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In 66 Tagen um die halbe Welt

Von Pune nach Lindhorst In 66 Tagen um die halbe Welt

An der Feldstraße in Lindhorst parkt ein auffälliges Fahrzeug. Nicht nur diverse Aufkleber wecken das Interesse, auch das Kennzeichen ist fremd. Der VW Touareg ist in Indien registriert und hat die gesamte Strecke vom dortigen Pune bis nach Schaumburg zurückgelegt.

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Nach rund 22000 Kilometern kann Charu Shrotri seine Wahl-Schwester Senem Aras in Lindhorst wohlbehalten in den Arm nehmen. In Pune ist er 66 Tage zuvor aufgebrochen.

Quelle: bab

LINDHORST. Eine Strecke voller Abenteuer, wie Fahrer Charu Shrotri bei einer Tasse Kaffee erzählt. Dass der 54-Jährige überhaupt in Lindhorst Station macht, liegt an seiner dortigen Gastgeberin Senem Aras. Sie hat Shrotri in Indien kennengelernt und sich mit ihm befreundet. Der Kontakt kam zustande, „weil er mir erzählt hat, dass er schon mal in Porta Westfalica war. Es ist schon ungewöhnlich, dass man von 1,4 Milliarden Indern ausgerechnet jemanden trifft, der in Porta war“, findet Aras. Vertieft wurde die Freundschaft außerdem beim indischen Fest Raksha Bandhan. Frauen und Mädchen können dabei symbolische Geschwisterschaften mit einem Mann eingehen. Ein Band macht beide für immer zu Rakhi-Bruder und Rakhi-Schwester.

Der Globetrotter schwärmt über Deutschlands Städte

So ist es selbstverständlich, dass Shrotri bei seinem Deutschlandaufenthalt seine Wahl-Schwester besucht. „Er liebt Lindhorst und Schaumburg“, verrät Aras. Und nicht nur das. Deutschlands kleine und mittlere Städte „mit Kopfsteinpflaster und Rathaus in der Mitte“ sind ihm die liebsten, verrät er. Ins Schwärmen gerät der Globetrotter aber auch über die „weltklasse Straßen“ und hunderte Tunnels in China sowie über die netten Menschen in allen Ländern, während viele Begegnungen mit Staatsgewalt und die Bürokratie in das Kapitel kuriose Reiseerfahrungen gehören und der ausgetrocknete Aralsee in Kasachstan Betroffenheit ausgelöst habe.

Sieben Leute begleiten Shrotri

Shrotri, der seine Firma in Indien verkauft hat, um seiner Reiselust noch häufiger nachgehen zu können, brach mit weiteren sieben Leuten vor 66 Tagen in Indien auf, darunter zwei erfahrene Reisespezialistinnen, die sich im Vorfeld um Visa, Einfuhrbestimmungen und Übernachtungsmöglichkeiten gekümmert haben. Weil Pakistan und Afghanistan für eine Durchreise nicht sicher genug sind, hat die Gruppe einen Riesenumweg über Myanmar, Thailand, Laos, China, Kirgistan nach Usbekistan, Kasachstan und Russland, gemacht. Doch Umwege sind ganz im Sinne des 54-jährigen Inders. „Ich bin gerne dort, wo vor mir noch niemand war und entdecke Besonderheiten“, sagt Shrotri. Ganz im Gegensatz zu seiner Frau, die gerne sicher in geführten Gruppen reise. „Ich lerne mehr als in der Schule über Land, Leute, Kultur und unterschiedliche Bräuche“, schwärmt er.

Stundenlanger Aufenthalt am chinesischen Grenzübergang

So hat der Mann auch nur ein breites Grinsen übrig, wenn er über den stundenlangen Aufenthalt am chinesischen Grenzübergang nach Kirgistan erzählt. Die Zöllner haben sich einfach zur Pause verzogen, die Zollstation verlassen und seien erst nach vier Stunden zurückgekehrt. Als das Team gemerkt hat, dass es mal wieder länger dauert, hat es sich mit Kricketspielen die Zeit vertrieben. Stöcke waren schnell gefunden, leere Plastikflaschen dienten als Ball. „Wir haben unsere Induktionsplatte aus dem Auto geholt und im Zollhaus eingestöpselt, um uns etwas zu Essen zu kochen“, erzählt Shrotri lachend. Die Gepflogenheiten an der Grenze hingen mit der künstlichen Verschiebung der Zeitzonen zusammen, erklärt er.

Hinter der Grenze hieß dann das Motto: „Wenn du Ärger hast, geh nicht zur Polizei“, denn viel Korruption und Kriminalität präge Kirgistan. In Usbekistan hingegen war der Inder überrascht, dass alle große Bollywood-Fans waren und sich hervorragend mit den Schauspielern und sogar den Liedern aus der indischen Filmindustrie auskannten. Dafür waren die Sicherheits-Checks an der Grenze enorm. „Wir mussten das ganze Auto ausräumen.“

In Moskau gesellt sich ein weiterer Freund hinzu

Russland hingegen war „absolut einfach“, sowohl bei der Ein- als auch bei der Ausreise. „Alle lieben Putin“, hat Shrotri dort festgestellt. In Moskau hat sich ein weiterer Freund aus Deutschland, Joachim Vonalt aus Berlin, zu ihm gesellt. Von dort ging es nach Norden, um die baltischen Staaten zu besuchen. Außerdem machten beide einen Abstecher mit dem Schiff nach Helsinki, bevor sie den Weg nach Westeuropa fortsetzten. 13 Staaten hat Shrotri auf seiner Reise besucht und ist 22.000 Kilometer gefahren. Zurück geht es allerdings nicht mehr hinterm Steuer, sondern mit dem Flugzeug, und das Auto wird per Schiff nach Indien verfrachtet. bab

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