Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Heuerßen Familie im Schlaf bestohlen
Schaumburg Lindhorst Heuerßen Familie im Schlaf bestohlen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:24 02.03.2018
Quelle: dpa
HEUERSSEN/BÜCKEBURG.

Um ins Gebäude zu kommen, hatten sie die Terrassentür aufgebohrt. Zu ihrer Beute gehörte die Urlaubskasse mit 1680 Euro.

Obwohl der Einbruch im November 2016 passiert ist, schläft die Frau bis heute schlecht. „Sie glaubt, das Gras wachsen zu hören“, erklärt Christiane Wilk, Richterin am Landgericht in Bückeburg. Mehrfach, so Wilk, seien seit der Tat Fehlalarme bei der Polizei gesetzt worden. Die Familie überlege, umzuziehen.

Gegen die Täter, drei Männer aus Georgien, hat die zuständige Berufungskammer am Landgericht jetzt zweimal Bewährungsstrafen verhängt, in einem Fall zwei Jahre und vier Monate Haft. Alle haben vor dem Prozess rund 14 Monate in Untersuchungshaft verbracht.

Vor Gericht ging es noch um eine zweite Tat: In jener Nacht waren die Georgier außerdem in ein zweites Einfamilienhaus an derselben Straße eingebrochen. Ins Gebäude gelangten sie diesmal durch eine unverschlossene Tür. Die Einbrecher erbeuteten 500 Euro in bar, Elektronikgeräte und iPads. Bei Hannover waren sie am Abend zuvor von der Autobahn abgefahren, um gezielt nach Einfamilienhäusern im ländlichen Bereich zu suchen.

Streife wird auf Täter aufmerksam

Gegen acht Uhr, wenige Stunden nach den Taten, fielen die Einbrecher in Stadthagen einer Funkstreifenbesatzung auf. Ihr Fahrzeug hatte ein Überführungskennzeichen. Beim Blick in den Innenraum war den Polizisten sofort klar, dass sie den richtigen Riecher gehabt hatten. „Der Wagen war nur mit Männern besetzt, im Auto befanden sich aber auffällig viele Handtaschen und Damenbekleidung, außerdem größere Bargeldbeträge“, so Richterin Wilk. Einbruchswerkzeug hatten die Georgier ebenfalls dabei.

In einem vorausgegangenen Prozess vor dem Schöffengericht in Stadthagen waren alle drei Angeklagten zu Haftstrafen zwischen 32 Monaten und drei Jahren verurteilt worden, jeweils ohne Bewährung. Die Bückeburger Berufungskammer geht jedoch nicht von gewerbsmäßigem Diebstahl aus.

Dazu müssten sich die Täter eine „fortlaufende Einnahmequelle von einigem Umfang und einer gewissen Dauer“ verschafft haben, wie es im Gesetz heißt. „Georgische Staatsangehörigkeit führt nicht per se dazu, dass es sich um einen gewerbsmäßigen Diebstahl handelt“, betonte Christiane Wilk. Von ihrer ursprünglichen Darstellung, sie hätten das Diebesgut auf einem Parkplatz gefunden, waren die Männer abgerückt. Im Schlusswort sprach einer für alle: „Wir bereuen, was wir getan haben“, sagte er.

Bei zwei Angeklagten sieht die Kammer eine positive Sozialprognose, die Voraussetzung für Bewährung. Die Vollstreckung der Freiheitsstrafen von 17 beziehungsweise 22 Monaten wurde ausgesetzt. Dagegen ist der dritte Mann mehrfach einschlägig vorbestraft und stand zur Tatzeit unter Bewährung. ly