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Sprühen statt schmieren

Lindhorst / Besonderes Hobby Sprühen statt schmieren

Graffiti ist für Außenstehende oft ein Reizwort und gleichbedeutend mit Geschmiere. Die bunten Bilder und Buchstaben an Häuserwänden und auf Zügen werden als hässlich empfunden, das ausgegebene Steuergeld für die Reinigung beklagt. Anders sehen das naturgemäß „Sprayer“ – Sprüher – wie Manoel Duhnsen aus Heuerßen und der Lindhorster Niclas Hattendorf.

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Niclas (links) und Manoel präsentieren ein Bild, das in der Graffiti-AG an der Magister-Nothold-Schule entstanden ist.

Quelle: jcp

Lindhorst . Bevor auf der Polizeiwache die Stifte gezückt werden: Manoel und Niclas bringen ausschließlich legal Farbe auf Beton und Leinwände. Sie erledigen Auftragsarbeiten, haben zuletzt im Lindhorster Gemeinderat ihre Ideen für das alte Gebäude am Sportplatz vorgestellt. „Dass wir uns damit ein bisschen was hinzuverdienen können, hatten wir schnell raus“, sagt Niclas.

Der schnöde Mammon sei aber nicht der hauptsächliche Antrieb. Künstler oder Unternehmer? Wenn er sich entscheiden müsste, sagt Niclas: „Auf jeden Fall Künstler.“

In der Szene sähen das einige anders. „Klar gibt es welche, die sagen, für mich ist das kein Graffiti, wenn man Auftragsarbeiten macht“, sagt Niclas. „Andere finden’s cool.“ Der 17-Jährige zuckt die Schultern.

Sein gleichaltriger Freund Manoel ergänzt: „Auf dieses hastige Geschmiere beim illegalen Sprühen hätte ich keine Lust.“ Er wolle sich auf das Bild konzentrieren, seine Einfälle in Ruhe ausarbeiten.

„Im Kern geht es
um deinen Namen“

Zusammen bilden Manoel und Niclas die „Crew“ EMF. Die drei Buchstaben stehen für „Ein wenig mehr Farbe“. Auch bei den gesprühten Schriftzügen handele es sich oftmals um die Namen solcher Zusammenschlüsse von Graffiti-Sprühern. Meist sei es also sinnlos, eine Bedeutung aus den vermeintlichen Worten herauslesen zu wollen. „Im Kern geht es darum, dass dein Name gesehen wird“, sagt Niclas.

Jemand ganz Bestimmtes sollte in den sechziger Jahren in der US-Stadt Philadelphia den Namen „Cornbread“ lesen. Mit dem zigfach verbreiteten Schriftzug – unter anderem angebracht an einem Elefanten im Zoo von Philadelphia – wollte Darryl McCray ein Mädchen beeindrucken. „Cornbread“ war McCrays Pseudonym. Auch heute noch markieren in den USA Straßengangs ihr beanspruchtes Revier mit den krakeligen Schriftzügen. „Cornbread“ war die Geburtsstunde von Graffiti ohne kriminellen Hintergrund. So jedenfalls will es die Legende.

Geschichten wie diese begannen vor etwa vier Jahren, Niclas und Manoel zu faszinieren. Zuerst waren es die riesigen bunten Buchstaben, die auf Lärmschutzwänden bei der Autobahnfahrt nach Hannover ins Auge stachen. Die durch Neugier motivierte Recherche führte die Jungen zu Filmen wie „Wild Style“, der den Werdegang eines Graffiti-Künstlers erzählt.

Bevor sie selbst zur Dose griffen, fertigten Niclas und Manoel erst einmal Konzeptzeichnungen auf Papier an. Niclas hatten es die Buchstaben angetan, Manoel fühlte sich eher dazu berufen, fantasievolle Comicfiguren zu sprühen.

„Zuerst bitet man“, erklärt Niclas. „Biten“ bedeutet, dass Sprayer zunächst andere Künstler kopieren, um irgendwann zu ihrem eigenen Stil zu finden. Für Niclas war das große Vorbild „Seen“ aus dem New Yorker Stadtteil Bronx, der als Ikone der Graffiti-Kultur gilt.

Mit Hakenkreuzen und
„Fuck“ übergeschmiert

Mit jedem Bild wuchs die Erfahrung. Die gab Niclas in einer Graffiti-AG in der MagisterNothold-Schule weiter. Thema war zum Beispiel, wie man einen „Drop“ vermeidet – herunterlaufende Tropfen bei zu dick aufgetragener Farbe.

Apropos Geschmiere: Oft fühlen die beiden Sprayer sich selbst als Opfer von Vandalismus. „Im Graffiti heißt es eigentlich, du übermalst etwas nur, wenn du es besser kannst“, sagt Niclas. „Aber die Kinder wissen sowas nicht.“

Mit dem abschätzig betonten „Kinder“ meint Niclas jene Sprüher, die ein hingeklatschtes Hakenkreuz oder „Fuck“ über seine Graffiti sprühen oder auch mit dem Edding-Filzstift darüber malen.

„Das ärgert einen richtig, wenn das passiert“, ergänzt Manoel. „In den Bildern stecken viel Zeit und Mühe.“

-> Graffiti – Kunst oder Schmiererei? Schreibt uns bei facebook, was ihr darüber denkt! jcp

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