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Wenn der Einzelhandel schwächelt...

Landkreis / ,Kauf hier“ Wenn der Einzelhandel schwächelt...

Der Einzelhandel steht vor schwer wiegenden Veränderungen. Outlet-Center und Online-Shops bedrohen den traditionellen stationären Handel in seiner Existenz. Die drei Schaumburger Tageszeitungen beleuchten deshalb in einer neuen Serie unter dem Titel ,,Kauf hier“ die Situation und zeigen Zukunftsperspektiven auf.

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Einkaufen in der Langen Straße in Bückeburg: In unserer neuen Serie „Kauf hier“ geht es um die aktuelle Lage und Perspektiven des Einzelhandels in Schaumburg. 

Quelle: tol

Von Stefan Reineking

Landkreis. Wer Sonntagsnachmittags bei einigermaßen schönem Wetter durch eine der Schaumburger Innenstädte spaziert, gerät ins Staunen: Voll ist es; wie zu Zeiten der Großeltern drängen sich die Menschen vor den Schaufenstern und begutachten die Auslagen, beleben Eiscafés und Gaststätten, haben Zeit für einen kleinen Plausch mit Freunden und Bekannten, die für ihren Sonntagsausflug das gleiche Ziel gewählt haben.

Schöne heile Handelswelt, sollte man angesichts dieser Bilder meinen, wenn sich in den vergangenen Jahren die Konsumwelt nicht deutlich verändert hätte. Wurde das beim Sonntagsbummel Gesehene früher noch wie selbstverständlich im Laufe der folgenden Woche bei Gefallen im örtlichen Einzelhandel erworben, stellt sich die Situation heute deutlich differenzierter dar: Der Verbraucher lässt sich zwar gerne von Schaufenstern inspirieren, kauft aber anschließend immer öfter im Internet ein, sucht sogenannte Factory-Outlet-Center oder vermeintlich preiswertere Einkaufszentren auf der grünen Wiese auf.

Noch ist die daraus resultierende Situation für den stationären Einzelhandel in den Schaumburger Mittel- und Grundzentren sowie in den Gemeinden und Samtgemeinden nicht dramatisch – erste Anzeichen für das Sterben des traditionellen Einzelhandels sind aber unverkennbar.

In den früher belebten Nebenstraßen stehen diverse Geschäftslokale leer oder sind bereits in Wohnraum umgewandelt worden, und auch in den Hauptgeschäftsstraßen stehen erste Läden leer, erfolgte bereits das, was Experten mit Downsizing beschreiben: Etablierte Fachgeschäfte geben auf, Ein-Euro-Läden und Klamottendiscounter besetzen die frei werdenden Flächen, was zumindest zu einer qualitativen Verschlechterung des Angebots führt und lang- und mittelfristig sinkende Kundenfrequenzen in den Innenstädten hervorrufen wird.

Mit durchaus fatalen Folgen: Mitarbeiter verlieren ihre Jobs, geringer qualifiziertes Personal wird eingestellt und sorgt für schlechtere Beratung, der Einzelhandel fällt als Mieter oder Eigentümer von Immobilien aus, was zu einem Verfall der Altstadtquartiere führt und letztlich auch die Flaneure aus den Zentren verbannt – und mit denen gehen dann auch die gastronomischen Betriebe. In letzter Konsequenz heißt das: verliert der Einzelhandel weiter an Kundschaft, verlieren letztlich die Städte an Lebensqualität und sind am Ende dieser Entwicklung wie heute schon viele Dörfer nur noch Schlafstätten für jene, die preiswerten Wohnraum suchen aber anderswo arbeiten, ihre Freizeit verbringen und ihren Konsumbedarf decken.

Dabei ist der traditionelle stationäre Einzelhandel in ganz Schaumburg nach wie vor von enormer Bedeutung. 1931 Einzelhandelsbetriebe mit Ladengeschäften zählt die IHK in den Städten und Gemeinden des Schaumburger Landes – vom kleinen Tankstellenshop bis zum Möbelmarkt auf der grünen Wiese. Die knapp 2000 Betriebe beschäftigen zurzeit rund 7000 Mitarbeiter, hinzu kommen die Ladeninhaber und mithelfende Familienangehörige.

Insgesamt zählt der Handel in Schaumburg zu den größten Arbeitgebern. Und auch die Kämmerer der Kommunen wissen den Einzelhandel zu schätzen: als zuverlässigen Gewerbesteuerzahler. Genauso wie die Vermieter: Die Quadratmeterpreise sind für Läden in der Regel höher als für Wohnraum, nur dadurch lassen sich die häufig aufwendig sanierten Bauten in den Altstädten erhalten.

Was kann der heimische Einzelhandel tun, um ein wichtiger Akteur in der heimischen Wirtschaft zu bleiben und der drohenden schleichenden Abwärtsspirale zu entkommen? Eine befriedigende Antwort auf diese Frage hat bis heute noch niemand gefunden. Allerdings bemühen sich landauf und landab Wirtschaftswissenschaftler und Immobilienfachleute, Banker und die betroffenen Kommunen, Einzelhandelsexperten wie Sozialwissenschaftler um die Lösung der drängendsten Probleme.

Modernere Ladeneinrichtungen, besser ausgebildetes Personal, mehr Service, repräsentativere Ladenflächen, innovative Handelskonzepte durch die Kombination unterschiedlicher Angebote unter einem Dach, Konzepte fürs Erlebniseinkaufen, Umgestaltung der Einkaufszonen, Ausbau des gastronomischen Angebots, um die Innenstädte wieder zu kommunikativen Marktplätzen für Menschen zu machen – die Liste der Lösungsansätze ist lang, nicht alles lässt sich überall räumlich und finanziell umsetzen. Ein ganz entscheidender Faktor in diesem Zukunftspuzzle ist und bleibt der Mensch, der als mündiger Bürger und Konsument letztendlich entscheidet, ob all diese Ideen und ihre Umsetzungen zum gewünschten Ziel führen.

