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Schaumburg Landkreis Themen kauf hier Freundliche Beratung als Erfolgsrezept
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12:09 30.04.2015
Immer ein Lächeln im Gesicht gehört zu den Erfolgsrezepten: Karin Reichenberg (rechts) und Jutta Schnase verbreiten bei der individuellen und persönlichen Beratung gute Laune. Quelle: peb
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Rinteln (peb)

Mitte der sechziger Jahre zog Walter Kretschmer aus der Wallgasse in den kleinen Laden an der Hauptstraße mitten in die City von Rinteln. Im Juni 1976 übernahmen Dieter Lohse und Wolfgang Wurm den Laden. Beide waren schon über viele Jahre im Geschäft tätig, Lohse absolvierte dort sogar seine Lehre zum Büromaschinenmechaniker. Das Kerngeschäft entwickelte sich von einem Schreibwarenangebot mit Buchbinderei und Bilderrahmungen zu einem Angebot von modernen Büromaschinen. Rechenmaschinen und Schreibmaschinen waren in den achtziger Jahren der Renner. Die Angebotspalette wurde immer breiter, der Computer zog in die Büros ein, das Geschäft expandierte weiter, allmählich wurde die Ladenfläche zu klein und Lohse eröffnete im Jahr 1999 sein neues Geschäft in der Seetorstraße. In den Jahren 1999 und 2000 folgte ein kleines Intermezzo. Die Buchhandlung Droste baute in der Weserstraße neue Geschäftsräume und zog für einige Monate in den Laden.

 Danach übernahm im Oktober 2000 Ursula König das Geschäft für fast zehn Jahre. „Möchtest du nicht den Laden übernehmen“, fragte die Chefin im Dezember 2009 nach Feierabend quasi im Vorbeigehen ihre Kollegin Karin Reichenberg, die damals mit Ursula König im Laden angefangen hatte. „Ich war völlig überrascht und ahnte nicht, dass Frau König das Geschäft zum Ende des Jahres aufgeben wollte. Ich bat um Bedenkzeit, sprach mit meiner Familie und entschied mich dann innerhalb von drei Tagen. Seit Januar 2010 führe ich nun das Geschäft. Jetzt sind es auch schon fünf Jahre“, verrät Reichenberg.

 Ob Schulartikel, Büroartikel, Schreibwaren, Zeitschriften, Dekorationsartikel oder Geschenkartikel mit modernem Touch – das Warenangebot ist breit gefächert und lädt in dem kleinen, verwinkelten, gemütlichen Laden zum Stöbern ein. Es gibt keine Massenware in großen Verpackungen, sondern man kann auch alles einzeln bekommen – ob Briefumschläge in allen Varianten, Bleistifte, Filzstifte oder Geschenkpapier. „Die Kunden lieben den Charme des Altbaus“, weiß Reichenberg. Besonders im Frühjahr und Sommer, wenn die Stadt voll ist von Touristen, drängen sich die Kunden in den schmalen Gängen und kleinen Ecken des Mini-Ladens. Es wird geschaut, angefasst und gefragt. „Wir beraten unsere Kunden gerne, auch wenn sie nichts kaufen“, sagt die gelernte Industriekauffrau. Stets überaus freundlich, mit viel Geduld und großem Fachwissen findet die persönliche Beratung und immer mit einem Lächeln im Gesicht statt. „Das wissen die Kunden zu schätzen und kommen immer wieder gerne zu uns. Deshalb haben wir auch viele Stammkunden. Und die gehören nicht nur der älteren Generation an. Auch junge Kunden und mittleren Alters kaufen bei uns gerne.“

 Dass der Internetverkauf eine große Konkurrenz ist, das weiß auch Reichenberg zu berichten. „Gerade, wenn es darum geht, ein Schulranzen für die Tochter, den Sohn oder das Enkelkind zu kaufen, dann ist das ein Familien-Event. Mutter, Vater, Oma und Opa lassen sich intensiv beraten. Und das Kind muss den Ranzen Probetragen. Unsere Beratung ist sehr zeitaufwendig, manchmal dauert sie 30 Minuten. Danach wird aber im Internet gekauft, weil es dort zehn oder 20 Euro preiswerter ist. Trotzdem reagieren wir nicht böse und beraten auch weiterhin sehr gerne“, sagt Reichenberg. „Die Kunden erinnern sich häufig an die gute Beratung und kommen dann wieder in den Laden.“

 Fragt man Reichenberg nach dem Geheimnis des Erfolgs, hat sie auch sofort eine Antwort parat. „So ein kleiner Laden hat gegenüber den Einkaufsmärkten und dem Internet nur eine Überlebenschance, wenn die persönliche Beratung stimmt. Ich und meine vier Teilzeitangestellten müssen dabei immer gute Laune verbreiten, die sich auf die Kunden überträgt und zum Wiederkommen animiert. Aber wie lange noch dieses Erfolgsrezept funktioniert, ist fraglich. Ich hoffe noch sehr lange.“

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