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Überfall auf Tankstelle vorgetäuscht?

Belastungszeuge fehlt, Prozess geplatzt Überfall auf Tankstelle vorgetäuscht?

Der bewaffnete Raubüberfall auf eine Tankstelle in Lindhorst, bei dem ein unbekannter Täter im Juni 2013 rund 750 Euro erbeutet hatte, soll ein abgekartetes Spiel gewesen sein.

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Quelle: dpa

Lindhorst/Stadthagen. Davon geht Staatsanwalt Wilfried Stahlhut aus, der einen jungen Mann (21) und eine Frau (22) wegen gemeinschaftlichen Diebstahls angeklagt hat.

Stahlhut nimmt an, dass beide sich abgesprochen haben. Die Frau stand an dem Abend hinterm Tresen, nachdem sie für eine Kollegin die Spätschicht übernommen hatte, der Mann soll mit dem Geld aus der Kasse verschwunden sein. Nach der Tat soll sich der 21-Jährige gegenüber einem Bekannten mit der Tat gebrüstet haben. Letzterer gilt als Hauptbelastungszeuge. Ob die Aussage des Mannes glaubhaft ist, muss sich zeigen. Zur Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht in Stadthagen erschien der Zeuge zunächst nicht. Er ist offenbar umgezogen. Womöglich hat die Ladung ihn deshalb nicht erreicht. Der Prozess ist jedenfalls geplatzt. Bis zu einem neuen Termin können Wochen, vielleicht Monate vergehen.

„Ist da was dran?“, befragte Richter Kai Oliver Stumpe die Angeklagte gleich zu Beginn ohne Umschweife zu dem Vorwurf, einen Überfall vorgetäuscht zu haben. „Natürlich nicht“, antwortete die Stadthägerin und lachte einmal bitter auf. Später begann sie zu weinen. „Es ist so schlimm für mich, hier zu sitzen“, erklärte die 22-Jährige. „Ich habe wirklich nichts gemacht.“ In Lindhorst habe sie sich Sprüche anhören müssen wie: „Na, Du Verbrecherin.“ Das, so die junge Frau, „muss ich mir echt nicht geben“.

In der Tankstelle arbeitet sie schon lange nicht mehr. Ob die beiden Angeklagten verurteilt werden, ist bisher völlig offen. Zurzeit gilt die Unschuldsvermutung. Schuld muss nachgewiesen werden. Der Mann macht vom seinem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern. Die Frau versichert, ihn erst nach dem Überfall kennengelernt zu haben. Sie beteuert, an jenem 4. Juni gegen 21.30 Uhr wirklich zum Opfer eines Überfalls geworden zu sein. „Auf einmal stand ein Maskierter mit einer Waffe vor mir“, berichtet sie. „Ich hab’ das erst für einen schlechten Scherz gehalten.“ Bei der Waffe handelte es sich laut Anklageschrift um einen Revolver aus Plastik.

Nach Darstellung der Frau („Es ging alles so schnell“) musste diese die Kasse öffnen, wurde danach zur Seite geschubst, der Unbekannte griff sich das Geld und verschwand. Eine Polizistin hatte den Eindruck, dass die 22-Jährige geschockt war. „Sie wirkte aufgelöst und fing immer wieder an zu weinen“, so die Beamtin als Zeugin vor Gericht. An jenem Abend waren 13 Polizisten im Einsatz, um das Wohngebiet systematisch zu durchkämmen. Die Besatzung eines Hubschraubers half bei der Suche – ebenfalls ohne Erfolg.

Später geriet ein einzelner Mann ins Visier der Polizei, der als Verdächtiger aber wieder ausschied, außerdem einige Jugendliche, die sich vor der Tankstelle aufgehalten hatten, sowie mehrere Südländer, die sich in einem Restaurant auffällig benommen haben sollen. Schließlich soll sich der jetzt angeklagte Mann selbst ins Spiel gebracht haben. Ein Freund eines Freundes erzählte die Geschichte einem befreundeten Polizisten, der die Sache ins Rollen brachte. ly

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