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Ohne Schein: Gericht zieht Auto ein

Lindhorst/Stadthagen / Prozess Ohne Schein: Gericht zieht Auto ein

Einen Führerschein hat er noch nie besessen. Weil ein Lindhorster trotzdem munter Auto gefahren ist, macht die Justiz jetzt Nägel mit Köpfen: Das Amtsgericht in Stadthagen hat den 33-Jährigen zu einer viermonatigen Bewährungsstrafe verurteilt und gleichzeitig dessen Auto samt Papieren eingezogen.

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Lindhorst/Stadthagen. „Fahren ohne Fahrerlaubnis ist ein gefährlich Ding“, erklärte Richter Kai Oliver Stumpe. „Nur Leute, die eine Prüfung abgelegt haben, dürfen im Straßenverkehr ein Fahrzeug steuern.“ Nachweislich viermal hat sich der Lindhorster hinters Steuer gesetzt. Die Dunkelziffer ist womöglich höher.

 Fest steht, dass der Arbeitslose binnen fünf Wochen noch dreimal gefahren ist, obwohl die Polizei ihn bereits einmal erwischt hatte. „Das“, so Stumpe, „grenzt an Unverschämtheit.“ Nun werde dem Angeklagten „das Fahrzeug unterm Hintern weggezogen“. Die Entscheidung, verbunden mit 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit und weiteren Auflagen, ist bereits rechtskräftig.

 „Eine Sperrfrist habe ich bewusst nicht beantragt“, erklärte Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig. „Ich halte es für wünschenswert, dass der Angeklagte eine Fahrerlaubnis erhält.“ So sieht es auch Kai Oliver Stumpe. „Sonst“, so der Richter, „züchten wir uns weitere Straftaten heran. In der Zukunft wollen wir ihm die Chance auf Besserung offenhalten.“

 Sein Auto hat der 33-Jährige übrigens nach eigenen Angaben geschenkt bekommen. Auf die Frage, warum er immer wieder damit gefahren ist, obwohl die Polizei ihn bereits auf dem Kieker hatte, musste der Verkehrssünder passen. „Das ist eine berechtigte Frage“, gab er zu Protokoll.

 Das Vorstrafenregister des Schaumburgers findet Stumpe „gewaltig“: 17 Einträge finden sich darin, darunter auch Verurteilungen wegen räuberischer Erpressung, Stromdiebstahls oder versuchten Raubes. Zuletzt fuhr der Wiederholungstäter nicht nur illegal Auto, sondern auch ohne Fahrschein mit der Eisenbahn. Um sechs solcher Fälle von Leistungserschleichung ging es vor Gericht ebenfalls.

 „Vermutlich wurde er nur bei einem Bruchteil erwischt“, glaubt Stumpe. „Übel wollend könnte man ihn als notorischen Schwarzfahrer bezeichnen.“ Motiv des hoch verschuldeten Arbeitslosen: Geldmangel. Zum Teil wollte er zur Mutter seiner Kinder, konnte jedoch angeblich keine Fahrkarte bezahlen.

 Vielleicht wird Schwarzfahren bald nicht mehr so hart sanktioniert. „Bei diesen Taten überlegt der Gesetzgeber, ob er sie aus dem Strafrecht herausnimmt“, berichtete Verteidiger Ralf Jordan. Gerichte würden dadurch wohl entlastet. Zurzeit steht auf das Erschleichen von Leistungen im äußersten Fall bis zu einem Jahr Haft. Vor Gericht bleibt es allerdings meistens bei Geldstrafen. ly

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