Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Zauberei im Suppenteller

Thema des Tages / Kräuter Zauberei im Suppenteller

Kurz bevor sich im Herbst die Blätter verfärben, wächst und blüht es draußen noch einmal üppig. Dabei entpuppt sich so manche Pflanze, die Hobbygärtner als lästiges Unkraut im Garten abqualifizieren und am liebsten tot sehen würden, als gesunde und durchaus leckere Köstlichkeit. Denn vieles, was in Garten, im Wald und auf dem Feld grünt und blüht, ist essbar. Ein Kräuterspaziergang .

Voriger Artikel
Gelbe Gefahr
Nächster Artikel
Leben auf der „roten Meile“

Ein bunter Strauß vom Wegesrand, in dem manches steckt, was nicht nur das Auge, sondern auch den Magen erfreut.

Quelle: ade

von Beate Ney-Janssen

„Ich würde ihnen gerne viele schöne Kräuter in Steingrau zeigen“, sagt Barbara Kruhöffer, „aber der Zisterzienser-Orden wollte es stets ganz schlicht haben.“ Zum Glück hätten sich die Steinmetze zu der Zeit, als das Loccumer Kloster gebaut wurde, aber nicht überall an diese Vorschrift gehalten – und so könne sie doch einige Pflanzen in diesem Steingrau zeigen. Nicht nur die in Stein gehauenen Kräuter im Gemäuer des Klosters haben an diesem Tag viele Gäste nach Loccum gelockt. Beim Kräuterspaziergang im und am Kloster gilt es, Kräuter zu erkennen, zuzubereiten, zu essen, Geschichten zu und über Kräuter zu hören und ihre historische Bedeutung zu erfahren.

Kruhöffer ist Klosterführerin. In den 30 Jahren, in denen sie sich bereits mit dem Kloster befasst, sind diese Pflanzen an Konsolen und Kapitellen eine ihrer Leidenschaften geworden. Das brachte Susanne von Stemm dazu, Kruhöffer zu dem Kräuterspaziergang zu bitten. Von Stemm ist Pastorin und im Sprengel Hannover die Beauftragte für Kirchenpädagogik. Als solche wollte sie zur Abwechslung ein Angebot machen, das sich nicht unbedingt an Kinder und Jugendliche richtet. Mit dem Kräuterspaziergang, der sowohl kleine Einblicke in Heilkunde als auch in die Historie und nicht zuletzt in biblische Bedeutungen von Pflanzen bringen soll, scheint sie angesichts von mehr als 30 Teilnehmern das richtige Thema getroffen zu haben.

Körbchen und Scheren sind denjenigen, die mitgehen, beim Spaziergang mit Barbara Kruhöffer allerdings noch nicht von Nutzen. Die steinernen Rosen, Efeu, Reben, Eichen und anderer Schmuck im Kreuzgang des Klosters bleiben, wo sie sind. Die Auswahl der Pflanzen, erläutert Kruhöffer, geschah nicht von ungefähr. So sei die rote Wildrose mit ihren fünf Blütenblättern etwa ein Symbol der fünf Wunden Christi. Hopfen hingegen habe vielmehr einen wirtschaftlichen Bezug zum Kloster, in dem früher fleißig Bier gebraut worden sei.

In den Mündern landet hingegen so manches, als Kerstin de Vries die Gruppe übernimmt. An und in den Klosterwald geht sie mit der Gruppe – und hält gleich zu Beginn ein flammendes Plädoyer für Brennnessel und Giersch. Von deren hohem Nährstoffgehalt, davon, dass sie eigentlich überall zu finden sind und davon, dass diese überreichen Gaben der Natur auch noch auf vielerlei Arten und sehr schmackhaft zubereitet werden können.

„Ich sage mir, dass sie gesund ist – dann bilde ich mir auch ein, dass sie schmeckt“, ist allerdings der Kommentar einer Teilnehmerin zum Geschmack roher Brennnesseln. Den Giersch sieht eine andere Teilnehmerin nach den Schilderungen von de Vries allerdings nicht mehr als Feind an: Jahrelange Versuche, die Pflanze in ihrem Garten auszurotten, werde sie jetzt aufgeben – und sie lieber genießen.
Die Wurzeln des unscheinbaren Nelkenwurz kreisen zum Schnuppern. Dass diese Wurzeln ein aromatisches Glühwein-Gewürz sein können, wusste niemand zuvor. Ebenfalls unbekannt ist der französische Name für Löwenzahn: „Pisse en Lit“ oder zu Deutsch „ins Bett machen“. Das, erläutert de Vries, komme von der harntreibenden Wirkung dieser Pflanze.

