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Lindhorst Der Beulendoktor für Autos
Schaumburg Lindhorst Lindhorst Der Beulendoktor für Autos
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00:17 11.06.2017
Mit diversen Spezialwerkzeugen rücken Hagelschadenspezialist Jimi Minto und dessen Kollege den Schäden zu Leibe.  Quelle: bab
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Lindhorst

 Etliche Versicherungen beauftragen dieselben Experten, welche dann die Schäden zentral aufnehmen und sogar vor Ort beheben. Die Prüfgesellschaft Dekra und das Ingenieurbüro Schmidtke aus Minden haben dafür ihre Zelte am Autohaus Klauke in Lindhorst aufgeschlagen. Sie gehen davon aus, dass in ihren Zuständigkeitsbereich allein 400 beschädigte Kraftfahrzeuge fallen.

Zeitgleich sind die Experten von Newby aus Porta Westfalica vor Ort. Die internationale Truppe besteht aus Fachmännern für Hagelschadenbeseitigung und beult akribisch jede Delle in der Karosserie aus. Da könnten bei einem einzigen Auto leicht mehr als 200 Beulen zusammenkommen, weiß Justin Ford von Newby.

Schäden zwischen 1000 und 4000 Euro

Die Dekra ist wortwörtlich mit einem Zelt angereist, das es nur sechsmal in Deutschland gibt, erzählt Hausherr Andreas Klauke beeindruckt. Dekra-Sachverständiger Axel Veenhuis steht unter den gestreiften Planen des Zeltes, das zusätzlich mit grünem Neonlicht ausgestattet ist. Beides dient dazu, die Mulden auf dem spiegelblanken Autolack besser ausfindig zu machen. Die parallelen Streifen der Planen spiegeln sich auf der Karosserie und an besagten Stellen wellen sich die Linien extrem, weil sie von den Mulden abgelenkt werden. Nach diesem Prinzip funktioniert auch das sogenannte Streifensegel, mit dem Veenhuis noch einmal aus der Nähe gesondert die Oberfläche kontrolliert. Sind die Beulen alle entdeckt, werden sie erfasst und ein Gutachten erstellt, das direkt in den Computer eingegeben und zur Versicherung geschickt wird. Die Schadenshöhe liegt je nach Modell und Deformationsgrad zwischen 1000 und 4000 Euro.

Frank Webber hämmert vorsichtig am Rahmen der Autotür.

Auch Wolfram Thiele aus Lauenhagen ist mit sinem Wagen vorgefahren. Seine Frau sei zum Zeitpunkt des Unwetters gerade vom Brötchenholen zurückgekehrt. „Sie kam nach Hause, da ging‘s los“, sagt der Lauenhäger, „das ist das erste Mal, dass ich sowas erlebe.“ Wie Thiele rücken die Geschädigten im Takt von einer halben Stunde an und fahren ihr Auto in das gestreifte Zelt. Dann wird ein Termin für das Ausbeulen verabredet, das von ein paar Stunden bis zu drei Tagen dauern kann. Der Karosseriebauer Michele Longo, der aus Foggia in Italien stammt, entfernt zunächst die Verkleidung im Innenraum, damit das Team von Newby mit seinen Spezialwerkzeugen an die kleinste Beule kommt.

Mit einem Plopp verschwindet die Delle

Gezielt setzt Jimi Minto von Newby den Rückschlagdorn an und hämmert mit kleinen gekonnten Schlägen auf den Dorn, bis die Delle nicht mehr zu sehen ist. Hagelschadenexperte Frank Webber tut das gleiche an den Türen eines anderen Wagens. Was vorher noch aussah wie eine Mondlandschaft, glänzt anschließend wie neu. Wo Klopfen nicht hilft, kommt ein Zughammer zum Einsatz. Ein Adapter wird auf die Beulen geklebt und mit dem Werkzeug solange angezogen, bis mit einem Plopp die Delle verschwindet.

Für das Team von Newby ist das tägliche Routine, die es in diverse Länder weltweit führt. Aber auch in der Bundesrepublik gibt es genug zu tun. „Es hagelt immer irgendwo in Deutschland“, sagt Ford, zumindest im Sommerhalbjahr. Für den Job braucht man „Geduld und gute Augen“, sagt sein Kollege André Rabe.  bab

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