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Betrüger aus purer Not

Lindhorst/Stadthagen Betrüger aus purer Not

Aus Not hat ein 26-Jähriger einen Teil seines Lebensunterhaltes mit Betrügereien bestritten. Der gebürtige Hamburger lebte allein und war zu stolz, seine Eltern um Hilfe zu bitten.

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Lindhorst/Stadthagen. Vor allem wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 14 Fällen hat das Amtsgericht Stadthagen gegen ihn jetzt eine Freiheitsstrafe von 16 Monaten verhängt, ausgesetzt zur Bewährung. Hinzu kommt ein 15. Fall: In einem Imbiss hatte der Mann die Zeche von 10,56 Euro geprellt. „Das war ein Tag, an dem ich sehr hungrig war“, erinnert sich der Angeklagte.

Die Spur zieht sich durch fast ganz Deutschland – wie so oft bei Internet-Betrügern. Der Schaden summiert sich auf rund 2500 Euro. Eines der 15 Opfer lebt in Lindhorst. Dem Handwerker (32) hatte der Betrüger im Netz ein iPad angeboten und 170 Euro kassiert, ohne den Tabletcomputer zu liefern. Erst war er angeblich im Urlaub, dann im Krankenhaus. „Das war gelogen“, bekennt der Angeklagte. In den übrigen Fällen ging es ebenfalls um iPads, Handys oder iPhones.

Zur Verhandlung in Stadthagen kam es, weil Lindhorst im Einzugsbereich des Amtsgerichtes liegt und Timo Goldmann von der Bückeburger Staatsanwaltschaft sämtliche Verfahren an sich gezogen hatte. Seit Anfang Juli und bis zum Prozess saß der Angeklagte in Haft, den Gerichtssaal verließ er als freier Mann. Und zwar mit seinen Eltern, die zur Verhandlung nach Stadthagen gereist waren.

Eine Haftstrafe ist nicht nötig. Der Angeklagte, so Richter Lukas Veith, habe sich damals „in einer besonderen Lebenssituation“ befunden. „Ich glaube ihm, dass er aus der Not heraus gehandelt hat.“ Weil nun wieder Kontakt zu den Eltern bestehe, hätten sich die Lebensumstände geändert. Der 26-Jährige, nicht vorbestraft und offenbar geläutert von der Haft, will wieder zu seiner Mutter ziehen, das Abitur nachholen und studieren.

Zuletzt lag dieser Wunsch in weiter Ferne: Mal lebte er in Köln, mal in Leipzig, dann wieder bei seinem Bruder in Kiel. Seit Jahren war der junge Mann viel unterwegs, wollte auf eigenen Beinen stehen. Doch nirgendwo konnte er so recht Fuß fassen. Mal hatte er Arbeit, mal nicht – und dann wurde es knapp mit dem Geld. Wenn der Einzelgänger kein Obdach hatte, machte er die Nächte durch. Manchmal schlief er in Hotels. Hartz-IV hat der 26-Jährige nicht beantragt, weil er „mit Beamten dieser Art nichts zu tun haben“ will. Und die Eltern? „Ich war zu stur, mir von ihnen Geld zu leihen. Aus falschem Stolz bin ich dann in dieses Loch gefallen.“ Betrügereien erschienen ihm „als einziger Ausweg“.

Richter Veith ist überzeugt, dass der Angeklagte nicht rückfällig wird und die Verurteilung allein Warnung genug ist. „Mein Mandant hat versucht, sich über Wasser zu halten“, erklärt Verteidiger Marco Schaer. „Er ist nicht der typische Gewohnheitsverbrecher und kein Täter, der im Überfluss lebt, während seine Opfer Hunger leiden müssen.“ Damit das Urteil nicht bloß auf dem Papier steht, ist es mit Auflagen verbunden. Eine davon: 100 Sozialstunden. ly

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