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Wo jeder jeden kennt

SN-Ortsspaziergang in Schöttlingen Wo jeder jeden kennt

Eine einzige offizielle Straße führt vom Lindhorster Gewerbegebiet zu den zehn Adressen, die es in dem kleinen Ort Schöttlingen gibt. Die SN haben den Lindhorster Ortsteil beim Spaziergang mit dem Vorsitzenden des Schaumburg-Lippischen Heimatvereins, dem Schöttlinger Heinz Brunkhorst, erkundet.

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Der Schöttlinger Heinz Brunkhorst zeigt SN-Redakteuerin Babette Jakobs die Sehenswürdigkeiten des kleinen Ortes.

Quelle: bab

Schöttlingen. Wie auf einer Insel liegen die Gehöfte und Wohnhäuser südlich der Bahnlinie Hannover-Minden. Manch Schaumburger hat tatsächlich noch nie von dem Dorf gehört, das eigentlich schon durch seine Spirituosen bekannt sein müsste. Die Kornbrennerei des Dorfes existiert immerhin schon seit 1776, wenn man nach deren erster Erwähnung geht. „Schöttlingen selbst wurde am 11. Januar 1243 erstmals urkundlich erwähnt“, sagt Heinz Brunkhorst, der selbst das bisher letzte Haus mit der Nummer 10 gebaut hat. Das war 1972.

 Ein Jahr danach endete mit der Gebietsreform die Selbstständigkeit der kleinen Gemeinde, deren letzter Bürgermeister Willi Amelung immer noch dort zu Hause ist. Er wohnt im Haus Nummer 6 und lässt sich auch heute noch bereitwillig beim Mittagessen stören, um ein bisschen über die Vergangenheit und den Ort zu plaudern. Gleich gegenüber ziehen demnächst neue Nachbarn ein. „Sechs neue Personen sind schon auf dem Weg nach Schöttlingen“, berichtet Brunkhorst erfreut mit Blick auf die Bevölkerung, die gleich um mehrere Prozent wachsen wird, denn insgesamt habe Schöttlingen derzeit nur 29 Einwohner.

 Es gab Zeiten, da waren es sogar 209 Einwohner, wie Brunkhorst aus der Liste der Bevölkerungsentwicklung ersieht. Das war 1949, „als die Städte alle kaputt waren und die Menschen nach dem Krieg Wohnraum brauchten“, erklärt er. 2012 seien es immerhin noch 38 Einwohner gewesen.

Von  Schaumburg-Lippe umschlossen

 Territorial hatten zu dem Dorf ehemals auch die Eichhöfe in Lindhorst und Teile der Siedlung Eichenbruch (heute Heuerßen) gehört. Als Ex- beziehungsweise Enklave (je nach Standpunkt) war Schöttlingen nach der Aufteilung der alten Grafschaft Schaumburg vom späteren Schaumburg-Lippe umschlossen und gehörte selbst zunächst zu Hessen, bis Preußen das Kurfürstentum Hessen-Kassel annektierte. Davon zeugt auch der Grenzstein, der hinter dem Ortseingang an der Straßengabelung steht und auf einer Seite den preußischen Adler trägt und auf der anderen das Schaumburger Nesselblatt und die Lippische Rose. Um den Stein ranken sich Sagen und Geschichten.

 Am 24. August 1530 soll nach längerer Regenzeit ein Bauer aus Lindhorst seinem Knecht am St.-Bartholomäus-Fest befohlen haben, die Ernte einzufahren. Als dieser sich wegen des Feiertages weigerte, soll der Bauer selbst hinaus gefahren sein. Beim Aufladen der ersten Garbe ertönte der Erzählung nach ein Donnerschlag, und Bauer und Gespann versanken im Erdboden. An der Senke, die dadurch zurückblieb, wurde ein Denkstein aufgestellt. Als dieser verloren gegangen war, soll der Grenzstein an seine Stelle gesetzt worden sein, der inzwischen an der Straßengabelung steht.

Im Hier und Jetzt angekommen

 Eine weitere Geschichte stammt aus den Wirren des 30-jährigen Krieges. In der Nähe des sogenannten Krützsteins soll 1643 der Bauer Hermann Suhren aus Lindhorst den Junker Christian von Münchhausen mit einer Mistforke getötet haben, weil jener eine Kuh pfänden wollte, erzählt Heinz Brunkhorst. Grund seien rückständige Abgaben an die Gutsherrenschaft Remeringhausen gewesen. Der entsprechende Grabstein stehe an der Südseite der Heuerßer Kirche.

 Doch im Jahr 2017 ist Schöttlingen selbstverständlich im Hier und Jetzt angekommen. Auf dem landwirtschaftlichen Hof von Hartmut Brunkhorst ist die Dachfläche mit moderner Solartechnik bestückt, und das alte Transformatorenhaus am Wegesrand hat nur noch Symbolwert. Eine Handelsvertretung von Luft- und Klimatechnik hat ebenfalls ihren Sitz in Schöttlingen. Auch kulturell hat der Ort nicht nur sein Brauchtum zu bieten. „Der Künstler Michael Kapphengst hat hier ein Atelier eröffnet“, sagt Brunkhorst. Und beim Spaziergang gibt es Gelegenheit, den Maler zu begrüßen, der ebenfalls ein paar Takte Zeit hat. So ist das in Schöttlingen. „Jeder kennt jeden“, sagt Brunkhorst, „deshalb muss man sich verstehen.“

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