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Das Rathaus soll zu einem freundlichen Dienstleistungsunternehmen werden

Samtgemeinde Lindhorst / Interview Das Rathaus soll zu einem freundlichen Dienstleistungsunternehmen werden

Drei Kandidaten befinden sich im Rennen um das Amt des Samtgemeindebürgermeisters in Lindhorst. Die Schaumburger Nachrichten lassen die drei Bewerber im Interview zu Wort kommen. Welche eigenen Ziele verfolgen sie, welche Fähigkeiten besitzen sie, und wie positionieren sie sich zu den aktuellen Kernfragen der Lindhorster Politik.

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Samtgemeinde Lindhorst. Den Anfang macht der 40-jährige Klaus Illmer (parteilos), der derzeit bei der Region Hannover als Verwaltungsfachwirt der gehobenen Beamtenlaufbahn beschäftigt ist.

Herr Illmer, warum wollen Sie Samtgemeindebürgermeister werden?
Bürgermeister in meiner Wahlheimat zu werden und dort etwas tatsächlich bewegen zu können, ist für einen Verwaltungsmann wie mich seit Jahren mein größter Traum. Es gibt so viel Potenzial in dieser Samtgemeinde. Ich möchte gemeinsam mit den Menschen, die hier leben, unsere Zukunft gestalten.

Was muss ein Samtgemeindebürgermeister ihrer Meinung nach denn mitbringen?
In erster Linie muss er Ideen mitbringen. Und er muss zu Kompromissen bereit sein. Wichtig ist es, die politischen Strömungen zu leiten und zwischen ihnen zu vermitteln. Ein Samtgemeindebürgermeister muss ein offenes Ohr für die Bürger haben, aber wichtig ist auch die fachliche Befähigung, die ein Hauptverwaltungsbeamter besitzen muss. Meiner Meinung nach hat Gerhard Busche gute Arbeit geleistet.

Und was muss eine moderne Kommunalverwaltung leisten?
Mein Anspruch ist es, der Verwaltung den bürokratischen Schleier zu nehmen und zu einem modernen und freundlichen Dienstleistungsunternehmen umzubauen. Wer ins Rathaus kommt, ist Kunde und somit König. Eine Verwaltung muss Service erbringen. Die Menschen sollen gern kommen und dürfen keine Angst vorm Rathaus haben.

Wie kann die Samtgemeinde Lindhorst ihre Attraktivität steigern, und welche Einrichtungen müssen unbedingt erhalten bleiben?
Toll ist zunächst einmal das Solarfreibad, das ja auch modernisiert wird. Und die Samtgemeindebücherei besuche ich regelmäßig. Aber für die Attraktivität ist die Kinderbetreuung besonders wichtig. Da gibt es noch Luft nach oben. Ansonsten haben wir hier alles: Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, Schulen. Eine große Errungenschaft wäre der Anschluss an den Großraumverkehr Hannover. Durch massive regionale und überregionale Werbung müssen wir die attraktive Infrastruktur mit B65, Bahn, Mittelandkanal und nahem Autobahnanschluss in den Vordergrund stellen und gemeinsam mit Gewerbe, Politik, Verwaltung und interessierten Bürgern einen runden Tisch ins Leben rufen.

Könnte auch ein Jugendtreff dazu beitragen, dass die Kommune attraktiver wird?
Ich denke da mehr an ein Mehrgenerationenhaus. Sich nur auf Jugendliche zu konzentrieren, greift zu kurz. Es gibt ja Gebäude im Eigentum der Kommune, beispielsweise gegenüber dem Rathaus. Dort könnte man einen Jugendtreff und auch eine Seniorenbegegnungsstätte einrichten. So etwas muss man finanzieren, auch wenn das Geld knapp ist.

Wo liegt denn bei der Kinderbetreuung Ihrer Meinung nach der gesteigerte Bedarf?
In der Hortbetreuung sehe ich einen Bedarf an flexiblerer Betreuung. Ich kenne Familien, in denen beide Eltern zwingend arbeiten gehen müssen, aber die Grundschulzeit von 7.30 bis 13 Uhr reicht dafür einfach nicht aus. Auch der Hort bis 17 Uhr genügt nicht. Flexibilität heißt beispielsweise auch, dass man eine Notgruppe bereithalten müsste und dass jemand, der sein Kind nur bis 14 Uhr im Hort betreuen lassen möchte, auch nur für diese Dauer bezahlt und nicht für die gesamte Zeit bis 17 Uhr. Kinderbetreuung ist deshalb so wichtig, weil wir als Kommune im Wettbewerb mit den Nachbarkommunen um den Zuzug von Familien stehen.

Braucht die Samtgemeinde Lindhorst neue Baugebiete für mehr Zuzüge?
Es gibt Baugebiete in der Samtgemeinde, in denen noch zahlreiche Plätze zu vermakeln sind. Das geht nur über Werbung, beispielsweise auch überregional in Zeitungen und auf der eigenen Internetseite. Darüber hinaus zeige ich mich offen für ein Angebot weiterer attraktiver Baugebiete.

