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Lindhorst Tankstellenüberfall: Doppelter Freispruch
Schaumburg Lindhorst Lindhorst Tankstellenüberfall: Doppelter Freispruch
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00:27 02.07.2015
Quelle: Symbolfoto
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Lindhorst/Stadthagen. Und so sind die Angeklagten – eine Stadthägerin (22) und ein Lindhorster (21) – freigesprochen worden. Zu viel „Stille Post“, kommentierte Staatsanwalt Timo Goldmann die Zeugenaussagen. Den Angeklagten war gemeinschaftlicher Diebstahl vorgeworfen worden. Die Frau arbeitete zur Tatzeit in der Tankstelle. Zusammen mit dem Lindhorster sollte sie den Überfall geplant haben. Dieser habe später bei einem Bekannten damit geprahlt.

Der Bekannte als Hauptbelastungszeuge war zum ersten Verhandlungstermin nicht erschienen. Das Gericht hatte Mühe, den 30-Jährigen ehemaligen Lindhorster ausfindig zu machen. Gestern sagte er aus: Bei ein paar Whiskey habe der Angeklagte, den er vom Sportverein kenne, ihm erzählt, den Überfall mit der Stadthägerin geplant und mit einer Plastikpistole ausgeführt zu haben – inklusive Flucht und Versteck der Beute in Bahnhofsnähe.

Der 21-Jährige habe dem Zeugen berichtet, bei der Tat dessen Sturmhaube getragen zu haben. Da er selbst auf Bewährung gewesen sei, habe er „kalte Füße“ bekommen – „weil ich zu viel wusste“ – und sich seinem Bewährungshelfer und einem bekannten Polizisten anvertraut, berichtete der Zeuge.

Der Angeklagte äußerte sich nicht. Dessen Verteidiger sah in der Zeugenaussage einige „schiefe“ Punkte. Beispiel: Wie eng war der Zeuge denn wirklich mit dem Angeklagten befreundet? Von „er ging bei mir ein und aus“ bis „wir kannten uns flüchtig“ hatte dieser diverse Angaben gemacht. Nach seiner Aussage bei der Polizei soll der 30-Jährige bei einigen Bieren auch einem 19-jährigen Nienburger davon erzählt haben. Dieser ging damit ebenfalls zur Polizei. Auch er habe mal „Blödsinn“ gemacht, gab er zu. Vor Gericht meinte der Nienburger, der 30-Jährige habe generell öfter gelogen und sich wichtig gemacht.

Zum Schluss sagten zwei Männer aus Heuerßen und Lindhorst aus, die auf dem Weg zur Tankstelle waren und den Täter gesehen und sogar verfolgt haben wollen – „die wichtigsten Zeugen“, fand Goldmann. Ihre Täterbeschreibung deckte sich mit der Aussage der Stadthägerin – und widersprach der angeblichen Geschichte des Angeklagten. Sie bestätigten zudem, dass die Frau „emotional am Boden“ gewesen sei.

Und daran hatte Goldmann am Ende keine Zweifel mehr. „So etwas kann man nicht spielen.“ Auch Stumpe sagte beim Urteil: Er sei „wenig bis gar nicht mehr“ von ihrer Schuld überzeugt. Ungereimtheiten bei den unterschiedlichen Geschichten „vom Hörensagen“ machten Stumpe auch bezüglich der Schuld des 21-Jährigen skeptisch. Ob dieser die Tat begannen habe oder nicht und ob er vielleicht nur damit geprahlt habe, lasse sich nicht klären.

Schließlich meldete sich auch die Angeklagte, die in den zwei Jahren seit der Tat unter Anfeindungen gelitten hatte, zu Wort: „Ich bin fix und fertig“, sagte sie vor der Urteilsverkündung unter Tränen. kil

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