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Wonnige Wärme

Thema des Tages Wonnige Wärme

Lange wurden die Lehmofenbauer von der Zunft der Kaminofenbauer recht kritisch beäugt. Das hat sich mit der steigenden Beliebtheit der Lehmöfen geändert. Die Öfen gelten als Wunder der Heiztechnik. Um die ideale Raumtemperatur zu erreichen, sind allerdings auch einige Experimente erforderlich.

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Lehmofen spenden wohlige Wärme, was mancher Ofenbesitzer auch zu schätzen weiß.

Quelle: cok

Thema des Tages. Es duftet. Das ganze Haus ist erfüllt von einem würzigen Duft, der den Besucher in einer wohligen Wärme umschmeichelt. Und man sieht auch gleich, woher die Würze und Wärme stammen: von einem riesigen Ofen, der mit seinen Rundungen aussieht wie ein Werk des Künstlers Friedrich Hundertwasser – ein Lehmofen, der die hohe Diele des Fachwerkhauses von Anke Schurtzmann in Westendorf beheizt und eine warme Ofenbank besitzt, auf der man es sich sofort gemütlich machen will.

Immer öfter werden Fachwerk-Bauernhäuser mit diesen mächtigen, meist über zwei Tonnen schweren Grundöfen aus Schamotten, Steinen und Lehm ausgestattet. Meistens besitzen diese Häuser einen Dielenraum, hoch genug, dass früher beladene Erntewagen einfahren konnten. Zusammen mit den kleinen Nebenräumen, die häufig durch offenes Fachwerk mit der Diele verbunden sind, ist es gar nicht so leicht, sie so zu beheizen, dass nicht eine horrende Rechnung entsteht. Restaurierte Fachwerkhäuser erreichen nun mal nicht die Wärmedämmung eines modernen Energiesparhauses.

Der Lehmofen aber ist ein Wunder der Heiztechnik. Wenn er von einem Fachmann wie Rainer Niermann aus Seelze gebaut wird – jeder, der im Landkreis Schaumburg mit Grundöfen auch nur irgendwie befasst, kennt seine Firma – dann braucht der Ofen nur einmal, höchstens zweimal pro Tag mit ein paar Holzscheiten angefeuert zu werden. Die Züge in seinem Inneren verteilen die extrem heißen Rauchgase, das Baumaterial speichert die Hitze und gibt sie dann auf diese ganz besonders angenehme Weise als Strahlungswärme wieder an die Umgebung ab.

Dass einmal Anfeuern pro Tag wirklich genügt, beteuern auch Jan Schmidt und Christina Bünte. Die beiden jungen Leute haben sich in Krankenhagen ein großes Fachwerkhaus ausgebaut und von Beginn an den Einbau eines Lehmofens geplant. Das mächtige, in Weiß gehaltene Ofenwesen hat die weiträumige Diele auf eine Temperatur von an die 22 Grad gebracht, mit gerade mal drei Holzscheiten eines gefällten Apfelbaumes. „Ich mache leidenschaftlich gerne Holz“, sagt Schmidt. „Aber ich kann gar nicht so viel verheizen, wie ich gerne hacken würde.“

Dass die Lehmöfen in den Häusern von Anke Schurtzmann und Jan Schmidt fast aussehen wie Kunstwerke, es liegt eben am Lehmmaterial, das man, anders als etwa den Speckstein, problemlos in jede beliebige Form bringen kann. Die Öfen schmiegen sich an die Wände, sie können auch durch die Decke hindurch in die oberen Räume reichen. Und bei Schurtzmann zum Beispiel führt direkt am Ofen eine Treppe hoch, auf der sich die Hauskatze ihren warmen Lieblingsplatz erwählt hat.

Für den perfekt ans Haus angepassten Ofenbau ist es natürlich ideal, wenn man ihn zusammen mit dem ersten Innenausbau planen kann. Genau das macht Rainer Niermann zusammen mit dem Bauingenieur Manfred Röver von der „Interessengemeinschaft Bauernhaus“ gerade in Engern für die Landwirtsfamilie Meyer, die neben ihrer Hofanlage ein heruntergekommenes Fachwerkhaus restauriert. Röver, der im Schaumburger Land Fachwerkhausbesitzer bautechnisch berät, macht nur zu gerne Werbung für die energiesparenden, erneuerbare Materialien nutzenden Lehmöfen, die selbstverständlich allen umweltschonenden Abgasvorschriften entsprechen.

