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11:52 30.04.2015
Die Vollmundigkeit, die das Bier von Holger Meier und seinem Team auszeichnet, lassen die Biere der großen Brauereien vermissen. Quelle: wk
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Vehlen

Das „neue Getränk“ ist das Starkbier, das beim ersten Fest der Starkbierfreunde in der Liethhalle Obernkirchen ausgeschenkt wird. „Raptor“ – nach dem Dinosaurier – heißt das Starkbier, das Meier eigens für die neue Veranstaltung braut. Und Starkbier, weiß er, ist ein sensibles Thema: Die Leute sind beim Trinken zurückhaltend, weil sie glauben, das Starkbier haut sie gleich um. Meier spricht von einer „psychologischen Bremse“, aber Angst braucht niemand zu haben: „Man trinkt nicht ein Glas und geht dann schwindelig von dannen.“

 Die Stärke, erklärt Meier, ist der Alkoholgehalt, „aber stärkeres Bier ist nicht automatisch leckerer.“ Das Leichtbier sei eher ein Durstlöscher, aber beim dunklen Bockbier die Vollmundigkeit hineinzukriegen, „das ist die Kunst.“ Und die Art des Malzes und des Hopfens legen dann den Geschmack fest, sagt Meier. Und natürlich auch eine direkt befeuerte Sudpfanne, wie er sie in Vehlen benutzt: Eine moderne Heißdampfanlage bekommt sie nicht hin, diese besondere Vollmundigkeit. In der Sudpfanne, sagt Meier, passiert das Entscheidende. „In der Pfanne arbeiten wir durchaus mal per Hand nach, wir haben sogar noch einen Rührpaddel.“

 Der Malz kommt aus Bamberg, die Hefe aus der Nachbarschaft, das Wasser stammt aus den Möllenbecker Quellen, der Hopfen wird aus Tettnang geschickt.

 Und der Hopfen, das ist in diesen Tagen ein großes Thema unter den Bierbrauern: Denn in Deutschland wird zwar eine sehr gute Ernte erwartet, doch die Hopfenbauer kommen mit dem Anbau kaum hinterher. Dass der Hopfen mittlerweile knapp zu werden droht, hat mehrere Ursachen. Zum einen ist die Zahl der Anbauer von 4000 im Jahr 1990 auf heute 1200 zurückgegangen, rechnete die „Süddeutsche Zeitung“ dieser Tage vor. Zwar geht in Deutschland der Pro-Kopf-Konsum an Bier zurück, weltweit sieht es aber völlig anders aus, vor allem in Afrika und Asien steigen die verkauften Biermengen an, und das schon seit Jahren.

 Der dritte Grund sind die sogenannten „Craftbier“-Brauereien, und hier kommt Holger Meier wieder ins Spiel. Das englische Wort „Craft“ bedeutet Handwerk, und es steht für Brauereien, die eher klein sind und auf traditionelle Weise brauen – Brauereien wie Meierhöfer in Vehlen. Doch die Zahl der „Craftbier“-Brauer geht in die Abertausende. Als Meier 1999 mit dem Brauen begann, war er noch ein Nischenbrauer, heute ist die „Craft“-Bewegung ein durchaus beachtliches Marktsegment. Sie brauen vielleicht fünf Prozent des Bierausstoßes auf der Welt, benötigen dafür aber rund 20 Prozent der weltweiten Hopfenbewegung.

 Man muss kein Prophet sein: Die „Craft“-Bewegung wird zunehmen. Warum das gut für den Biertrinker ist, ließ sich jüngst bestens auf dem Hessisch Oldendorfer Bierboulevard betrachten: Überall das gleiche Bier der großen Konzerne. Die Übernahmeschlachten haben zu einem Einheitsbier geführt, das sich bestenfalls in Nuancen unterscheidet. Auf der Strecke bleibt die Vielfalt.

 Es sind Brauer wie Meier, die dafür sorgen, dass Bier wieder das wird, was es einst war: ein Qualitätsprodukt mit unverwechselbarem Geschmack. rnk

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