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Natascha möchte bleiben

Lindhorst / Keine Arbeitserlaubnis Natascha möchte bleiben

Natascha Dotsenko aus der Ukraine findet keine Lösung: Alle Versuche der 28-Jährigen, einen Aufenthaltstitel in Deutschland zu bekommen, sind bislang gescheitert.

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Natascha Dotsenko würde gerne in Deutschland bleiben. Wie kompliziert das ist, zeigt der dicke Ordner mit Anträgen und Formularen.

Quelle: kil

Von Kirsten Elschner

Lindhorst. Auch die Lindhorster Eheleute Jörg und Antje Bode, die sich für das Bleiberecht ihres ehemaligen Aupair-Mädchens einsetzen, sind ratlos – und wütend. Sie haben das Gefühl, dass die Ausländerbehörde nicht ihren vollen Ermessensspielraum ausschöpft und die zuständige Sachbearbeiterin willkürlich und eigenmächtig handelt. Die Bodes haben einen Anwalt eingeschaltet.

Kreisdezernentin Ursula Müller-Krahtz weist diese Vorwürfe vehement zurück und verweist auf die komplizierte Rechtslage für Bürger aus sogenannten Drittstaaten – die Ukraine ist nicht in der Euopäischen Union und hat kein vertragliches Abkommen mit Deutschland. Das mache den Fall so kompliziert (siehe Kasten). Abschließend ist über den Antrag von Dotsenko aber noch nicht entschieden.

Die letzte Hoffnung, nachdem die Ukrainerin bereits erfolglos die Optionen Studium und Ausbildung in Erwägung gezogen hat, wäre jetzt noch eine Duldung zu erzielen, bis sich die Lage in der Ostukraine wieder beruhigt hat. Dort, erzählt die 28-Jährige, habe sie derzeit keine Perspektiven. Sie kommt aus Donezk, wo sie früher als Lehrerin gearbeitet hat. „Die Schule haben sie geschlossen“, sagt sie. Selbst den Flughafen gebe es nicht mehr. Ihr ehemaliges Zuhause sei durch den Krieg stark beschädigt. Es gebe keine Heizungsmöglichkeiten, keine warmes Wasser und zum Teil kein Strom. Der Vater ist bereits nach Russland geflüchtet.

Die Familie versteht nicht, warum die Ukrainerin nicht bleiben darf. Das Ehepaar Bode würde die junge Frau als Haushälterin und Betreuerin für ihre drei Kinder einstellen – vor allem für nachmittags und abends braucht das berufstätige Ehepaar Unterstüzung. Wie Antje Bode erzählt, habe das Arbeitsamt in Stadthagen ihr bescheinigt, dass derzeit niemand für diese Stelle zur Verfügung steht. „Warum darf Natascha dann nicht bei uns arbeiten? Sie würde nicht mal dem Staat auf der Tasche liegen“, denn das Ehepaar Bode wollte ihr ein gutes Gehalt zahlen.

Die Sachbearbeiterin der Auslandsbehörde aber, kritisiert Bode, habe ihr unterstellt, sie wolle nur den Sozialtourismus fördern und jemanden im Niedriglohnsektor einstellen. Die Lindhorsterin ist empört über diesen Vorwurf und hat sich mit ihrem Anliegen schon an den Samtgemeindebürgermeister, an Schaumburger Landtagsabbgeordnete und sogar an Doris Schröder-Köpf gewandt – und alle hielten angeblich eine Duldung für möglich, sagt sie.

Müller-Krahtz hält Bodes Vorwürfe für „starken Tobak“. Die Sachbearbeiterin sei immer bemüht gewesen, Lösungen zu finden. Sie verstehe, dass Bode daran interessiert sei, eine der Familie vertraute Kraft für die Betreuung der Kinder einzustellen. Sie habe jedoch den Eindruck, dass es hier nicht primär um das Schiksal der jungen Ukrainerin, sondern nur um eine Arbeitskraft für die Bodes gehe. Andere Lösungen für die Betreuung zu finden, sei offenbar nicht „der vordinglichste Wunsch von Frau Bode.“
Solange der aktuelle Antrag bearbeitet wird, hat Dotsenko eine sogenannte Fiktionsbescheinigung. Diese könnte erneut verlängert werden. Wenn nicht, muss die 28-Jährige wohl in wenigen Wochen das Land verlassen.

Dass die Gesetze aus menschlicher Sicht manchmal schwer verständlich sind, kann Müller-Krahtz nachvollziehen. Dennoch könne die Behörde nur im Rahmen der rechtlichen Vorgaben handeln, betont sie.

++++ Wer arbeiten darf ++++

Die Regel, dass ein freier Arbeitsplatz an einen Ausländer vergeben werden kann, sofern sich kein Deutscher oder EU-Bürger dafür finden, gilt nur für Asylbewerber, die in beschränktem Umfang in Deutschland arbeiten dürfen, erklärt Kreisdezernentin Müller-Krahtz. Für Menschen aus Nicht-EU-Staaten gilt diese Regel nicht. Ausnahmen betreffen nur bestimmte Berufsbilder – meist höher qualifizierte Jobs oder Mangelberufe. r

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