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Beim Thema erneuerbare Energie bereits etliche Meter Rückstand

Samtgemeinde Lindhorst / Interview Beim Thema erneuerbare Energie bereits etliche Meter Rückstand

Drei Kandidaten befinden sich im Rennen um das Amt des Samtgemeindebürgermeisters in Lindhorst. Die Schaumburger Nachrichten lassen die drei Bewerber im Interview zu Wort kommen. Welche eigenen Ziele verfolgen sie, welche Fähigkeiten besitzen sie, und wie positionieren sie sich zu den aktuellen Kernfragen der Lindhorster Politik?

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Samtgemeinde Lindhorst. Heute ist der 38-jährige Matthias Hinse (Grüne) , der derzeit bei Volkswagen Teamsprecher in der Produktion beschäftigt ist, an der Reihe.

Herr Hinse, warum wollen Sie Samtgemeindebürgermeister werden?
Es geht zunächst mal um die Wahlbeteiligung und nicht nur um das Bürgermeisteramt. Als Grüner kann ich nicht akzeptieren, dass nur noch jeder Zweite zur Wahl geht. Und da glaube ich, dass ich mit meiner Kandidatur einiges bewegen kann. Ich strebe eine Wahlbeteiligung von über 60 Prozent an. Aber ich habe natürlich auch ein Konzept, mit dem ich die Samtgemeinde zukunftsfähig machen will. Die Samtgemeinde soll die attraktivste, quirligste im Umkreis sein. Daran will ich arbeiten, ob als Bürgermeister oder als Ratsherr.
Was muss ein Samtgemeindebürgermeister ihrer Meinung nach denn mitbringen?
Ein Samtgemeindebürgermeister muss Glaubwürdigkeit mitbringen, damit ihm auch abgenommen wird, was er verspricht. Die Menschen, mit denen ich gesprochen habe, wissen, dass hinter meinem Konzept auch etwas steckt. Für mich ist das Amt kein Beruf, sondern eine Berufung. Ich möchte etwas positiv verändern vor Ort.

Und was muss eine moderne Kommunalverwaltung leisten?
Ich sehe das durch die Brille des Bürgers. Die Verwaltung ist der Dienstleister des Bürgers, dazu gehören zeitgemäße Öffnungszeichen. Als Bürger muss ich mich schnell zurechtfinden können und Anträge müssen zügig abgewickelt werden.

Wie kann die Samtgemeinde Lindhorst ihre Attraktivität steigern und welche Einrichtungen müssen unbedingt erhalten bleiben?
Entscheidend ist, dass Lindhorst eine starke Bürgerbeteiligung bekommt. Es geht darum, die Leute dazu zu bringen, sich mehr zu engagieren. Dabei geht es nicht um Bespaßung, sondern darum, dass sich die Menschen hier wohl fühlen. Eine bestmögliche Infrastruktur in Sachen Bildung und Betreuung ist wichtig. In vielen Bereichen ist Lindhorst noch in den Startlöchern, während andere Kommunen bereits einen langen Weg zurückgelegt haben. Eine quirlige und junge Samtgemeinde wäre übrigens auch die beste Kommune für Senioren, weil junge Familien die Infrastruktur stützen. Davon profitieren ältere Leute umso mehr, weil sie in der Regel weniger mobil sind.

Könnte auch ein Jugendtreff dazu beitragen, dass die Kommune attraktiver wird?
Natürlich, sonst hätte ich den Antrag damals ja nicht gestellt. In meinem Gesamtkonzept ist ein Jugendtreff aber nur eine Komponente. Und der Antrag liegt ja immer noch auf dem Tisch, der nächste Schritt wäre, dass der Rat beschließt: Wir machen das. Über die Finanzierung müsste man noch mal reden, aber Investitionen in die Jugend lohnen sich schon deshalb, weil sie sich später doppelt auszahlen. Eine funktionierende Präventionskette fängt eigentlich direkt nach der Geburt an, bis zur Ausbildung muss eine Samtgemeinde ein Kind und dessen Eltern begleiten. Informationen zu Angeboten wie Babyschwimmen, Kinderbetreuung und Bildung müssen regelmäßig übermittelt werden, es geht um das Kümmern.

Wo liegt denn bei der Kinderbetreuung Ihrer Meinung nach der gesteigerte Bedarf?
Die Arbeitsverhältnisse verlangen eine unheimliche Flexibilität der Arbeitnehmer. Da hängt die Kinderbetreuung noch weit hinterher. Es gilt, Betreuungslücken zu schließen. Wenn Mütter oder Väter wieder arbeiten gehen, muss die Verwaltung in jedem Einzelfall, unabhängig vom Alter des Kindes oder der Kinder, eine passgenaue Tagesbetreuung anbieten können.

Braucht die Samtgemeinde Lindhorst neue Baugebiete für mehr Zuzüge?
Wir haben Baugebiete, den Herrenkamp in Beckedorf und die Kirchbreite in Lindhorst. Es geht jetzt im Kern darum, nicht neue zu erschließen, sondern die Nachfrage anzuheizen. Dazu ist es wichtig, die Attraktivität der Samtgemeinde zu steigern. Aber wir haben auch viele Leerstände, die vermarktet werden müssen, damit nicht alte Bausubstanz verfällt. Erst danach könnte man sich überlegen, wo neue, attraktive Baugebiete ausgeschrieben werden können, wobei man nicht zu viel Fläche versiegeln darf. In der Westsiedlung haben wir ein Hochwasserproblem bei starkem Niederschlag, deshalb war ich vor zehn Jahren gegen das Bebauen des Grünstreifens.

