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Getrennt und doch vereint

SN-Ortsspaziergang Getrennt und doch vereint

„Außer ein paar Postkästen haben wir nicht all zu viel“, sagt Bürgermeister Andreas Walter, bevor wir zum Ortsspaziergang durch Heuerßen aufbrechen. Unterwegs stellen wir jedoch fest: Auch in dem 950-Einwohner-Dorf am Waldrand gibt es einiges zu entdecken.

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Quelle: kil

HEUERßEN. Los geht es an der alten Schule, wo heute Gemeindebüro und Kindergarten sind. Bis in die Siebziger wurde in dem Fachwerkhaus noch die Schulbank gedrückt. „Später wurde das Haus mit viel Eigenleistung zum Kindergarten umgebaut“, weiß Meier.

Gegenüber steht die St.-Jürgen-Kirche. „Die ist mindestens 1000 Jahre alt“, sagt Meier. „Das Dach ist eines der wenigen, das noch mit Sandsteinplatten gedeckt ist. Hier heiraten viele Paare, die auf Gut Remeringhausen feiern, erzählt der Landwirt. Wir machen eine Pause vor dem Epitaph des Christian von Münchhausen. Er soll 1643 – vermutlich von einem Lindhorster Bauern – erschlagen worden sein.

Neben der Kirche befindet sich die Arche, das Gemeindehaus der Kirche, sowie der Jugendtreff Juz, „der von den Jugendlichen selbst gestaltet wird“, sagt Meier.

Durch den alten Pfarrgarten, der heute eine Boulebahn und Spielgeräte beheimatet, geht es weiter zum Friedhof. „Da wir keine Kapelle haben, finden alle Beerdigungen in der Kirche statt.“ Folglich muss der komplette Trauerzug samt Sarg die Hauptstraße überqueren. „Wie man sich verhält, wenn man einem Trauerzug begegnet, wissen heute nicht mehr viele“, meint Meier. Früher hielt man das Auto an, stieg aus und stellte sich daneben. „Heute lassen viele den Motor laufen oder drängeln sogar.“

Neben dem Friedhof mit seinem neuen Urnenfeld, liegt das neue Feuerwehrhaus, das 2016 eingeweiht wurde – „und jetzt schon wieder zu klein ist“, berichtet Walter von der Feuerwehr. Das alte Gerätehaus liegt unscheinbar daneben. „Das nutzt die Samtgemeinde als Möbel- und Matratzenlager für Flüchtlinge“, erzählt Meier.

Hinter dem Feuerwehrhaus eröffnet sich der Blick aufs freie Feld und den Waldrand. „Ruhe findet man in Heuerßen überall“, sagt Walter. Vom Waldrand aus hat man einen guten Blick auf das Neubaugebiet Kattenriehe. „Zur Hälfte ist es bebaut“, sagt Walter. Es fülle sich leider nur langsam, obwohl die Grundstückspreise im Vergleich zu Nenndorf und Rodenberg doch eher niedrig seien.

Weiter geht es auf der Lindenstraße. „Jeder Ort hat wohl seine Lindenstraße“, sagt Meier und zeigt, wo früher einmal der letzte Konsum-Markt der Gemeinde war. Beim „Wilhelm“ konnte man allerlei Lebensmittel und Co. erhalten. „Er hat lange durchgehalten“, sagt Meier. Der Dorfladen machte erst in den Neunzigern dicht. Seitdem gibt es keinen Laden mehr in Heuerßen. Auch keine Kneipe, sagt Walter, der die letzte Gaststätte, die Felsenklause, gut kennt. Er wohnt nämlich heute dort, wo früher Bier und Korn ausgeschenkt wurden.

Wir steigen ins Auto, denn das Dorf ist doch recht lang gezogen. „Der Heu-Kob-Weg vereint die beiden Ortsteile“, sagt Walter. Und er führt zur Schutzhütte, die der Förderverein zum Erhalt der Dorfgemeinschaft auf dem Grundstück eines Gärtners errichtet hat und die für diverse Veranstaltungen genutzt wird. Anschließend lassen wir die Streuobstwiese links liegen und passieren die Siedlung Eichenbruch mit idyllischen Pferde- und Schafskoppeln. Wir kreuzen die neue B65, sozusagen die Grenze zu Kobbensen. „Auf der alten Trasse Richtung Lohhof kann man übrigens prima Radfahren“, schmunzelt Meier. Nächster Stopp ist das Dorfgemeinschaftshaus, das von beiden Ortsteilen rege genutzt wird. Schräg dahinter liegt einer der letzten landwirtschaftlichen Höfe im Ort: der Biohof von Meier. Dort züchtet er Bio-Kühe für einen Milchbetrieb in Hessisch-Oldendorf. Auf dem Hof befindet sich auch eines der ältesten Häuser des Ortes: das Leibzuchthaus aus dem Jahr 1763, das mittlerweile als Wohnhaus restauriert worden ist.  kil

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