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Schläger vom Bahnhof müssen in Haft

Lindhorst Schläger vom Bahnhof müssen in Haft

Schöne Bescherung für drei junge Männer aus Lindhorst und Stadthagen: Kurz vor Weihnachten hat das Stadthäger Jugendschöffengericht Haftstrafen zwischen 27 und 36 Monaten gegen sie verhängt. Vor allem geht es dabei um gefährliche Körperverletzung. Bei mehr als zwei Jahren ist Bewährung nicht mehr möglich. Zum Teil wurden vorausgegangene Urteile in die Entscheidung einbezogen.

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Symbolbild

Quelle: dpa

LINDHORST/STADTHAGEN. Die Angeklagten sind 16, 23 und 24 Jahre alt. Zu dritt hatten sie auf dem Lindhorster Bahnhof einen heute 18-Jährigen aus Auhagen zusammengeschlagen, zu zweit einen Schüler (16) aus Sachsenhagen in der Bahnhofsunterführung (wir berichteten). Hinzu kommen weitere Delikte wie Diebstahl und Sachbeschädigung. „Mit mehreren Leuten andere angreifen – das sind schwerwiegende Vergehen“, betonte Richter Kai Oliver Stumpe.

Im wohl schlimmsten Fall hatte das Trio sein Opfer im Oktober 2015 am Ticket-Automaten des Bahnhofs eingekreist wie ein Rudel Wölfe. Als der 18-Jährige seine Wertsachen nicht herausrückte, setzte es Schläge und Tritte, ein Täter schlug mit einer Eisenstange zu. Der Auhäger erlitt eine Schädelprellung und diverse Wunden, konnte aber fliehen. „Zum Glück wurde er nicht eingeholt“, so Richter Stumpe. „Wir möchten uns nicht vorstellen, was dann passiert wäre.“

Von dem Vorhaben, ihr Opfer auszurauben, hatten die Schläger offenbar wieder Abstand genommen. Das Gericht geht jedenfalls von einem „strafbefreienden Rücktritt“ aus. Sonst hätte eine Verurteilung wegen versuchter räuberischer Erpressung gedroht.

Auch vom Messer ließen sich die Täter nicht beeindrucken

Bei der Tat in der Unterführung soll einer von zwei Tätern das Opfer zunächst scheinheilig gefragt haben: „Wie geht’s Dir?“ Als der Schüler mit „ganz gut“ antwortete, bekam er von dem 16-jährigen Lindhorster zu hören: „Gleich nicht mehr.“ Obwohl der Schüler ein Messer zog, um sich zu verteidigen, schlug der Heranwachsende aus Lindhorst weiter zu. „Nicht einmal dadurch ließ er sich abhalten“, erkennt Richter Stumpe eine „deutlich aggressive Tendenz“. Der verprügelte Jugendliche musste ins Krankenhaus, ein Auge war völlig zugeschwollen.

Gewalt ist auch bei einer Tat im Spiel, die ein 23-Jähriger allein begangen hat. Im Januar wollte der Stadthäger in einer Lindhorster Tankstelle Leergut abgeben, was jedoch nicht möglich war, worauf er eine Angestellte beschimpfte. Als ein Kunde der Frau helfen wollte, „richtete sich die ungezügelte Wut des Angeklagten gegen den Mann“, so Stumpe. Der 48-Jährige wurde noch getreten, als er bereits am Boden lag.

Bewährung wäre in diesem Prozess selbst dann kein Thema gewesen, wenn die Strafen sich in einem Bereich bewegt hätten, wo das noch möglich ist, bis zu zwei Jahren nämlich. Bei Freiheitsstrafen von mehr als einem Jahr sind dazu „besondere Umstände“ nötig. „Besondere Umstände schafft man nicht, indem man leugnet, ganz spät gesteht oder schweigt“, spielte Stumpe auf das Verhalten der Täter im Prozess an.

Weil sie zur Tatzeit betrunken waren, billigte das Gericht allen verminderte Schuldfähigkeit zu. Der 24-Jährige war zuletzt in Untersuchungshaft. Zu den Festtagen hat Stumpe den Stadthäger vorübergehend auf freien Fuß gesetzt.  ly

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