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Lindhorst Fast 400 Kinderpornos gefunden
Schaumburg Lindhorst Lindhorst Fast 400 Kinderpornos gefunden
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00:16 11.04.2016
Quelle: Symbolfoto
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Lindhorst/Stadthagen

Ganz kapiert hat er’s noch nicht. „Bin ich etwa auch mittelbar schuldig, wenn ich mir Dokumentationen über Gewalt ansehe, zum Beispiel im Vietnamkrieg?“, fragt der  Lindhorster vor Gericht. „Blödsinn, ein absurder Vergleich“, antwortet Richter Kai Oliver Stumpe. „Das eine sind erlaubte Berichte über historische Zusammenhänge, das andere ist kriminelle Herstellung von Kinderpornos.“

Fest steht: Wer solche Dateien besitzt und ansieht oder sogar weiterverbreitet, „macht sich mittelbar schuldig am Missbrauch der jeweiligen Kinder“, so Stumpe. Nachdem das geklärt ist, verurteilt das Amtsgericht in Stadthagen den kinderlosen Lindhorster wegen des Besitzes kinder- und jugendpornographischer Schriften zu einer Geldstrafe von 4800 Euro, was in diesem Fall 80 Tagessätzen entspricht, fast drei Monatseinkommen also.

Hausdurchsuchung

Im Sommer 2013 waren nach einer Hausdurchsuchung auf dem Rechner des Mannes 139 Videos gefunden worden, außerdem 34 Bilddateien, die Kinder unter 14 Jahren zeigen, sowie 208 Bilder von Jugendlichen. Jede Datei steht für das Schicksal eines missbrauchten Kindes. „Die sammelt man nicht mal eben an einem Tag“, meint Richter Stumpe. Der 54-Jährige habe gezielt danach gesucht. „Solche Videos werden nur produziert, weil es genug Leute gibt, die das konsumieren. Da besteht ein Zusammenhang von Angebot und Nachfrage.“

Stumpe geht davon aus, dass der Lindhorster dem „Reiz des Verbotenen“ erlegen ist. „Da wird dann gerne mal verdrängt“, so der Richter, „dass man sich damit strafbar macht.“ Pädophile Neigungen hat der Angeklagte („Ich weiß, dass das falsch war“) nach eigenen Angaben nicht.

Taten liegen lange zurück

Der 54-Jährige kann von Glück reden, dass er nicht vorbestraft ist, ein Geständnis abgelegt hat und die Taten bereits recht lange zurückliegen. Deshalb beließ es Stumpe bei 80 Tagessätzen, obwohl die Staatsanwaltschaft 100 beantragt hatte. „Das muss eine einmalige Sache bleiben“, machte der Richter dem Angeklagten klar. „Beim nächsten Mal müssten Sie mit einer Freiheitsstrafe rechnen.“

Bei mehr als 90 Tagessätzen kommen Strafen automatisch ins polizeiliche Führungszeugnis, das Arbeitgeber in bestimmten Fällen verlangen können. Auf Jobsuche sind derlei Einträge also äußerst hinderlich.

Aufgeflogen war der Mann aus Lindhorst, weil zu jener Zeit eine groß angelegte Aktion lief. Eine Firma hatte Subdomains zur Verfügung gestellt, Teile davon wurden zur Verbreitung von Kinderpornos benutzt. Die Polizei Osnabrück leitete daraufhin mehr als 2000 Ermittlungsverfahren ein.

Nach der Hausdurchsuchung in Lindhorst wäre Leugnen vor Gericht zwecklos gewesen. „Dem kann ich nicht widersprechen“, räumte der 54-Jährige die Vorwürfe ein. „Sie haben den Computer eingezogen, das ist ja eindeutig.“ Vor dem Amtsgericht sind Stumpe zufolge auch schon andere Fälle gelandet, in denen es um mehr als 2000 Kinderpornos ging.  ly

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