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Lindhorst „Wir alle hätten Opfer werden können“
Schaumburg Lindhorst Lindhorst „Wir alle hätten Opfer werden können“
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13:38 01.11.2018
Symbolbild Quelle: dpa
Lindhorst/Bückeburg

Aus Langeweile sind drei junge Männer durch Lindhorst gezogen, um sich ein Opfer zu suchen. Einer von ihnen war mit einer Eisenstange bewaffnet. Am Bahnhof verprügelte das Trio einen Jugendlichen aus Auhagen, der sich eine Fahrkarte ziehen wollte. Das war vor drei Jahren.

In einem Berufungsverfahren vor dem Landgericht in Bückeburg hat dessen 1. Große Jugendkammer gegen die Täter jetzt Haftstrafen von 26, 33 und 36 Monaten verhängt. Im Prozess ging es außerdem noch um zwei weitere Fälle von gefährlicher Körperverletzung.

"Ich möchte nicht Angst haben müssen, durch Lindhorst zu gehen"

„Die Verteidigung der Rechtsordnung und der Schutz der Allgemeinheit fordern eine strenge Ahndung der Taten“, sagte Richter Norbert Kütemeyer. „Es kann nicht hingenommen werden, dass gewaltbereite Männer durch eine kleine Ortschaft ziehen und wahllos Menschen verletzen.“ Zum Schluss der Urteilsbegründung griff Kütemeyer dies noch einmal auf: „Ich möchte nicht wegen Leuten wie den Angeklagten Angst haben müssen, durch Lindhorst zu gehen.“

An jenem 26. Oktober 2015 waren die drei Männer über die Gleise gelaufen und hatten das Zufallsopfer am Ticketautomaten eingekreist wie ein Rudel Wölfe. Es setzte Faustschläge, Tritte und Hiebe mit der Eisenstange. Der Auhäger hatte sich geweigert, seine Wertgegenstände herauszurücken, schlug zurück und konnte fliehen, wenn auch mit Blessuren. Er erlitt eine Schädelprellung sowie mehrere blutende Wunden und musste mit dem Rettungswagen ins Stadthäger Krankenhaus gebracht werden. Auf einem zugeschwollenen Ohr konnte der Verletzte zwei Tage lang nichts hören. Narben an den Händen erinnern ihn bis heute an den brutalen Überfall.

„Wir alle hier im Gerichtssaal hätten Opfer der Männer werden können“, so Richter Kütemeyer. „Dies zeigt die Abscheulichkeit ihrer Taten.“ Weil sie vor dem Überfall reichlich Alkohol getrunken hatten, gestand das Gericht ihnen verminderte Schuldfähigkeit zu.

Alle sind vorbestraft

„Wir wollten irgendeinen Mist bauen, weil uns langweilig war“, erklärte einer der 18, 25 und 26 Jahre alten Angeklagten im Prozess. Alle sind erheblich vorbestraft, der 26-Jährige stand zur Tatzeit unter Bewährung.

Im Januar 2016 schlug einer von ihnen erneut zu, diesmal allein. Weil der heute 25-Jährige in einer Lindhorster Tankstelle sein Leergut nicht loswurde, beschimpfte er aus Ärger darüber die Frau hinterm Tresen. Als ein Kunde für die Angestellte Partei ergriff, bekam dieser zunächst einen Faustschlag gegen den Kopf. Als der Mann am Boden lag, wurde er getreten und später mit einer vollen Getränkedose beworfen. Das Opfer erlitt Prellungen.

Bei einer weiteren Körperverletzung, begangen im Mai 2016 in der Lindhorster Bahnhofsunterführung, waren die Täter zu zweit. Dort schlugen sie einen 16-Jährigen aus Sachsenhagen nieder, mit dem einer von ihnen vorher Streit gehabt hatte. Der Schüler wurde noch getreten, als er schon am Boden lag, und zog sich unter anderem eine starke Schwellung am linken Auge und Jochbein zu.

In erster Instanz hatte das Schöffengericht Stadthagen die Angeklagten ebenfalls wegen gefährlicher Körperverletzung in jeweils zwei Fällen verurteilt (wir berichteten). Zwei Männer können gegen das jetzt erlassene Urteil noch Revision einlegen. ly