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Beckedorf Streit um Hauptstraße
Schaumburg Lindhorst Beckedorf Streit um Hauptstraße
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17:55 26.10.2018
Die Behördenvertreter erklären den Anliegern die Pläne bei der Informationsveranstaltung im Saal des Dorfgemeinschaftshauses. Quelle: geb
Beckedorf

Auf einer Länge von 850 Metern sollen Fahrbahn (397.000 Euro), Regen- und Schmutzwasserkanäle (590.000 Euro), Hausanschlüsse (468.000 Euro), Trinkwasserleitungen (280.000 Euro) sowie Gehweg und die Bushaltestelle am Angerweg (55.000 Euro) erneuert werden (wir berichteten). Zehn Monate sind dafür angesetzt.

Als Gunnar Spieß und Ralf Ottermann vom Planungsbüro Kirchner jüngst mit den Vertretern der Verwaltungen ihr Konzept den Anwohnern vorstellten, wurde der Tonfall schnell ruppig. Denn zum einen werden die Bürger bei der laut Planungsbüro dringend nötigen Kanalsanierung mit zur Kasse gebeten, zum anderen empfinden viele Anwohner die Kombination aus Lkw-Verkehr und zu schmalem Gehweg als gefährlich. „Denen müssen wir nicht auch noch eine Autobahn bauen“, hieß es in den Reihen der Bürger.

Mehrere Akteure sind zuständig

Komplex ist die Situation wegen der Eigentumsverhältnisse: Die Strecke ist Teil der Landesstraße 370 (Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln), für die Kanäle ist die Samtgemeinde Lindhorst, für den Gehweg die Gemeinde Beckedorf, für die Trinkwasserleitung der Wasserverband Nordschaumburg zuständig.

Da sich auch landwirtschaftliche Fahrzeuge auf der Straße begegnen, müsse es bei einer Fahrbahnbreite von 6,50 Meter bleiben, wie Ottermann erklärt. „Wir haben hier ein enges Korsett und kaum Spielräume.“ Ein Ende der Raserei im Ort fordern dagegen einige Anwohner über Geschwindigkeitsbegrenzungen oder zumindest einseitig einen breiteren Bürgersteig.

Bürgermeister verärgert

Kritiker der aktuellen Pläne hätten von der Gemeinde einen „Maulkorb“ verpasst bekommen, wurde von anderer Seite laut. „Eine Frechheit!“, entgegnete Bürgermeister Dieter Wall (SPD) und bestritt den Vorwurf. „Wir können keine Luftschlösser für 200.000 Euro bauen.“ Beim Thema Tempolimit habe er beim Landkreis immer „vor verschlossenen Türen gestanden“.

Markus Brockmann von der Landesbehörde regte an, die Gehwegbreite am Ortseingang noch einmal mit der Gemeinde zu erörtern – „es muss aber jemand bezahlen“.

Nicht weniger konfliktträchtig ist die Frage der Kanalsanierung. Kosten von bis zu 10.000 Euro kommen auf die Grundstückseigentümer zu. „Alle 70 Hausanschlüsse sind sanierungsbedürftig“, gab Spieß zu verstehen. Kamerabilder zeigten darin deutlich Risse, Wurzeln, Verkrustungen und Mörtelreste. Sieben Anschlüsse zwischen den Adressen 37 und 68 seien gar keinen Grundstücken mehr zuzuordnen gewesen.

Einwände der Anwohner, die Anschlüsse zu erhalten und über das günstigere Liner-Verfahren, also ohne Baugraben, zu sanieren, verwarf Spieß als technisch und wirtschaftlich unsinnig. „Wir müssen die Expertise des Planungsbüros akzeptieren“, meinte auch Wall. Gerrit Brandtmann