, die für 16 Euro die Nacht, inklusive Frischwasser, Abwasserentsorgung, Strom und Duschen allerdings kaum frequentiert würden. Schließlich befindet sich der kostenlose Stellplatz der Stadt nur wenige Hundert Meter die Dankerser Straße runter. „Oft landen die Wohnmobilisten zuerst bei mir, dann muss ich ihnen sogar noch den Weg weisen“, merkt Ditfurth-Siefken an, dem der Antrag der WGS allerdings nicht weit genug geht. „Wir brauchen ein Konzept für alle Stellplätze an der Weser, nicht nur für Rinteln. Sonst fahren die Wohnmobilisten einfach eine Stadt weiter.“ Aber mit dem Touristikzentrum Westliches Weserbergland mit Rinteln als Zentrale könne man auftrumpfen und ein Gebührenkonzept für alle Stellplätze erarbeiten, meint Ditfurth-Siefken.
Sabine und Klaus Homann kommen gerade von einer Radtour zurück und sind aus dem münsterländischen Dorsten und zum ersten Mal mit ihrem Wohnmobil in Rinteln. Pauschal ablehnen würden sie Gebühren für den Stellplatz zwar nicht. „Aber mehr als allerhöchstens 12 Euro, wenn denn Frischwasser und Strom und alles dabei ist, würden wir nicht zahlen“, sagt Klaus Homann.
Ein Rentnerpaar aus Österreich, das seine Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ist ebenfalls zum ersten Mal mit dem Wohnmobil in der Weserstadt. Für sie seien die Kosten eines Stellplatzes nicht entscheidend. „Schließlich muss man überall etwas bezahlen, und sei es nur Frischwasser, die Abwasserentsorgung und der Strom, so wie hier“, sagt die Österreicherin, die sich ein Paar neue Schuhe in Rinteln gekauft hat. „Wir kaufen überall etwas ein“, sagt sie. Von den privaten Stellplätzen hätten sie allerdings gar nichts gewusst und verweist auf den aktuellen Wohnmobilstellplatzführer des ADAC. Tatsächlich sind darin nur der städtische Stellplatz und der Doktorsee aufgeführt, der Helenensee taucht gar nicht auf.
Auch Judith und Willi Walther aus dem Sauerland sind mit ihrem Wohnmobil zum ersten Mal in Rinteln. Auch sie wären bereit, Gebühren für den Stellplatz zu entrichten. „Aber nicht mehr als acht Euro – wegen der Straße. Es ist ziemlich laut“, sagt Judith Walther. „Außerdem fehlen Mülleimer“, merkt ihr Mann an. Sonst sei der Platz toll gelegen. Als er am Samstag aus allen Nähten zu platzen drohte, seien die Pilger reihenweise in die Stadt zum Einkaufen gepilgert. Von daher, sind sich beide einig, solle sich Rinteln gut überlegen, in welcher Größenordnung sie am Ende Gebühren für den Wohnmobilstellplatz erhebt.
In Stadthagen können Camper noch problemlos auf gebührenfreien Stellplätzen unterkommen. Zwölf Stück gibt es am Gelände des Tropicana in der Jahnstraße. Die begrünte Umgebung lädt sogar Camper aus den Niederlanden zum Verweilen ein (SN berichteten). Reservierungen für den Platz sind nach Angaben des Betreibers nicht von Nöten. Einzige Einschränkung: Länger, als drei Tage am Stück können die Camper nicht verweilen. Neben dem Reisemobilführer „Pro Mobil“ wird der Stellplatz auch vom ADAC empfohlen.
Wer es etwas ländlicher mag und bereit ist, sechs Euro pro Nacht zu zahlen, wird in Lüdersfeld bei Heinrichs Reisemobilstellplatz fündig. Betreiber ist der „Dicke Heinrich“.  pk

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