Jeder Einzelne hat es in der Hand, durch sein Konsumverhalten zum Erhalt des traditionellen Einzelhandels beizutragen. Im Moment tut er es noch, sucht aber zugleich nach neuen Wegen, seine Konsumbedürfnisse zu stillen. Seit Jahren steigt quer durch alle Schichten und Altersgruppen der Umsatz im Onlinehandel. Am Computer wird ganz bequem zu Hause bestellt. Vor Glück über die Ankunft eines Paketes schreiende Frauen oder lässig in die Kamera grinsende Couchpotatoes, die über jene spotten, die vor Ort einkaufen prägen das Bild dieser neuen Konsumwelt, die letztendlich der Vereinsamung das Wort redet: Du brauchst nicht mehr vor die Tür, Dir wird alles ins Haus geliefert, was in letzter Konsequenz bedeutet: Dein sozialer Kontakt beschränkt sich außerhalb der Arbeitswelt auf den Boten vom Paketdienst.

Übertrieben? Sicherlich. Aber Tatsache ist, dass bereits zehn Prozent aller Waren über das Internet vertrieben werden. Die Tendenz ist steigend – und das abgesehen von Spezialsortimentern zumeist in Konkurrenz zum örtlichen Handel. Dieser spürt die Widersacher schon deutlich im Nacken, zumal er im Wettbewerb einen ganz gravierenden Nachteil in Kauf nehmen muss: Sieben Tage rund um die Uhr können wir im Internet einkaufen, der Handel ist in seinen Öffnungszeiten durch Gesetze und Verordnungen beschränkt.
Anlässlich des Auftakts von „Kauf hier“ haben die Schaumburger Nachrichten eine Umfrage auf der Internet-Seite sn-online.de gestartet: Wir wollen von Ihnen wissen, ob Sie schon einmal bei Online-Shops bestellt. Auch auf Facebook gibt es die Gelegenheit, über das Thema zu diskutieren.

++++ „Kauf hier“ – eine Initiative für unsere Städte ++++

Was in manchen Ohren wie ein Befehl klingen mag, ist vielmehr der Titel einer neuen redaktionellen Serie der drei Schaumburger Tageszeitungen. Schaumburger Nachrichten, Schaumburg-Lippische Landes-Zeitung und Schaumburger Zeitung wollen mit dieser Serie auf die Situation des Einzelhandels im Landkreis aufmerksam machen. Dabei geht es sowohl um die Bedeutung des Handels als Arbeitgeber, Steuerzahler und Inhaber oder Mieter von Immobilien als auch um die wohl wichtigste Funktion: Geschäfte sind Treffpunkte von Menschen, sind Zentren der Kommunikation.
… ist also auch durchaus als Aufforderung gemeint. Nämlich an die vielen Leser unserer Tageszeitungen, bei ihren Kaufentscheidungen wieder verstärkt den heimischen Handel zu berücksichtigen. Denn mit den kleinen und großen Geschäften und der zur florierenden Innenstadt gehörenden Gastronomie würden wir ein weiteres Stück Lebensqualität verlieren, wenn sich der boomende Internethandel noch größere Stücke aus dem verfügbaren Konsumkuchen herausreißt.
Das ist auch der Versuch, Handel und Kunden ins Gespräch zu bringen. Zur Serie der Tageszeitungen werden Kundenbefragungen im Internet und Erfahrungsberichte von Konsumenten gehören. Genauso wie innovative Geschäftsideen vorgestellt werden, die den örtlichen Einzelhandel in Konkurrenz zu anderen Anbietern stützen und befördern können.
… findet als Serie nicht nur in den Seiten der Zeitungen seinen Niederschlag. In den Internetauftritten von SN, SZ und LZ wurden ,,Kauf hier“-Seiten eingerichtet, auf denen die Berichterstattung zusammen gefasst wird; gleichzeitig haben die einzelnen Händler die Möglichkeit, sich mit ihrer Internet-Adresse vorzustellen, damit sich jeder Nutzer selbst ein Bild davon machen kann, wie vielseitig der heimische Handel aufgestellt ist.
… richtet sich schließlich und endlich auch exklusiv an die Händlerinnen und Händler im Kreisgebiet: Wer bei der Aktion mitmacht, erhält neben dem Interneteintrag Werbematerial mit dem Kauf-hier-Logo, darf unter dem eingängigen Slogan werben und kann an Fachvorträgen zum Thema Handel und seine Zukunftschancen teilnehmen – organisiert von den heimischen Tageszeitungen.
… als redaktionelle Serie und begleitend zur fachlichen wie werblichen Unterstützung des Handels kann angesichts dieses Aufwandes nur realisiert werden, weil das Projekt viel Unterstützung erfährt: Die Sparkasse Schaumburg, die Volksbank Hameln-Stadthagen und die Volksbank in Schaumburg unterstützen die Aktion, weil sie der gleichen Meinung sind wie die Zeitungsmacher: Der heimische Einzelhandel muss im Interesse aller Einwohnerinnen und Einwohner in den Städten und Gemeinden des Landkreises Schaumburg gestärkt werden – damit unsere Innenstädte und die Zentren in den Landgemeinden nicht veröden.  sr

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