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Kreis Schaumburg / Klinikum

125 Jobs streichen

Nach einem unserer Zeitung vorliegenden internen Strategiepapier plant die Geschäftsführung der Kreiskrankenhäuser den Abbau von zunächst rund 125 Arbeitsplätzen – darüber berät das Management am Freitag mit dem Personalrat.

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Stadthagen/Rinteln. Die Jobs sollen in den Bereichen Pforte, Reinigung, Küche, Haustechnik und Verwaltung in Stadthagen und Rinteln wegfallen. Den Mitarbeitern drohen, falls sie die Altersgrenze in den nächsten fünf Jahren nicht erreichen, die Nicht-Verlängerung ihrer Verträge oder betriebsbedingte Kündigungen.

Die „Streichliste“ summiert die Einsparpotenziale in den pflegefernen Bereichen der Kreiskrankenhäuser und führt die betroffenen Personalstellen auf. Christian von der Becke, Werksleiter der Kreiskrankenhäuser und Geschäftsführer der Management-Gesellschaft, bestätigt auf Nachfrage, dass das Papier in den Gesprächen mit Personalrat und Gewerkschaft als Verhandlungsgrundlage dient.

Für das Management geht es darum, die laufenden Defizite abzuschmelzen, um die neue Klinik in fünf Jahren nicht auf dem Gipfel eines Schuldenberges zu eröffnen. Schon jetzt liegen die Sanierer dabei hinter ihrem Zeitplan. Und die realen Verluste für dieses Jahr drohen das (ohne Sparmaßnahmen) kalkulierte Minus von 5,9 Millionen Euro zu übersteigen. Durch Einsparungen soll das Defizit im Betriebsergebnis 2009 auf 3,8 Millionen, 2010 auf 2,7 Millionen Euro gedrückt werden. Das Ziel ist, die in der Übergangsphase von fünf Jahren kumulierten Verluste um 20 Millionen Euro schrumpfen zu lassen und auf einen Fehlbetrag von 14 Millionen Euro zu deckeln.

Etwa die Hälfte der Verlustminderung – rund zehn Millionen Euro, zwei Millionen jährlich bis 2013 – will Chef-Sanierer von der Becke über einen Zukunftssicherungsvertrag erzielen, der dem Krankenhauspersonal rund sechs Prozent Lohnverzicht auferlegt – vor allem die Jahressonderzahlungen würden storniert. 1,2 Millionen Euro sollen darüber hinaus bis 2013 durch eine Zentralisierung des Einkaufs unter dem Dach von ProDiako gutgemacht werden. Was darüber hinaus nicht an Sachkosten eingespart werden kann, muss bei den Personalkosten gekürzt werden – durch massiven Stellenabbau.

Für drei Bereiche der Krankenhaus-Logistik liegen bereits konkrete Angebote eines externen Dienstleisters auf dem Tisch, der die Aufgaben des Klinikpersonals zu günstigeren Konditionen übernehmen soll. Dabei handelt es sich um eine Facility-Management-Gesellschaft aus Berlin, die mit der ProDiako Service GmbH, einer Tochter des neuen Mehrheitseigners der Krankenhäuser, kooperiert. Im Bückeburger Haus Bethel übernimmt dieser Dienstleister bereits ab Juli die Reinigung – hier war schon vorher eine Fremdfirma beauftragt.

Kann das neue Management seine Vorstellungen durchsetzen, würden in Stadthagen und Rinteln die Reinigung mit 43 Mitarbeitern (37,7 volle Stellen), die Haustechnik mit 19 Mitarbeitern (16 volle Stellen) und die Pforte mit neun Mitarbeitern (8,1 volle Stellen) an den externen Anbieter vergeben. In diesen Sparten will die Geschäftsführung das eigene Personal nahezu komplett abbauen – die Kündigungswelle soll im nächsten Jahr beginnen. Kalkulierter Spareffekt auf fünf Jahre gerechnet: rund 5,3 Millionen Euro.

