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Schaumburg Landkreis Themen kauf hier Abgestimmt wird mit den Füßen
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11:53 30.04.2015
Besonders an Wochenmarkt-Tagen ist die Stadthäger Innenstadt zumeist gut mit Kunden gefüllt. Quelle: Archiv
Stadthagen

Ein objektiver Indikator dafür ist für Experten die sogenannte Einzelhandelszentralität. Diese Ziffer zeigt an, wie hoch die Umsätze des Einzelhandels in einer Stadt gemessen an der Kaufkraft der eigenen Bevölkerung sind. Werte über 100 stehen dafür, dass Kaufkraft aus dem Umland in den Ort fließt. Hier steht Stadthagen nach Berechnungen des Instituts für Regionalwirtschaft „Cima“ mit dem Faktor 151,9 landesweit in der Spitzengruppe der Mittelzentren. Zum Vergleich: In Bückeburg liegt dieser Faktor bei 119,2, in Rinteln gar nur bei 104,7. Stadthagen als Einkaufsstadt übt also einen weit überdurchschnittlichen „Sogeffekt“ auf das Umland aus.

 Dazu trägt unter anderem die Funktion der Kreisstadt als Dienstleistungszentrum bei. Wer Behörden, Versicherungen oder Ärzte aufsucht, der kauft nicht selten im selben Zuge hier auch ein. Als Publikumsmagnet erweist sich der dreimal wöchentlich abgehaltene Wochenmarkt. Wie eine Umfrage der Stadtverwaltung ergeben hat, tätigen 94 Prozent von dessen Besuchern weitere Einkäufe in der Innenstadt und genießen die gastronomischen Angebote. Die Fülle eingangs erwähnter Großveranstaltungen, bei denen örtlicher Handel, Stadt, Stadtmarketingverein, Banken und Kulturträger an einem Strang ziehen, lenkt Kunden in die Innenstadt. Zudem lockt in Stadthagen ein breiter Branchenmix mit (noch) auffallend vielen familiengeführten Geschäften. Ein Trend zu immer mehr Filialisten ist freilich unverkennbar.

 Trotz der Rolle Stadthagens als der wichtigsten Einkaufsstadt im Umland steht der hiesige Innenstadthandel vor großen Herausforderungen. Die vielen Leerstände besonders im Norden der Altstadt sind unverkennbar. Dieser Bereich wird als Handelsstandort mittelfristig kaum zu halten sein, vielmehr werden Wohnen und eventuell Dienstleistungen verstärkt Einzug halten. Ein Trend zur Komprimierung des Einzelhandels auf die 1a-Lagen zeichnet sich ab. Schmerzlich vermisst wird ein zweiter Frequenzbringer neben dem Kaufhaus Hagemeyer. Die Ansiedlung eines solchen ist schwierig, weil die zur Verfügung stehenden Verkaufsflächen zu klein sind.

 Vom Handel als großes Problem erachtet wird die innerstädtische Verkehrsführung. Wie speziell auswärtige Kunden schneller und übersichtlicher an ihr Ziel in der Innenstadt gelenkt werden, ist eine offene Frage. Ähnliches gilt für eine noch kundenfreundlichere Parkplatzbewirtschaftung.

 Einheitliche Öffnungszeiten sind im Stadthäger Einzelhandel eine noch nicht erfüllte Aufgabe. Derzeit gehen diese über Mittag und an Sonnabenden teilweise noch weit auseinander. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist seniorengerechtes Einkaufen ein wichtiges Ziel. Dazu zählen barrierefreie Zugänge zu Geschäften genauso wie eine Rollator-freundliche Beschaffenheit der Fußgängerzone.

 Eine immer größere Herausforderung für stationär agierende Kaufleute ist die Konkurrenz durch den Online-Handel. Bestmögliche Qualität beim Service und zeitgemäßes Marketing können nach Auffassung von Experten unter anderem Antworten darauf sein.

 Noch überwiegen im Einzelhandel in der Kreisstadt insgesamt die positiven Entwicklungslinien, wobei der Stadthäger Handel genauso wie der bundesweite am Ende davon abhängt, dass der Konsument dessen Angebot zu schätzen weiß. Letztlich erfolgt die Abstimmung über die Zukunft der Innenstadt mit den Füßen – wer hier kauft, trägt zur Zukunft bei. Zum Erhalt der Innenstadt und zur Bewahrung des Zentrums als Treffpunkt für Jung und Alt ... ssr