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Die Zukunft der Zollstöcke

Wiedensahler sammelt Gliedermaßstäbe Die Zukunft der Zollstöcke

Wiedensahl rühmt sich nicht nur für Wilhelm Busch. Das Dorf beherbergt auch die weltgrößte Zollstocksammlung. Genau 36288 Gliedermaßstäbe sind im Keller von Günter Uhlig zu sehen. Doch die Zukunft des Privatmuseums ist ungewiss.

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Herr der Zollstöcke: Günter Uhlig.

Quelle: jpw

Wiedensahl. Der Gemeinderat ist besorgt, dass Uhlig seine Sammlung abgeben will. Grund für diese Annahme ist ein Gerücht, das sich hartnäckig im Ort hält. Jemand sei an den Wiedensahler herangetreten, mit dem Angebot, das Museum zu übernehmen, wenn Uhlig aus Altersgründen keine Gäste mehr durch die Ausstellung führen könne, hieß es in der jüngsten Ratssitzung am vergangenen Donnerstag. Für Wiedensahl wäre das ein Verlust, waren sich die Politiker einig. Ihr Plan: Uhlig zu signalisieren, dass die Gemeinde großes Interesse daran hat, das Museum weiterzubetreiben.

 „Wir wollen es unbedingt im Dorf behalten“, betonte Bürgermeisterin Anneliese Albrecht (SPD). Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Gemeinde einen geeigneten Raum findet und ein Konzept für den Museumsbetrieb erarbeitet.

 Und Uhlig? Der Rentner und leidenschaftliche Sammler macht sich tatsächlich Gedanken über die Zukunft seines Museums. „Ich habe ja keine Kinder, die das weiterführen“, erklärt der 76-Jährige im SN-Gespräch. Und ja, es gebe immer wieder Anfragen, was mit der Sammlung passieren soll.

 Mit der Vorstellung, die Zollstöcke den Wiedensahlern zu überlassen, kann sich der Rentner aber nicht so recht anfreunden. „Ich habe manchmal das Gefühl, dass sich das Dorf überhaupt nicht dafür interessiert, dass hier so ein Rummel ist“, schildert er mit Blick auf die Medienpräsenz seines Museums und die zahlreichen auswärtigen Besucher, die er persönlich durch die Ausstellungsräume führt. „1000 Menschen leben in Wiedensahl, nur zehn von ihnen haben sich das Museum angesehen“, ärgert sich der Sammler. Uhlig zweifelt, dass die Gemeinde geeignete Räume für das Museum findet. Schließlich seien die Zollstöcke empfindlich und würden bei Feuchtigkeit schnell anfangen, zu verrotten. „Das Museum muss auf jeden Fall beheizt sein.“

 Generell sieht er die Zukunft seines Museums nicht in Niedersachsen. Vor allem eine Begebenheit aus der Vergangenheit wurmt den ausgebildeten Maurer: Als er sich 1999 entschloss, seine damals schon beachtliche Zollstocksammlung der Öffentlichkeit zu präsentieren, habe er sich wegen einer Beratung an das Niedersächsische Kultusministerium gewendet und die Auskunft bekommen, dass Neugründungen von Museen angesichts knapper Kassen der öffentlichen Hand nicht befürwortet werden. „Die dachten, ich will Geld“, sagt Uhlig, der sich dann kurzerhand dazu entschied, das Museum ohne staatliche Unterstützung auf die Beine zu stellen.

 Für ihn steht deshalb fest: Wenn er die Zollstöcke einmal aus Altersgründen abgibt, dann wahrscheinlich an einen Interessenten aus den neuen Bundesländern. „Dort bin ich bekannt wie ein bunter Hund“, erklärt der Wiedensahler und erzählt von zahlreichen Ausstellungen in Bauunternehmen, in Vereinen und Museen. „Das Interesse dort ist viel größer als hier.“

 Ob und wann der Handwerker sein Museum im Abtskamp schließt und die Zollstöcke einem anderen Aussteller überlässt, steht aber noch gar nicht fest. „Ich will das ja noch ein bisschen machen, so lange ich gesund bin“, sagt Uhlig und betont: Eine Entscheidung zur Zukunft des Zollstockmuseums sei noch nicht gefallen.  jpw

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