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Lindhorst Zeugen sollen sich abgesprochen haben
Schaumburg Lindhorst Lindhorst Zeugen sollen sich abgesprochen haben
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00:16 19.09.2016
Quelle: Symbolfoto
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Lindhorst/Stadthagen

Den drei Angeklagten, einem 16-jährigen Lindhorster sowie einem 23- und 24-jährigen Stadthäger, wird vorgeworfen, im Oktober auf dem Lindhorster Bahnhof einen Auhäger (18) angegriffen zu haben, nachdem dieser seine Wertsachen nicht herausrückte. Außerdem sollen der 16-Jährige und der 24-Jährige im Mai in der Lindhorster Bahnhofsunterführung einen Schüler (16) aus Sachsenhagen angegriffen haben.

Angeklagter holt Entschuldigung nach

Als Haupttäter beschuldigte der Schüler den Lindhorster. Dieser habe ihn geschlagen und, als er am Boden lag, getreten. Der Stadthäger (24) habe ihm zweimal in die Rippe getreten, aber später versucht, zu helfen. Während sich jener bereits bei ihm entschuldigt habe, habe er das Händeschütteln mit dem 16-Jährigen nicht ernst nehmen können: „Der stand nur mit einem fetten Lächeln vor mir.“ Die Entschuldigung holte der Angeklagte beim Prozess nach: „Dann entschuldige ich mich jetzt. Ich bereue das, es tut mir leid“, sagte der Heranwachsende emotionslos.

Die Angaben der Zeugen waren wenig aussagekräftig und widersprachen sich in vielen Punkten. Über eine Sache stolperten Richter und Verteidiger: Während in den Vernehmungsprotokollen fast nie von einer Waffe die Rede war, wollen sich einige Zeugen nun sicher sein, dass das Opfer ein Messer gezogen habe. Das behauptete unter anderem ein Beobachter (18). Bei der Polizei habe er damals auch von einem Messer erzählt, meinte er. Dass dies nicht im Protokoll steht, versuchte er damit zu erklären, dass der Polizist das nicht für wichtig genug erachtet habe.

Stumpe machte den Zeugen auf seine widersprüchlichen Angaben aufmerksam, erinnerte ihn an die Wahrheitspflicht. Das brachte Volkmar Wissgott, Verteidiger des 24-Jährigen, zu dem Vorwurf, der Richter würde den Zeugen einschüchtern – nicht auszuschließen, dass er Stumpe noch wegen Befangenheit ablehnen wird.

Polizist in die Mangel genommen

Auch der Polizist wurde daraufhin in die Mangel genommen. Warum er in sämtlichen Vernehmungen nicht einmal nach einem Messer gefragt habe, wollte Wissgott wissen. „Ich weiß es nicht“, kam es wiederholt von dem Beamten und der Verteidiger gab zu: „Das fällt mir schwer zu glauben.“

Derselbe Polizist hatte auch den 16-jährigen Angeklagten in einer anderen Sache vernommen, wobei das Gespräch auf den Vorfall im Oktober gekommen sei. Da habe der Junge „ein Geständnis“ abgelegt: Dass er mit den anderen beiden zwar am Bahnhof gewesen sei, den Vorfall aber nur aus der Entfernung beobachtet habe. Die Anwälte widersprachen der Verwertbarkeit dieser Aussage, da der Beamte kein Ermittlungsgesuch gehabt habe.

Zeugen unterstützen den Angeklagten

Zwei Zeugen, darunter der Bruder des 16-Jährigen, unterstützten mit ihrer Aussage den Angeklagten. Das Opfer aus Auhagen soll ihnen – entgegen seiner ersten Zeugenaussage – erzählt haben, dass der Lindhorster gar nicht am Angriff beteiligt gewesen sei. Um diese Widersprüche aufzuklären, sollen die beiden Opfer in der Fortsetzung erneut befragt werden. kil

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