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Schwarzfahrer im Glück

Lindhorst / Prozess Schwarzfahrer im Glück

Drogensucht, chronischer Geldmangel, eine schwere Krankheit, die Trennung von seiner Frau: Probleme hat ein Lindhorster genug. „Er neigt dazu, in einen Zug zu steigen, um den Problemen zu entfliehen“, erklärt die Bewährungshelferin des 49-Jährigen. Um ein Haar hätte dies den vielfach vorbestraften Mann, dessen Register 29 Einträge umfasst, wieder ins Gefängnis gebracht.

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Lindhorst/Bückeburg. Ohne Fahrkarte war er im Morgengrauen am Bahnhof Lüneburg in den Zug gestiegen und in Celle vom Schaffner prompt erwischt worden. Der Schaden betrug 36 Euro, die Bahn stellte Strafantrag. Im April verurteilte das Amtsgericht Stadthagen den Wiederholungstäter, der mehrfach im Gefängnis gesessen hat, wegen Erschleichens von Leistungen zu drei Monaten und zwei Wochen Haft. Wäre diese Entscheidung rechtskräftig geworden, hätte dem Angeklagten überdies der Widerruf mehrerer offener Bewährungen gedroht.

Vor der Berufungsverhandlung gestern in Bückeburg hat er gerade noch die Kurve gekriegt. Weil der 49-Jährige sich um eine ambulante Psychotherapie bemüht und den Kontakt zu seiner ebenfalls drogensüchtigen Frau abgebrochen hat, die ihn offenbar auf dumme Gedanken bringt, beließ es die Berufungskammer am Landgericht zwar bei einer Freiheitsstrafe, setzte deren Vollstreckung aber zur Bewährung aus.

Zuvor hatte die Bewährungshelferin ihrem Klienten eine günstige Sozialprognose bescheinigt. Mit der Therapie muss er beginnen, sobald die Kostenzusage der Krankenkasse vorliegt. Dies ist eine der Auflagen.
„Je weiter ich wegfuhr, desto weiter waren die Probleme entfernt“, erinnert sich der Angeklagte. „Es wird auf jeden Fall nicht mehr vorkommen“, verspricht er. „Ich bin auf einem guten Weg.“

Zugunsten des Delinquenten wertete das Gericht dessen „extreme Lebenssituation“ zum Zeitpunkt der jüngsten Tat. „Aber auch Sie müssen die Gesetze einhalten“, machte Richterin Eike Höcker dem Lindhorster klar. Vermutlich als Folge seiner Drogensucht ist der Mann so schwer erkrankt, dass sein Leben zeitweise am seidenen Faden hing. Zwischenzeitlich hat sich der Gesundheitszustand offenbar stabilisiert.

„Mein Mandant ist körperlich schwerst krank sowie psychisch angeschlagen“, sagt Verteidiger Volkmar Wissgott: „Ein menschliches Drama, im Grunde kein Fall für den Strafrichter.“ Weil der Süchtige in der Vergangenheit Geld für Drogen brauchte, ist er immer wieder straffällig geworden. „Ein Teufelskreis“, so Wissgott.

Schwarzfahren gilt häufig als Kavaliersdelikt, dabei steht darauf bis zu einem Jahr Haft. Anfangs verhängen Gerichte in der Regel Geldstrafen, im Wiederholungsfall irgendwann Bewährungsstrafen. Notorische Schwarzfahrer gehen das Risiko ein, im Gefängnis zu landen.  ly

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