Ein Aberglaube sei es hingegen, dass der Blick durch einen Wurzel-Kreis aus Gundermann in der Walpurgisnacht Hexen kenntlich mache – daher komme aber die Bezeichnung „Hexenkraut“ für diese Pflanze. Und auch die Anwendung von Gänseblümchen zum Zweck der Abtreibung sei wissenschaftlich nicht nachweisbar. Gut für eine kleine Hexerei am Esstisch ließen sich die Blüten aber dennoch verwenden. Erst in den Kühlschrank gelegt, dann bei Tisch auf die heiße Suppe gestreut, würden sich die geschlossenen Blüten „wie durch Zauberei“ öffnen.

Zum Abschluss des Spaziergangs gibt es – wie im Kloster oftmals üblich – eine Andacht im Chorgestühl. Und stärken dürfen sich danach alle Teilnehmer an kleinen Köstlichkeiten mit Kräutern von de Vries: Löwenzahnknospen à la Mixed Pickles, Kräuterbrot und Kräuterbutter finden schnell Liebhaber. Und vielleicht wird manches davon demnächst so oder in Variationen in etlichen Küchen gekocht, gemischt und gebacken.

+++ Brennnessell +++

Brennnesseln können ganz schön wehtun – sind aber auch ganz schön gesund. Und lecker. Schließlich kann sich das Kraut als Heilpflanze sehen lassen. Es hat eine harntreibende, verdauungsfördernde und blutreinigende Wirkung und wird zum Beispiel bei Rheuma und Gelenkerkrankungen eingesetzt. In der Küche findet Brennnessel als Zutat für einen Salat oder Basis für eine Suppe Verwendung. Angst um Zunge und Gaumen muss dabei kein Feinschmecker haben. Werden die Blätter verarbeitet, werden die Brennhaare zerstört.

+++ Gänseblümchen +++

Sie sind nicht nur auf dem Rasen oder in der Blumenvase ein Augenschmaus, sondern peppen auch Salate oder Suppen auf. Gänseblümchen gehören wie die Blüten der Kapuzinerkresse oder Veilchen zu den essbaren Blumen. Bei milder Witterung blühen sie bis in den November. Während die Knospen und halb geöffneten Blüten leicht nussig schmecken, bereichern die geöffneten Blüten mit ihrem leicht bitteren und scharfen Aroma jeden Rohkostsalat. Gänseblümchen sollen den Stoffwechsel anregen und Hautkrankheiten lindern.

+++ Löwenzahn +++

Löwenzahn ist eine bekannte Heilpflanze und lässt sich kulinarisch hervorragend zubereiten. So wird die Pflanze mit ihren gezackten Blättern und sattgelb blühenden Blüten in der Medizin zum Beispiel bei Rheuma, Gicht und Gelenkerkrankungen eingesetzt. Löwenzahn ist reich an Vitaminen und Mineralien. Seine Blätter lassen sich als Gemüse dünsten, als Suppe zubereiten oder roh im Salat essen. Aus den Blüten lässt sich Sirup oder Gelee kochen. Aus der getrockneten Wurzel wurde in den Nachkriegsjahren ein Ersatzkaffee hergestellt.

+++ Giersch +++

Kein Unkraut, sondern geschätzt als Heilmittel bei Rheuma und Gicht. Triebe und junge Blätter schmecken aromatisch und leicht bitter. Sie können wie Spinat oder Salat zubereitet werden. Ältere Blätter schmecken als Petersilienersatz in Suppen oder Aufläufen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Der Media Store ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg in die digitale Welt. Das Angebot reicht von mobilen Endgeräten und Zubehör bis zur passenden Schulung für iPad und Co. mehr

Die SN-Apps gibt es für iPhone, iPad und Android-Geräte. Hier erfahren Sie, was sie bieten und wie Sie sich die Apps installieren können. mehr

Sport, Jugendthemen oder aktuelle Schlagzeilen? Mit acht Facebook-Kanälen bedienen die SN die unterschiedlichen Interessen der Nutzer und treten mit den Lesern direkt in den Kontakt. mehr