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Lindhorst Zu Tode geschüttelt: Vater bestreitet Tat
Schaumburg Lindhorst Lindhorst Zu Tode geschüttelt: Vater bestreitet Tat
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00:26 19.05.2018
Der Angeklagte sitzt mit seinem Anwalt Andreas Fedler im Gerichtssaal im Landgericht. Das Gericht wirft dem 23 Jahre alten Angeklagten Totschlag vor.   Quelle: dpa
LINDHORST/BÜCKEBURG

„So etwas ist nicht vorgekommen“, erklärte der 23-Jährige, dem Staatsanwalt Lukas Veith Totschlag zur Last legt. Für den Tod des Säuglings fühlt er sich „in keinster Weise verantwortlich“.

Den schlechten Zustand des kleinen Jungen führt der Lindhorster auf eine Sechsfach-Impfung zurück, die das Baby etwa drei Wochen zuvor bekommen hatte. Der Säugling soll blass gewesen sein, viel geschlafen und sich häufig übergeben haben. Für die schweren Verletzungen, die zum Tode führten, hat der Vater keine Erklärung.

Damals fehlte das Gutachten

Allerdings kann er sich zumindest „vorstellen, dass die Mutter ihm die Verletzungen zugefügt hat“, so der Angeklagte auf eine entsprechende Frage von Richter Norbert Kütemeyer, Vorsitzender des Bückeburger Schwurgerichts. Die Frau sei manchmal „sehr impulsiv im Umgang mit dem Kleinen“ gewesen, behauptet der 23-Jährige.

Fest steht, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen die 21-Jährige eingestellt hat. Allerdings fehlte zu dem Zeitpunkt noch ein Gutachten, das nun vorliegt. Aus der vorläufiger Fassung gab Richter Kütemeyer gestern sinngemäß einen Satz wieder: Kütemeyer sprach von „schweren, unterschiedlich alten Verletzungen, die in einem Zeitraum von drei Wochen entstanden sein sollen“.

Hinweise auf frühere Verletzungen

Dies könnte darauf hindeuten, dass der kleine Junge auch vorher schon gequält worden ist.
Die Staatsanwaltschaft will nun „prüfen, ob ein neues Verfahren gegen die Frau eingeleitet wird“, wie Behördensprecher Nils-Holger Dreißig gestern auf Anfrage unserer Zeitung erklärte. Weil diese Verletzungen zum Teil schon älter seien, könne es dabei um den Vorwurf der Körperverletzung oder Misshandlung Schutzbefohlener gehen, nicht jedoch um Totschlag.

Die Eltern des Kindes sind seit 2015 verlobt und haben damals zusammen in Lindhorst gelebt. Seit Ende November 2017 sitzt der Mann in Untersuchungshaft, wo er versucht hat, sich mit einer Rasierklinge die Pulsadern aufzuschneiden. „Man könnte auf den Gedanken kommen, dass dies als eine Art Schuldeingeständnis gewertet werden kann“, meinte Richter Kütemeyer.

Vater spielte Playstation

Am 27. November 2017 war die Frau zwei Stunden lang nicht in der Wohnung. Der arbeitslose Vater spielte unterdessen mit seiner Playstation, während das Baby bei ihm auf dem Sofa lag. Als die Mutter zurückkehrte, soll es dem Säugling so schlecht gegangen sein, dass das Paar den Notarzt rief. Der Junge kam daraufhin mit Hirnblutungen ins Mindener Klinikum und konnte trotz einer Notoperation nicht gerettet werden.

Die Mutter will mit den Verletzungen des Kindes ebenfalls nichts zu tun haben. „Ich habe mich immer gut um den Kleinen gekümmert, war vorsichtig und habe aufgepasst“, sagte sie. Niemals will die 21-Jährige das Baby geschüttelt haben.

„Für Liebe gibt es keinen Aus-Knopf"

Trennen will sich das Paar übrigens trotz allem nicht. „Ich möchte mit der Frau zusammenbleiben“, hat der Angeklagte am Tag vor dem Prozessauftakt zu seinem Verteidiger Andreas Fedler gesagt. Vor Gericht erklärte er das so: „Für Liebe gibt es keinen Aus-Knopf.“

Richter Kütemeyer hat zunächst fünf Sitzungstage anberaumt, 18 Zeugen und einen Gutachter geladen. Im Fall eines Schuldspruchs im Sinne der Anklage droht dem Lindhorster eine Haftstrafe zwischen fünf und 15 Jahren.  ly