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12:02 30.04.2015
Der Rintelner Händler Manfred Tiefensee fordert: Agieren statt reagieren. Quelle: tol

Ist das Internet schuld daran, dass der Handel zurzeit über Schwierigkeiten klagt?

 Nun, dazu muss man zunächst einmal zweierlei feststellen: Erstens, der Handel klagt nicht generell, auch wenn die eine oder andere Branche natürlich durch Amazon oder großflächige Betriebe etwa für Spielzeug unter Druck ist. Und zweitens: Den Verlust alt eingesessener Unternehmen hat es schon lange vor dem Internet oder der Verkaufsflächenexplosion auf der grünen Wiese gegeben. Solche im Einzelfall betrüblichen Entwicklungen lassen sich einfach nicht aufhalten.

Aber wie ist das denn nun mit dem Internet?

 Das Internet wirkt sich durch seine enormen Umsätze natürlich negativ auf den Handel aus. Es ist ein starker Konkurrent und wird es bleiben. Bedroht sind dabei in erster Linie Geschäfte, die ohnehin schwach auf der Brust sind, keine Werbung und auch sonst nicht auf sich aufmerksam machen. Jeder einzelne Betrieb kann sehr wohl dem Internet begegnen. Das Netz ist eine Maschine, wir Einzelhändler dagegen sind Menschen aus Fleisch und Blut, können unseren Kunden echte Aufmerksamkeit entgegenbringen, sie liebevoll beraten und ihnen nicht das Gefühl geben, dass man sie für dumm verkaufen will. Dazu gehört natürlich auch gut ausgebildetes und vom Inhaber gut angeleitetes Personal.

Also lieb und nett zum Kunden sein und dann klappt es schon mit dem Umsatz?

 So einfach ist es nun leider auch wieder nicht. Es ist erforderlich, die Aktivitäten der Branchenriesen im Internet zu beobachten und daraus seine Schlüsse zu ziehen. In unserer Branche zum Beispiel macht es wenig Sinn, gleiche Angebote wie im Netz vorzuhalten und sich dann auf Preiskriege einzulassen. Die Zeit von 08/15-Angeboten ist vorbei. Man muss ständig sein Sortiment im Auge haben, muss sich absetzen von der Konkurrenz und mit Beratung und Service punkten. Originalität und Alleinstellungsmerkmale sind dabei wichtig. Vielfach starren wir noch auf das Internet wie das Kaninchen auf die Schlange. Das muss aufhören. Angst lähmt. Stattdessen müssen wir raus aus der Opferrolle und agieren statt reagieren. Nur Mut macht Sieger.

Mit der Aktion ,,Kauf hier“ versuchen die Schaumburger Tageszeitungen beim heimischen Konsumenten dafür zu werben, verstärkt vor Ort zu kaufen. Wie sehen Sie diese Aktion?

 Grundsätzlich sind alle Aktivitäten zu begrüßen, die wieder mehr Kunden in die Innenstädte locken. Gleichzeitig muss aber auch in den Städten dafür Sorge getragen werden, dass diese attraktiv bleiben. Durch Geschäftsschließungen in der Vergangenheit hat diese Attraktivität gelitten. Wünschenswert wären daher Neuansiedlungen von attraktiven und originellen Geschäften und immer wieder attraktive Veranstaltungen, wobei der Bogen natürlich auch nicht überspannt werden darf. Ein Zuviel nutzt sich ab und kann zu Reizüberflutung führen.

Heißt das, wir brauchen mehr inhabergeführte Geschäfte und weniger Ketten?

 Junge Kaufleute haben es heute unheimlich schwer, sich selbstständig zu machen. In Zukunft wird es daher in den Innenstädten eher mehr als weniger zu Ketten gehörende Geschäfte geben. Dabei muss man aber auch sehen: Ohne einen Rossmann, einen T-Punkt oder einen Fielmann, um nur einige zu nennen, wären Innenstädte heute gerade für auswärtige Kunden noch weniger attraktiv. Natürlich sollten alle Verantwortlichen, auch die Vermieter, einmal darüber nachdenken, warum es für junge Unternehmer so schwer ist, einen Laden zu eröffnen. Es kann nicht angehen, das Läden eher leer stehen, als sie zu lebbaren Preisen an Neustarter zu vermieten.

In Rinteln gibt es derzeit Überlegungen, größere Einzelhandelsflächen in der Innenstadt zu schaffen, um zugkräftige Filialisten anzulocken. Wie schätzen Sie das ein?

 Die Bemühungen sind zu begrüßen. Uns fehlen zugkräftige Namen, die zusätzliche Laufkundschaft auch für die kleineren Anbieter anlocken. In unserer Branche zum Beispiel sehe ich Potenzial für einen größeren Anbieter im Bereich modische Young Fashion. Das wäre keine Konkurrenz sondern eine hervorragende Ergänzung zum vorhandenen Angebot, zumal gerade im Bereich Mode in den vergangenen Jahren etliche Anbieter ihre Läden zumeist aus Altersgründen oder mangels Nachfolger geschlossen haben.