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Kreis Schaumburg / Veränderung

Kürzerer Zivildienst: Landkreis ist besorgt

In ihren Koalitionsverhandlungen haben sich Union und FDP auf eine Verkürzung des Wehrdienstes ab dem Jahr 2011 von aktuell neun auf zukünftig sechs Monate geeinigt. Das zieht auch eine Reduzierung des Zivildienstes nach sich. Dieser Vorstoß trifft bei zahlreichen caritativen Verbänden im Landkreis auf Ablehnung.
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Kreis Schaumburg. Die Wehrdienstreduzierung sei auch für den Landkreis nicht „unproblematisch“, denn zusätzliche steigende Kosten im Sozialbereich seien gleichzusetzen mit höheren Leistungen, die über den öffentlichen Haushalt geführt werden, erläutert Landkreispressesprecher Klaus Heimann. Aller Voraussicht nach bewirkt eine Verkürzung des Zivildienstes auf sechs Monate eine Verdoppelung der Bewerberzahlen. Somit erhöhen sich auch zwangsläufig die finanziellen Ausgaben für Bund und Länder. Wie diese kompensiert würden, bleibe allerdings noch offen, teilt Heimann mit. Und weiter: „Uns treibt die Sorge um, dass die Verkürzung des Zivildienstes Auswirkungen auf karitative Organisationen und soziale Einrichtungen hervorruft.“

Schon nach der vormaligen Reduzierung der Dienstdauer auf neun Monate stellte der Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes Rinteln (DRK) seither keine Wehrersatzdienstler mehr ein. „Die Realeinsatzzeit abzüglich Urlaub, Lehrgängen und Einarbeitung ist indiskutabel“, führt Bernd Gerberding, Geschäftsführer des Rettungsdienstes des DRK Schaumburg, aus. Die notwendige Qualifizierung der Zivildienstleistenden sei nicht mehr gewährleistet. Schließlich gehe es außer finanziellen Aspekten ebenso um die Betreuung und Unterstützung hilfebedürftiger Menschen oder vielmehr: Es geht um Menschen.

Ganz ähnlich sieht es Manfred Seller, Geschäftsführer der Lebenshilfe Stadthagen. Auch dort hat man nach der vorherigen Absenkung der Zivildienst-Zeit darauf verzichtet, mit „Zivis“ zu arbeiten. „Für unseren Personenkreis ist die Konstanz bei den Bezugspersonen wichtig“, begründet Seller diesen Schritt. Daher sei die Lebenshilfe zwar nicht direkt von der weiteren Verkürzung betroffen, sie mache aus seiner Sicht aber wenig Sinn.

Auch Petra Ripke-Eifler, Leiterin des Behindertenwohnheims „Haus Kurt Partzsch“ in Bückeburg beurteilt die Reduzierung der Wehr- und Zivildienstzeit skeptisch. In ihrer Einrichtung brauche ein „Zivi“ viel Einarbeitungszeit. Die Verkürzung werfe daher Probleme auf, zumal auf viele Einrichtungen auch höhere Kosten zukommen. Die Einarbeitungszeit bleibe oft die gleiche, die Realeinsatzzeit verkürze sich jedoch. Die Verlängerung der Realeinsatzzeit sei nur durch Merhaufwand bei der Einarbeitung zu erreichen, erklärt Michael Holler, Leiter des Josua-Stegmann-Heimes in Stadthagen. „Viele Einrichtungen stehen unter Kostendruck“, so Holler. Der Mehraufwand erhöhe dann nur den Druck.
Nicole Schilawa und Benjamin Schrader


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