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Wo die Grimms zu Hause sind

Neue Ausstellung eröffnet Wo die Grimms zu Hause sind

Die Ausstellung will kein Museum sein, sondern eine Erlebniswelt. Im Mittelpunkt stehen die Märchen, die Brüder Grimm werden aber auch als Wissenschaftler für Sprache und Literatur, Recht und Politik dargestellt.

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An jeder Ecke gibt es noch etwas zu tun: Der Neubau will das vielschichtige Werk der akribischen Wissenschaftler und Sammler fantastischer Märchen zeigen.

Quelle: dpa

Von Rosa Anton

Es gibt wenige „Ausstellungsstücke“ im herkömmlichen Sinn. Und so wird auch der Rattenfänger aus Hameln nicht zu finden sein, obwohl die Gestalt in die Sagensammlung der Grimms aufgenommen wurde. 1816 und 1818 sind die beiden Bände der „Deutschen Sagen“ aus der Feder der Grimm-Brüder erschienen, der Erfolg allerdings war nur mäßig. Den Siegeszug der „Rattenfängersage“, die für Hameln von so großer Bedeutung ist, konnte das aber nicht verhindern. Für die weltweite Verbreitung der „Rattenfängersage“ sorgte eher das Poem vom „Pied Piper of Hamelin“ von Browning.

 Für Märchen-Fans gibt es in Kassel viel zu entdecken: Die neue „Grimmwelt“, die in einem 20 Millionen Euro teuren Neubau auf dem Weinberg entstanden ist, soll Familien ebenso ansprechen wie Kulturinteressierte, Laien genauso wie Grimm-Experten. Die 1600 Quadratmeter Ausstellungsfläche steht maximal 400 Besuchern gleichzeitig offen. Pro Jahr werden 80000 Besucher erwartet. Im Januar 2012 war im Rahmen eines Architektenwettbewerbes das Design festgelegt worden. Gewonnen hatte das Aachener Architektenbüro „Kadawittfeldarchitektur“: Das Gebäude sieht aus wie eine moderne Burg mit einer großen Freitreppe.

 Konzipiert wurde die Ausstellung von den Berliner Kuratorinnen Annemarie Hürlimann und Nicola Lepp. Sie haben sich vom Wörterbuch des berühmten Bruderpaars inspirieren lassen. Über jedem der 26 Ausstellungsräume prangt ein in Neonlicht leuchtender Buchstabe, der wiederum für einen Bucheintrag steht. Die Ausstellung ist nicht von A bis Z, sondern thematisch geordnet. Los geht es mit Z wie Zettel. Denn alles, was die Grimms geschaffen haben, kommt aus Zetteln und Büchern, erläutert Lepp. Die Welt der Sprache bilde so den Einstieg in die Ausstellung. Die Projektion im Foyer, bei der Begriffe aus dem Deutschen Wörterbuch der Grimms zu sehen sind, ist Teil einer Installation des Künstlers Ecke Bonk, „Buch der Wörter/book of words: random reading“, die 2002 bei der documenta zu sehen war und nun ihren Platz in dem Neubau gefunden hat. Unter F wie „Froteufel“ – dem letzten Eintrag, den Jacob Grimm vor seinem Tod vollendete – erfährt der Besucher alles über die Entstehungsgeschichte des Wörterbuches.

 Fünf Monate lang haben die Initiatoren zu viert am Konzept gearbeitet, Ideen entwickelt und sich Rat bei Experten geholt. Sie setzen gezielt auf unterschiedliche Medien und Exponate: Original-Dokumente und ein Schrank aus dem Nachlass der Grimms sind ebenso zu sehen wie weitere Werke von documenta-Künstlern, darunter auch ein exklusiv gefertigtes Werk des chinesischen Künstlers Ai Weiwei: Fünf riesige, farbig angemalte Wurzeln mit dem Titel „Colored Roots 2009-2015“. Ein Dornenwald aus grünen Kunststoffwalzen und die dazugehörige Soundinstallation laden Kinder zum Verirren und Lauschen ein.

 Die „Grimmwelt“ Kassel versteht sich als ein modernes „Mitmachmuseum“. Durch unterschiedliche Räumlichkeiten und Themenbereiche soll der Besucher dazu angeregt werden, in die Welt der Brüder Grimm einzutauchen. Vier jeweils 125 Quadratmeter große „Märchen-Räume“ wurden von Künstlern, Designern, Modemachern und anderen Kreativen so gestaltet, dass die Besucher einen hohen Erlebniswert bekommen und sie mit einbezogen werden. In einem weiteren Raum sollen die Besucher die Märchen hören und lesen können.

 Und in der „Schatzkammer“ steht das Unesco-Weltdokumentenerbe, nämlich die Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen, im Vordergrund.

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