Die beiden Fachleute stapfen über Schutt und Balken im alten Walmdachhaus herum, ziehen Pläne hervor und machen sich im Schein einer Baulampe Notizen. Auch hier soll am Ofen entlang eine Treppe ins Obergeschoss führen. Billig ist die Investition in so einen Ofen nicht. Er kann zwischen 20 000 und 30 000 Euro kosten. „Man muss es als eine Investition in die Zukunft sehen“, sagt Niermann. „Über die Jahre amortisiert sich der Lehmofen, der auch nur alle zehn Jahre gereinigt werden muss.“ Röver ergänzt: „Es ist auch einfach eine Investition in ein sehr schönes Wohnen.“

Klar ist, dass Lehmöfen, die eine entscheidende Heizfunktion übernehmen sollen, nur etwas für relativ häusliche Menschen sind. Anders als Heizkörper einer Zentralheizung, die durch ihre aufsteigende Hitze einen Raum im Handumdrehen erwärmen, ist der Lehmofen nicht dafür geeignet, mal eben schnell die Wohnung warm zu machen. Beim ersten Anheizen zu Beginn der kalten Jahreszeit braucht er schon so ein oder zwei Tage, um seine volle Kraft zu entfalten. So lange dauert es, bis die tonnenschwere Masse sich quasi mit Wärme vollgesogen hat. Dann aber tut der Ofen treu seinen Dienst, es sei denn, man lässt ihn für mehr als zwei Tage ausgehen.

Jan Schmidt und Christina Bünte haben ebenso wie Anke Schurtzmann und ihr Mann Eckard Nolting vorsichtshalber noch alternative Heizmöglichkeiten bedacht. Das junge Paar besitzt noch einen Holzvergaser, während das Haus in Westendorf über eine zusätzliche Solaranlage verfügt und über einen Elektroheizer für Kälte-Notfälle. So ein Notfall kommt aber nicht oft vor, ist der Ofen doch so konzipiert, dass er eine Wandheizung betreiben kann innerhalb der Lehmwände des Fachwerkhauses, die auch sehr gute Wärmespeicher sind.

„Überhaupt tragen die wärmespeichernden Hauswände entschieden zum Wohnkomfort bei“, sagt Niermann. „Einen Lehmofen im gläsernen Wintergarten aufzubauen, hätte keinen Sinn.“ Aber auch in einem nach modernen Maßstäben gedämmten Haus wären Lehmöfen wenig sinnvoll. Sie müssen eine Mindestgröße haben, um ihre Wirkung entfalten zu können. Bei der Heizwärme, die sie entwickeln, würden Energiesparhäuser sich schnell in eine Sauna verwandeln.

Niermann hat nicht immer Lehmöfen gebaut. Er ist gelernter Heizungsbauer, der allerdings schon früh an alternativen Heizmethoden interessiert war und sich bald den Solarheizungen zuwandte. Dann begann ihn das Heizen mit der natürlichen Ressource Holz zu faszinieren. „Aber im Zentralheizungsbereich ließ sich mit Holz noch kaum etwas machen“, sagt er. Niermann erlernte den Lehmofenbau als Autodidakt, mit vielen Irrtümern, wie er freimütig eingesteht. Aber doch so, dass er jetzt der überall gefragte Fachmann für den Lehmofenbau ist, der längst engagierten Nachwuchs in seiner Firma herangezogen hat.

Früher gab es noch keine gesetzlichen Regeln für die Lehmöfen. Sie galten als „beheizbare Raumplastik“. Überhaupt wurde der Lehmofenbauer von der Zunft der Kaminofenbauer recht kritisch beäugt. Inzwischen aber liegt in der Luft, dass Niermann die Aufgabe des Innungsobermeisters der „Kachelofen- und Luftheizungsbauer“ übernimmt. Das anfangs eher gespannte Verhältnis von „normalen“ Ofenbauern und dem Lehmofenbauer hatte nicht unbedingt mit Sorge vor Konkurrenz zu tun, sondern wohl eher damit, dass Lehmöfen im norddeutschen Raum, wo Kachelöfen bevorzugt wurden, eigentlich keine Tradition haben.

Die ersten Grundöfen entstanden im Zuge der Ölkrise in den siebziger Jahren und hatten ihr Vorbild bei den süddeutschen „Hafnern“. Man entdeckte die fast perfekte Ausnutzung der Wärmeenergie, die im Holz steckt. Das wird nämlich bei so hohen Temperaturen verbrannt, dass so gut wie keine Asche übrig bleibt. Hinzu kommt die angenehme Raumluft, die durch die Strahlungswärme der Öfen entsteht, bei der kein Staub aufwirbelt, anders als bei den Zentralheizungskörpern, die die Raumluft durch Umwälzung erwärmen.

Und wer es sich einmal auf der Ofenbank bequem gemacht hat, mit dem Rücken an der warmen Lehmwand, der spürt, wie gut diese Art der Wärme tut – fast wie eine Wärmetherapie, bei der sich Verspannungen lösen.

Kein Wunder also, dass sich Anke Schurtzmanns Tochter nur zu gern auf der Ofenbank niederlässt oder neben dem Kätzchen auf der Treppe am Ofen hockt. „Manchmal ist es ja schon mit Herumexperimentieren verbunden, wenn man die ideale Temperatur hinkriegen will“, sagt die Mutter. „Aber wir sind jetzt schon ganz traurig, dass die schöne Ofen-Jahreszeit bald erst einmal wieder vorbei ist.“ cok

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