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Lindhorst Nach 65 Jahren noch „zugereist“
Schaumburg Lindhorst Lindhorst Nach 65 Jahren noch „zugereist“
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15:23 19.04.2012
Maria und Albert Wagner fühlen sich in ihrem Garten wohl.  Quelle: gus

Lindhorst (gus). „Zugereist“ sind die Wagners, weil sie am Ende des Zweiten Weltkriegs aus der Ukraine beziehungsweise aus Litauen vertrieben wurden. Vier Jahre lang dauerte diese Lebensphase beispielsweise für Maria Wagner. Und doch war der lange Leidensweg letztlich auch der Beginn einer langen, glücklichen Ehe, denn das Diamant-Paar lernte sich während der Flucht kennen.

Gemeinsam kamen sie im Februar 1947 mit einer ganzen Busladung in Lindhorst an. Da dachten sie aber noch längst nicht ans Heiraten. Maria Wagner lehnte sogar die ersten Einladungen ihres späteren Ehemanns ab, mit ihm den Holzhackerball zu besuchen. Erst als ihr die Mama einen Stups gab, begleitete sie den Werbenden schließlich.

Ein Schritt, den sie bis heute nie bereut hat, denn beim Holzhackerball 1951 funkte es sofort zwischen den Beiden. Bereits im April 1952 gaben sie einander das Jawort. Einen Sohn und eine Tochter zogen die Wagners groß, die ihnen wiederum fünf Enkel schenkten. Mittlerweile sind die Wagners siebenfache Urgroßeltern. „Die Zeit mit den Enkeln war die schönste meines Lebens“, sagt Maria Wagner mit einem zufriedenen Lächeln.

Das Paar gehört der Arbeiterwohlfahrt und dem Siedlerbund an. Mit den Siedlern reisten die Wagners häufig. Außerdem zählt der eigene Garten zu den Hobbys der Eheleute. Zehn Jahre lang arbeitete Albert Wagner auf dem Lindhorster Holzplatz, anschließend 36 Jahre lang bei der Deutschen Bahn, wie er nicht ohne stolz erklärt. Maria Wagner war zunächst in Stadthagen tätig und arbeitete später in einem Mädchenwohnheim in Hannover.

Und obwohl sie bereits seit 65 Jahren in Lindhorst leben und dort an der Fichtenstraße ein Haus bauten, sind sie noch immer „Zugereiste“. „So ist das hier“, sagt Maria Wagner schmunzelnd. Und sie fühle sich auch als „Zugereiste“ wohl. „Ich finde Lindhorst sehr schön“, sagt sie.

Am Donnerstag feierten rund 20 Gäste mit dem Diamant-Paar. Auch der stellvertretende Landrat, Horst Sassenberg, Samtgemeindebürgermeister Andreas Günther und der stellvertretende Lindhorster Bürgermeister, Holger Mensching, waren dort. Am Sonnabend wird mit der Familie gefeiert. Unter anderem in der katholischen Kirche.