Auch die Krankenhausküche mit 44 Mitarbeitern (31,5 Vollstellen) soll ein externer Anbieter übernehmen, wenngleich hier eine gemeinsame Küchenbewirtschaftung in eigener Regie noch als Alternative gehandelt wird. Die Einsparpotenziale beim Outsourcing jedoch sind viel größer: Brächte die Fusion eine Kostenersparnis von 341 000 Euro bis 2013, läge diese Summe bei der Fremdvergabe bei 2,1 Millionen Euro.
Auch in der Verwaltung will die Geschäftsführung Personal einsparen – hier nicht durch Outsourcing, sondern durch Konzentration von Aufgaben an einem Standort. Gestrichen werden sollen neun von 33,5 Vollstellen, wobei in der Management-Gesellschaft sowie bei ProDiako in Hannover zwei neue Stellen aus diesem Pool zu besetzen sind. Anders als in den übrigen Bereichen soll der Stellenabbau hier noch in diesem Herbst beginnen.

Für die 24 Mitarbeiter des Labors plant die Geschäftsführung einen Betriebsübergang: Ein niedergelassener Laborarzt soll in die Krankenhäuser integriert werden und das Personal übernehmen. Sicherheit haben die Mitarbeiter aber auch hier nur für ein Jahr. Für die Radiologie (17 Mitarbeiter) wird die Kooperation mit einem externen Investor, einer radiologischen Praxis in Stadthagen, angestrebt; die Verhandlungen laufen. Auf der Streichliste enthalten ist die Zentralsterilisation mit neun Mitarbeitern – hier habe man eine externe Vergabe bis zum Start der neuen Klinik zurückgestellt, sagt von der Becke.

Der geplante Wegfall von zunächst 125 Arbeitsplätzen (rund 100 Vollstellen) würde für das Gros der Mitarbeiter die betriebsbedingte Kündigung bedeuten. Ein Teil der Stellen kann durch das Auslaufen befristeter Verträge, Erreichen der Pensionsgrenze und Altersteilzeit-Regelungen abgebaut werden. Insgesamt laufen auf diese Weise bis 2013 (inklusive der Pflege) 45 Vollstellen aus. Ausgespart bleibt in den Plänen das Ärzte- und Pflegepersonal – und mindestens in diesem Jahr soll dies auch so bleiben. wer


  • Schwierigkeiten amta – 06.07.09
    Die Krankenhäuser waren vorher schon in extremen Schwierigkeiten. Sonst hätte der Kreistag nicht über seine weitere Zukunft entscheiden müssen. Jetzt geht es um Schadensbegrenzung. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • 125 Jobs streichen wer – 01.07.09
    Das ist mal wieder typisch. In einem Dienstleistungsbetrieb will man sparen indem man an der Dienstleistung spart und sich "auf das Kerngeschäft" konzentriert. Das wurde in der Bundesrepublik schon hunderte Male versucht und ist auch schon hunderte Male kläglich gescheitert. Aber dennoch wird man nicht aus Schaden klug, getreu dem Motto; Irgendwann/Irgendwo muss es doch mal klappen. Übrigens wollen externe Dienstleister Geld verdienen, wer sagt also, das eine externe Vergabe für´s Klinikum billiger wird? Zu Textausschnitt

    "Auf der Streichliste enthalten ist die Zentralsterilisation mit neun Mitarbeitern – hier habe man eine externe Vergabe bis zum Start der neuen Klinik zurückgestellt"

    Ein Beispiel, wie man sich mit dem Outsourcing ein prima Ei in´s Nest legen kann ist derzeit bei "Vanguard" zu beobachten. Für die, die´s nicht wissen (weil sie evtl. zu beschränkt sind über den Tellerrand zu schauen), "Vanguard" ist einer dieser tollen externen Dienstleister, die die Aufbereitung und Sterilisation von Instrumenten durchführen.
    In Essen wird momentan die ehemals gut funktionierende Zweigstelle "Tenderweg" (ehemals "InstruClean") wie es scheint "voll vor die Wand gefahren", d.h. mit voller Absicht liquidiert. Nun stehen die Krankenhäuser, die ihre Sterilisation outgesourced hatten mächtig auf dem Schlauch, denn eine Zentralsterilisation kann man nicht so einfach aus dem Boden stampfen. Aber ohne Zentralsteri kann ein Krankenhaus dichtmachen, faktisch den Betrieb einstellen. Ein schönes Beispiel dafür, wie man ein Krankenhaus mit engstirnigem Management ernsthaft in Schwierigkeiten bringen kann.
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