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Unfallopfer feiert „zweimal Geburtstag“

Beckedorf/Bückeburg / Prozess Unfallopfer feiert „zweimal Geburtstag“

Mehr als 13 Monate nach einem Frontalzusammenstoß auf der Bundesstraße 65 in Beckedorf möchte das Opfer endlich eine Entschuldigung hören. „Sehr schade, dass er es bisher nicht für nötig gehalten hat“, sagt der 33-Jährige mit einem Seitenblick auf den Schuldigen. „Genug Zeit hätte er gehabt.“ Doch der Angeklagte (41) zeigt keine Regung.

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Quelle: dpa

Beckedorf/Bückeburg. Im Urteil rächt sich dieser Mangel an Reue. Es bleibt bei 800 Euro Geldstrafe, verbunden mit einem Jahr Führerscheinsperre. Der Schuldspruch lautet auf fahrlässige Körperverletzung und Gefährdung des Straßenverkehrs. „Der Angeklagte hat nicht verstanden, dass er sich falsch verhalten hat“, sagt Richterin Eike Höcker, die Vorsitzende der Berufungskammer am Bückeburger Landgericht.

„Wegen des langen Zeitablaufs“, so Höcker, erschien statt einer Entziehung der Fahrerlaubnis auch ein Fahrverbot denkbar, begrenzt auf maximal drei Monate. Möglich ist das, wenn der Delinquent nicht mehr „ungeeignet“ erscheint, ein Kraftfahrzeug zu führen. „In diesem Fall sind charakterliche Mängel jedoch offensichtlich“, erklärte Staatsanwalt André Lüth dem Stadthäger. „Sie sind eingepennt. Wenn sie zu der Tat nicht stehen, sind Sie eine Gefahr für den Straßenverkehr.“

In zwei Prozessen war der 41-Jährige mit insgesamt drei unterschiedlichen Versionen gekommen. Offenbar sind alle erfunden. Von Übermüdung, der tatsächlichen Ursache des schweren Unfalls, war in keiner die Rede. Die Anklage geht von Sekundenschlaf aus. „Ich habe alles verloren“, jammerte der Angeklagte nach dem Urteil und kramte seinen Führerschein hervor, um ihn auf den Richtertisch zu legen. Der 41-Jährige glaubt, dass er nun seinen Job verliert. „Sie kommen auch mit Bus und Bahn zur Arbeit“, erwiderte Staatsanwalt Lüth.

Völlig übermüdet war der Stadthäger am Morgen des 3. August 2012 von der Nachtschicht gekommen. Wiederholt war er vor dem Unfall in Schlangenlinien gefahren. Als die Ampel an der Beckedorfer Kreuzung auf Grün umsprang, blieb er zunächst stehen. Einige Hundert Meter nach der Kreuzung kam der 41-Jährige dann fast nach rechts von der Fahrbahn ab, bevor er das Lenkrad herumriss und auf die Gegenfahrbahn geriet. Dort kam ihm ein Auto entgegen, dessen Fahrer keine Chance hatte, dem Crash zu entgehen.

„Er hat das Lenkrad sehr hart nach links gedreht“, erinnert sich der andere Autofahrer, ein Ingenieur (33) aus Heuerßen. „Ich konnte überhaupt nicht reagieren. Seitdem feiere ich zweimal Geburtstag.“ In Erinnerung geblieben sind dem 33-Jährigen auch die weit aufgerissenen Augen des Unglücksfahrers, der möglicherweise aus einem Sekundenschlaf aufgewacht war.

Erlitten hatte der Ingenieur ein Schleudertrauma, Quetschungen, Prellungen und eine Zerrung. Außerdem büßte er einen Zahn ein. „Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen: Er wollte mich rammen.“ Verletzt wurde auch der Verursacher. Er kam mit inneren Blutungen ins Krankenhaus. Vor dem ersten Prozess am Amtsgericht Stadthagen und auch jetzt hatte der Angeklagte zunächst behauptet, die Lenkung seines Autos habe versagt. Einem Gutachten zufolge gilt dies jedoch als ausgeschlossen.  ly

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