Wie halten Sie es denn mit der Eigenständigkeit der Samtgemeinde Lindhorst? Es hat ja bereits Fusionsbemühungen gegeben.
Ich finde die Samtgemeinde Lindhorst wichtig und richtig. Deshalb würde ich immer zuerst auf Kooperation statt auf Fusion setzen. Da gibt es viele Möglichkeiten, um Kosten zu sparen. Die Städte Wunstorf und Sachsenhagen kooperieren beispielsweise beim Bauhof. Aber man muss immer einen Plan B in der Schublade haben, wenn beispielsweise die Landesregierung strukturelle Änderungen vorschreibt, sollte man vorher schon eigene Überlegungen angestrengt haben. Eine Einheitsgemeinde wäre für mich im übrigen Demokratieabbau, da die Gemeinderäte ein grundlegender Teil der Demokratie sind.

Erwarten Sie auch Veränderungen im Bereich der Feuerwehr?
Es gibt in einigen Orten ein Problem, jungen Menschen den Feuerwehrdienst schmackhaft zu machen. Da gibt es Nachholbedarf. Als Ratsherr bekommt man eine Entschädigung für die geleistete ehrenamtliche Arbeit, ein Feuerwehrmann bekommt für seinen Einsatz nichts. Das müsste sich ändern, um den Wehren zu helfen, aber es gibt sicher noch mehr Möglichkeiten.

Thema Schulpolitik: Es dürfte bald einen Vorstoß geben, die Grundschul-Außenstelle Beckedorf zu schließen. Wie stehen Sie dazu?
Zu meinem Konzept gehört die Infrastruktur für Familien, und davon ist die Grundschule Beckedorf ein fester Bestandteil. Für junge Familien, die nach Beckedorf ziehen, sind Schule und Kindergarten die entscheidenden Argumente. Das ist in Beckedorf unter Neubürgern abgefragt worden. Man darf das Thema nicht nur durch die Schulbrille sehen, da hängt ganz viel dran. Es geht darum, auch die Mitgliedsgemeinden möglichst finanzstark halten, und dazu ist die Attraktivität für junge Familien ausschlaggebend. Der Standort darf natürlich nicht um jeden Preis gehalten werden, aber mit guten Ideen ist das ohne Probleme möglich.

Der Konsens bei Eltern und Politikern ist, dass Lindhorst eine IGS bekommen soll. Welche Möglichkeiten sehen Sie, um dieses Ziel zu erreichen?
Eine IGS ist ein Grundpfeiler meines Grundkonzepts, die Samtgemeinde würde von einem Standort Lindhorst stark profitieren. Eltern, die ihre Kinder hierher zur Schule bringen, kaufen dort auch ein. Ich habe mit allen Politikern, mit denen ich an einem Tisch gesessen habe, über das Thema IGS gesprochen. Jeder sagt, eine IGS sei gut für Lindhorst. Aber diese Willensbekundungen bringen nichts. Die Grünen haben auf Kreisebene einen Antrag auf eine IGS Lindhorst, also nur eine neue IGS in Schaumburg gestellt. Das haben weder die SPD noch die CDU getan. Es gibt kein Thema, das die Menschen hier mehr beschäftigt, mir ist natürlich bewusst, dass ich auch als Samtgemeindebürgermeister nicht entscheiden kann: Wir kriegen eine IGS. Aber ich habe schon bei meiner Arbeit für eine Kinderkommission im Niedersächsischen Landtag gezeigt, dass ich vieles bewegen kann.

Die Energiewende ist in aller Munde. Welche Möglichkeiten hat die Samtgemeinde Lindhorst, um erneuerbare Energiequellen zu stärken?
Wie schon gesagt, in einem 100-Meter-Lauf wären uns andere Kommunen schon um 80 Meter enteilt, wir sitzen noch in den Startblöcken. Ein Beispiel: Bei der Sanierung des Hofs Gümmer ist die geplante Solaranlage seinerzeit zugunsten anderer Dinge gestrichen worden. Das war aber die einzige Komponente, die sich langfristig ausgezahlt hätte. Leider hat die Samtgemeinde ihre Konzessionsverträge mit e.on schon verlängert, fast alle anderen Kommunen in Schaumburg haben den Mut gehabt, über umweltfreundlichere Alternativen nachzudenken. Hier werden immer die einfachen Lösungen gesucht. Obwohl es viel Potenzial gibt. Man könnte den Schlamm des Lindhorster Klärwerks, statt ihn an Landwirte abzugeben, zur Biogasgewinnung nutzen, dazu wäre aber eine Kooperation mit der Samtgemeinde Niedernwöhren nötig. Neue Windräder sind eine andere Möglichkeit.

Zum Schluss: Welche sonstigen Ziele verfolgen Sie beziehungsweise würden Sie im Fall ihrer Wahl verfolgen?
Eine Gemeindeschwester, die bestehende Betreuungslücken schließt, wäre sinnvoll. Die Finanzierung könnte über die Krankenkasse oder andere Träger abgewickelt werden. Und wenn wir über einen Jugendtreff reden, muss auch etwas für Senioren getan werden. In unserem Wahlflyer nennen wir das Seniorenwerkstatt.

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