Wie halten Sie es denn mit der Eigenständigkeit der Samtgemeinde Lindhorst? Es hat ja bereits Fusionsbemühungen gegeben.
Ich bin für den Erhalt der Eigenständigkeit sowohl der Samtgemeinde als auch der Mitgliedsgemeinden. Ich komme ursprünglich aus Bantorf und habe gesehen, was dort passiert ist nach der Gebietsreform. Die kleinen Dörfer werden zwar heute vom Rat der Stadt betreut, die Vertreter aus den Dörfern haben aber kaum Einfluss. Die Menschen in den Mitgliedsgemeinden wissen doch, was dort los ist und welche Probleme sie haben. Deshalb brauchen wir die Gemeinderäte. Die interkommunale Zusammenarbeit mit anderen Samtgemeinden ist aber keine schlechte Sache. Manches kann man besser in eine Hand legen, um Kosten zu sparen.

Erwarten Sie auch Veränderungen im Bereich der Feuerwehr?
Der Ruf nach einer Fusion der Feuerwehren Vornhagen und Lüdersfeld war ja vorhanden. Ich bin der Meinung, da darf sich die Politik auch nicht einmischen. Das müssen die Wehren selbst entscheiden. Ich finde die tolle ehrenamtliche Arbeit, die vor Ort geleistet wird, extrem wichtig und bin der Meinung, dass auch die kleinen Feuerwehren erhalten bleiben sollten.

Thema Schulpolitik: Es dürfte bald einen Vorstoß geben, die Grundschul-Außenstelle Beckedorf zu schließen. Wie stehen Sie dazu?
Man sollte zwei Standorte erhalten, deshalb bin ich für den Erhalt der Außenstelle. Wir haben in Bantorf auch jahrelang um den Erhalt unserer Dorfschule gekämpft, das war uns eine Herzensangelegenheit. Genauso wird das auch für die Beckedorfer sein. Und die Gemeinde muss schließlich auch um ihre Attraktivität bemüht sein und um junge Familien werben. Bildung muss bezahlt werden. Überhaupt darf man nicht immer nur auf die große Gemeinde Lindhorst schauen, auch in den Mitgliedsgemeinden muss die Infrastruktur aufrechterhalten und weiter ausgebaut werden – das ist überlebensnotwendig für die ganze Samtgemeinde.

Der Konsens bei Eltern und Politikern ist, dass Lindhorst eine IGS bekommen soll. Welche Möglichkeiten sehen Sie, um dieses Ziel zu erreichen?
Wir können das auch selbst in die Hand nehmen. Ich stehe aufgrund meiner Arbeit für die Region Hannover in ständigem Kontakt mit dem Niedersächsischen Landkreistag. Es existieren bereits Ausarbeitungen, die Übertragung der originären Schulträgerschaft für alle Schulformen außer der Förderschule auf die Samtgemeinden und Gemeinden zu übertragen. Dazu müsste man dann nur noch einen Antrag an den Landkreis stellen. Ich würde mich im Falle eines Wahlerfolges mit Hochdruck dafür einsetzen.

Die Energiewende ist in aller Munde. Welche Möglichkeiten hat die Samtgemeinde Lindhorst, um erneuerbare Energiequellen zu stärken?
Die Kommune sollte ihre eigenen Gebäude mit Anlagen für erneuerbare Energie ausstatten. Die Förderprogramme für Fassadendämmung und Photovoltaik-Anlagen von Privatleuten müssen neu aufgelegt werden.

Zum Schluss: Welche sonstigen Ziele verfolgen Sie beziehungsweise würden Sie im Fall ihrer Wahl verfolgen?
Ich bin in meinem jetzigen Arbeitsbereich für Verwaltungsmodernisierung und für den Haushalt zuständig. Die gerade eingeführte Kosten-Leistungsrechnung ermöglicht es, sehr genau zu schauen, wo Kosten entstehen und entsprechend den Hebel anzusetzen. Kostenminimierung und Einnahmenmaximierung sind zwei wichtige Aspekte. Außerdem würde ich daran arbeiten, alle Leistungen des übertragenen Wirkungskreises für Verwaltungen auch in Lindhorst anzubieten. Dazu gehören beispielsweise auch das Jugendamt und eine Kfz-Zulassungsstelle, wie ich es erfolgreich bereits bei der Region Hannover praktiziert habe. Die persönliche Begrüßung von Neubürgern und Gewerbetreibenden und die Einführung eines kostenlosen Samtgemeinde-Magazines für Lindhorst zählen ebenfalls zu den Dingen, die ich gern einführen würde. Ein Seniorenbeauftragter als Mittler zwischen Verwaltung und unseren Senioren und Ansprechpartner für die alltäglichen Probleme unserer Senioren muss her.

Herr Illmer, Danke für das Gespräch.

Interview: Guido Scholl

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