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12:07 30.04.2015
330 Quadratmeter Ladenfläche: zu klein für Filialisten, zu groß für kleine Geschäfte. Quelle: peb
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Rinteln

Ralf Pollmann, Verwalter einer Erbengemeinschaft, versucht schon seit Jahren den 330 Quadratmeter großen Laden in der Weserstraße, in dem früher IhrPlatz angesiedelt war, an den Mann oder die Frau zu bringen. „Der Laden ist einerseits zu groß, andererseits zu klein. Größere Läden unter 400 Quadratmeter sind schlecht zu vermitteln. Läden mit Flächen um die 120 Quadratmeter stehen auf der Wunschliste der Filialisten ganz oben“, hat Pollmann die Erfahrung gemacht.

Auch die Vermietung der Immobilie von Dirk Beckmann an der Weserstraße gestaltet sich als schwierig. Die Ladenfläche von 690 Quadratmetern erstreckt sich über vier Etagen. Es gibt keine zweite Treppe. Die Toiletten befinden sich im vierten Stock. „Weil ich den Laden in seiner Gesamtheit von 800 Quadratmeter Nutzfläche bis heute nicht vermieten konnte, habe ich schon über andere Nutzungsmöglichkeiten nachgedacht.“ Die Nutzung des Erdgeschosses und Untergeschosses als eine Ladeneinheit und der Ausbau der oberen Stockwerke zum Wohnraum böten sich an. „Aber auch das ist schwierig. Die Ladenfläche im Erdgeschoss und Untergeschoss weist Stufen und Treppen auf, die oberen Geschosse eignen sich zum Ausbau in Wohn- oder Büroraum auch nicht hundertprozentig, weil die Möglichkeiten zum Einbau von Fenstern nicht vorhanden sind“, sagt Beckmann.

„Es gibt keine pauschalen oder allgemeingültigen Gründe für Leerstand. Die Ursachen sind immer auch individuell und für jede Immobilie unterschiedlich“, sagt Diana Kölling von JPK Immobilien in Rinteln. „Die Immobilien sind zum Teil sehr groß, verschachtelt, nicht ebenerdig oder haben eine zu kleine Schaufensterfront. Es gibt Filialisten, die aufgrund der fehlenden Bevölkerungsgröße und zu geringer Kaufkraft Rinteln gar nicht erst als Standort für ihre Expansion vorsehen.“ Die Filialisten, die nach Rinteln wollten, fänden nicht die passende Immobilie. „Die Firmenvorgaben sind in Rintelns vorhandenem Altbaubestand nicht überall gegeben oder nur mit hohem Aufwand zu realisieren. Des Weiteren gibt es bei den Filialisten klare Vorstellungen zur Lage: Weserstraße ist gefragt, Klosterstraße gilt oft nur noch als Eins-b-Lage.“

„Grundsätzlich glaube ich, dass die derzeitige Situation in Sachen Vermietung zum einen an der Geldbeschaffungslage liegt und die Banken erhebliche, wenn auch notwendige Absicherungen verlangen. Des Weiteren sind Mietinteressenten nicht mehr bereit, ein erhebliches Risiko einzugehen, um ein neues Geschäft zu eröffnen“, erklärt Edwin Sebening von Immobilien Sebening & Sohn in Rinteln.

„Auch der Internetverkauf hat so stark zugenommen, dass einzelne Branchen in normale Läden nicht mehr reingehen.“ Für Rinteln insgesamt habe sich in den vergangenen Jahren ergeben, dass hochwertige Einzelgeschäfte geschlossen hätten, die damaligen Leerstände seien an Telefonläden oder einfache oder normale Geschäfte vermietet worden – „das hat die Kaufkraft in der Innenstadt belastet“, so Sebening. „Aber Rinteln steht im Landkreis sicherlich noch sehr gut da. In Stadthagen stehen im Zentrum auch diverse Ladengeschäfte über Jahre leer, in Obernkirchen ist eine Vermietung im Zentrum nur sehr schwer bis gar nicht möglich. In Bückeburg braucht man auch Monate, um in Seitenlagen Geschäftsräume zu vermieten“, sagt Sebening.

„Für Ladengrößen bis 150 Quadratmeter bleiben die laufenden Kosten für Miete und Nebenkosten überschaubar. Das ist ein Grund, warum diese Läden noch angemietet werden. Filialisten suchen Immobilien mit 500 Quadratmetern und mehr“, weiß Achim Lüders, Leiter der Immobilien-Abteilung der Sparkasse.

„Der Leerstand ist auch eine Folge des Standortwettbewerbs zwischen Innenstadt und ,Grüner Wiese‘. Die Kundenströme haben sich durch die Schaffung moderner Einkaufszentren und die Standortverlagerung von Filialisten sowie die Schließung von größeren Magnet-Betrieben in den Innenstädten verschoben. Durch die Stärkung der ,Grünen Wiese‘ wurden die Warensortimente in der Innenstadt permanent ausgedünnt. Es ist mehr als schwierig, diesen Trend wieder umzukehren.“ peb

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