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Erstes Bio-Kaugummi der Welt

Globo Fair Trade Erstes Bio-Kaugummi der Welt

Interessante Einblicke in Strukturen des fairen Handels und in das Unternehmen Globo Fair Trade Partner hat dessen Geschäftsführer Manfred Winkler beim Beckedorfer Ratscafé gegeben.

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Manfred Winkler hat Globo 1973 gegründet und zu einem umsatzstarken Akteur im fairen Handel entwickelt.Fotos: bab

BECKEDORF. Die weltweit agierende Firma ist Mitglied im Forum Fairer Handel und der WFTO (World Fair Trade Organization).

Die GmbH führt handgefertigte Waren von Gruppen und Kooperativen aus Schwellen- und Entwicklungsländern ein, die weiter an Weltläden in ganz Europa geliefert werden. Auch Kirchengemeinden nehmen Waren ab. Globo hat seinen Sitz in Beckedorf, beschäftigt 15 Mitarbeiter und verzeichnet stetige Umsatzzuwächse. Zurzeit liegt der jährliche Umsatz bei zwei Millionen Euro. Bei einem Besuch der Schaumburger Nachrichten im Globo-Stützpunkt auf dem ehemaligen Schachtgelände hat Winkler einen Blick hinter die Kulissen gewährt.

Auf den rund 2400 Quadratmetern des weitläufigen Gebäudes lagern Waren aus aller Herren Länder. Mitarbeiter schieben wagenweise Pakete durch die Flure und kommissionieren die Lieferungen. Im Ausstellungsraum präsentiert die Firma einen Querschnitt des Sortiments.

Winkler, der die Firma heute gleichberechtigt mit seiner Frau Myoung-Hee Lim-Winkler leitet, kennt die Hersteller seiner Produkte allesamt und besucht regelmäßig verschiedene Produktionsstätten. Frauen aus einem kleinen Bergdorf in El Salvador haben sich beispielsweise auf die Herstellung von Grußkarten mit Wildblumen-Kunst konzentriert. Auf einem anderen Regal stehen lustige bunte Wand- und Stand-Uhren mit einem Pendel, sie kommen aus Kolumbien. Indische Lederwaren und lackierte Pappmaché-Schachteln leuchten in kräftigen Farben von einem anderen Regal. Fair gehandelter Kaffee ist ohnehin im Programm und sogar das „erste biologisch abbaubare Kaugummi der Welt“ wie es auf der Verpackung des erdölfreien Minzkaugummis aus Mexiko heißt. Auch Wein ist im Angebot. Ansonsten sei der Lebensmittelbereich noch im Aufbau, berichtet Winkler.

Alles begann mit drei Koffern

Alles fing 1971 mit einer Südamerika-Reise an. Winkler studierte in Zürich Geschichte, Publizistik und Ökonomie. Mit damals 24 Jahren besuchte er einen Freund in Argentinien und geriet während seines Aufenthaltes auch in Kontakt mit Weberinnen und Töpferinnen, die unter äußerst ungerechten Bedingungen arbeiteten. Am Ende trat Winkler die Rückreise mit drei Koffern voller handgefertigter Waren an. Zurück in der Schweiz staunte er über die Reaktion seiner Bekannten. „Die Sachen wurden mir praktisch aus der Hand gerissen“, erinnert er sich.

Innerhalb der in Zürich existierenden studentischen Dritte-Welt-Gruppe sei grundsätzlich darüber nachgedacht worden, wie soziale und demokratische Prinzipien in die Wirtschaftsprozesse einfließen können und wie dies unterstützt werden könnte. So organisierten die Mitglieder 1972 den ersten Verkauf in der Universität. Der erste große Verkauf in Deutschland sei 1973 bei der Eröffnung des neuen Flughafenkomplexes in Langenhagen als Weihnachtsbasar ausgerichtet worden. Die Aktionen schlug Wellen und sogar Geschäftsleute aus Hannover bissen an. In dem Jahr wurde die Firma gegründet.

Bis Ende der siebziger Jahre wurden mehrere Verkaufsaktionen auf die Beine gestellt und „Kunde nach Kunde kam dazu“, beschreibt der Geschäftsführer. Aus den Reinerlösen der Basare konnten sogar Fonds für Unterstützungs-Projekte gebildet werden. „Ende der siebziger Jahre kamen größere Aufträge. Da habe ich gesehen, das kann was Ernsthaftes werden.“ Als die Aufträge immer umfangreicher wurden, war aus dem Nebenjob ein Beruf geworden. „Ich wollte eigentlich nie Kaufmann werden“, sagt Winkler.

Ein Buch des Ökonomen Ernst Friedrich Schumacher ist zu seinem Leitfaden geworden: „Small is beautiful“ lautete der Titel. Es ist im Gründungsjahr von Globo verfasst worden und verficht ein nachhaltiges Wirtschaftssystem. Das tut Winkler ebenso, nicht nur gegenüber den Produzenten, sondern auch im eigenen Unternehmen will er „soziale Marktwirtschaft“ wörtlich nehmen. „Es geht nicht darum, das System abzuschaffen“, meint er, „sondern in dem System die besten Wege zu finden.“ bab

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